Zeitungstrends 2018: Yes, we can!

,

Zeitungen entwickeln sich kontinuierlich weiter, in Print und Online. Der European Newspaper Award zeigt jedes Jahr die aktuellen Trends. Wenn Sie auf der Website www.newspaperaward.org die Beispiele ansehen oder das Jahrbuch durcharbeiten, (Bestellung HIER) werden auch Sie feststellen: Der Slogan „Yes, we can!“ von Barack Obama passt sehr gut zur positiven, optimistischen Haltung, die die Macher der ausgezeichneten Arbeiten vermitteln.

Die besten Zeitungen Europas kommen in diesem Jahr aus Luxemburg (Tageblatt), den Niederlanden (De Limburger), Deutschland (Handelsblatt) und Norwegen (Morgenbladet). Insgesamt nahmen 185 Zeitungen aus 27 Ländern am 19. European Newspaper Award teil. Die Preisverleihung findet am 14. und 15. Mai im Rahmen des European Newspaper Congresses in Wien statt. Website www.newspaper-congress.eu

Auffällig ist dabei die schrittweise Weiterentwicklung im Print-Bereich. Die naheliegende Erklärung: Zeitungen haben in der Regel Abonnenten, die nicht unbedingt jeder Neuerung aufgeschlossen gegenüber stehen. Darum neigen Zeitungsmacher auch eher zu schrittweisen Weiterentwickungen und nicht zu sprunghaften Veränderungen.

Es zeigt sich quer durch alle Einreichungen ein genereller Trend weg von geschlossenen Texten hin zu alternativen Storyformen und visual Storytelling. Große Themen werden von vielen Zeitungen auf Doppelseiten angelegt und mit Landkarten, Infografiken und Schaubildern präsentiert.
Bemerkenswert auch, wie deutlich die Qualität der Online-Einreichungen gestiegen ist. Für den 19. Wettbwerb wurden der Jury rund 120 Projekte von 30 Zeitungen aus ganz Europa vorgelegt mit deutlichem Fokus auf Bewegtbild und aufwändigeren „Snow-Fall“-Projekten. Sechs Bewegtbild-Projekte und 14 Multimedia-Stories wurden ausgezeichnet. Besonders beeindruckte übrigens eine Reportage von „Politiken“, Dänemark, über die Rettung von Flüchtlingen aus dem Mittelmeer.
Zeitungen sind natürlich auch im Bereich Social-Media aktiv. Darum gibt es dafür eine eigene Kategorie. Eine Auszeichnung ging unter anderem an die Axel-Springer-Akademie für das Snapchat-Projekt „Sachor jetzt“. Es wurde von 16 Volontären der Akademie entwickelt. Eine Dokumentation dieses Projektes ist hier zu finden: www.sachor.jetzt
Ein Trend, der besonders aus Nordeuropa kommt, ist die magazinähnliche Gestaltung der Zeitung. Das Tageblatt, Luxemburg, hat sich in den letzten Jahren in diese Richtung weiter entwickelt. Coverstories, die im Innern weiter fortgesetzt werden und alternative Storyformen gehören zum täglichen Repertoire dieser Tageszeitung, die in diesem Jahr einen der vier Hauptpreise gewonnen hat.

Der Trend zu Cover- und Coverstory hat sich bei Europas Zeitungen weiter verstärkt. Lokal- und Regionalzeitungen in Skandinavien, aber auch in Belgien und den Niederlanden präsentieren ein Thema des Tages groß auf der Titelseite und führen es dann auf zwei bis fünf Seiten im Innern fort. In Deutschland folgt das „Handelsblatt“ diesem Trend besonders deutlich in jeder Freitags-Ausgabe.


Sieben Trends:

1. Die Samstags-Zeitung wird zur Wochenzeitung.

Diesen Weg beschreitet die Allgemeine Zeitung Mainz mit ihren 34 Partner-Verlagen. Der Umfang wurde erweitert und neue Themen eingebaut, die für eine entspannte Freizeit-Lektüre sorgen. Das bedeutet auch, dass jeder Lokalteil an diesem Tag eine nahezu monothematische Startseite hat.

2. Titelseite als Poster

Mehr und mehr Zeitungen gehen dazu über, ein großes Aufmacher-Thema zu präsentieren. Der Hauptpreisträger in er Kategorie überregionale Zeitung, das Handelsblatt ist auch dafür ein markanter Vertreter. Von den Zeitungen im im Berliner Format ist das Tageblatt aus Luxemburg dabei im deutschen Sprachraum sicher führend. Viele andere Zeitungen, wie z.B. die Kleine Zeitung aus Graz, Polska oder Delovoy St. Petersburg tun sich damit noch leichter, weil sie im Tabloid-Format erscheinen.

3. Professionelle „Snow-Fall“-Projekte.

In den letzten Jahren haben Zeitungen mit diesem und anderen neuen journalistischen Online-Formaten experimentiert. Beim diesjährigen Wettbewerb sieht man, dass dieses neue Werkzeug inzwischen im Alltag professionell genutzt wird.

4. Online-Trend zu textgetriebenen News-Apps.

Schon im vorigen Wettbewerb wurden intuitiv zu navigierende News-Apps ausgezeichnet. Beispiel: Der Tag von der FAZ und die App 12 des Tages-Anzeigers. Hier werden vor allem lange Texte auf dem Smartphone angeboten. Hohe Nutzerzahlen dieser Apps zeigen den Erfolg.

5. Visueller Journalismus bleibt im Trend.

Alternative Storyformen, visual Storytelling, Foto-Reportagen – all diese journalistischen Genres werden mehr und mehr in Print eingesetzt. Es gibt also nach wie vor einen Trend zu stärkerer visueller Präsentation von Inhalten.

6. Datenjournalismus: wenige Spezialisten.

Die Berliner Morgenpost und der Tages-Anzeiger fallen auf durch eine Vielzahl datenjournalistischer Projekte. Es scheint, dass sich nur wenige Spezialisten damit befassen, größere Datenmengen online zugänglich zu machen.

7. Infografiken auch in Zentraleuropa häufiger.

Die iberische Halbinsel und Griechenland waren in Europa Vorreiter bei doppelseitigen Infografiken. Diese journalistische Darstellungsform findet sich nun auch häufiger in Dänemark, Großbritannien, den Benelux-Ländern und im deutschen Sprachraum.


European Newspaper Award:

Der Wettbewerb wird seit seiner Gründung im Jahr 1998 von Zeitungsdesigner Norbert Küpper veranstaltet. Am 19. Wettbewerb haben sich 185 Zeitungen aus 27 Ländern beteiligt.

European Newspaper Congress:

In den ersten vier Jahren fand die Preisverleihung im Krönungssaal des Aachener Rathauses statt. 1993 gründete Norbert Küpper den European Newspaper Congress, bei dem innovative Projekte im Bereich Print und Online aus ganz Europa vorgestellt werden. Der European Newspaper Congress findet seit 1994 in Wien statt. Er wird vom Verlag Oberauer aus Salzburg in Kooperation mit Norbert Küpper durchgeführt.


Die Hauptpreisträger des 19. European Newspaper Award

Neben den Awards of Excellence gibt es vier Hauptpreise. Der European Newspaper Award wird von jeher in die Kategorien Lokalzeitung, Regionalzeitung, überregionale Zeitung und Wochenzeitung gegliedert, weil diese vier Zeitungstypen unterschiedliche Ressourcen und Zielgruppen haben.

European Newspaper of the Year, Kategorie Lokalzeitung:

Tageblatt, Luxemburg

European Newspaper of the Year, Kategorie Regionalzeitung:

De Limburger, Niederlande

European Newspaper of the Year, Kategorie überregionale Zeitung:

Handelsblatt, Deutschland

European Newspaper of the Year, Kategorie Wochenzeitung:

Morgenbladet, Norwegen


European Newspaper of the Year, Kategorie Lokalzeitung: Tageblatt, Luxemburg

Die Zeitung erscheint in Luxemburg im Berliner Format und hat eine Auflage von ca. 20.000 Exemplaren. Die Zeitung beschäftigt 30 Journalisten, sechs Fotografen und vier Layouter.

Jury-Statement

Das Tageblatt hat sich in den letzten Jahren inhaltlich und gestalterisch kontinuierlich weiterentwickelt. Die Titelseite signalisiert bereits durch das visuell sehr gut aufbereitete Thema, dass hier eher im Stil einer Wochenzeitung gearbeitet wird. Es werden nicht viele Themen kurz angerissen, sondern wenige gut ausgewählte Themen ausführlich für den Leser aufbereitet. Man arbeitet dabei nicht nur mit Text, sondern es werden auch alternative Storyformen und Infografiken eingesetzt. Kein Zweifel: Das Tageblatt ist „European Newspaper of the Year“ und kann diese Auszeichnung nun ein Jahr lang im Zeitungskopf führen.


European Newspaper of the Year, Kategorie Regionalzeitung: De Limburger, Niederlande

Die Zeitung erscheint in der Provinz Limburg im Tabloid-Format. Die Zeitung hat eine Auflage von 122.614 Exemplaren. In der Redaktion sind 98 Journalisten, 17 Fotografen und 12 Layouter. Beim ersten European Newspaper Award wurde die Zeitung schon einmal ausgezeichnet. Damals war sie noch im Vollformat und hieß „Dagblad de Limburger“.

Jury-Statement

De Limburger hat eine sehr moderne, visuell angelegte Titelseite. Zwei bis drei Themen werden hier vorgestellt. Es werden immer neue Layout-Varianten gewählt. Dadurch wird der Eindruck der Gleichförmigkeit vermieden. Die Zeitung hat verschiedene Sektionen, bei denen der Stil der Titelseite fortgesetzt wird. Dazu gehören die Lokalteile sowie Scala, Horizon und Sport. Auch hier wird viel Hintergrund angeboten und weniger kleine Meldungen. Am Wochenende gibt es das „L Magazine – Lekker Weekend“ – schönes Wochenende. In diesem Magazin beweist die Redaktion Kreativität bei Themenfindung und Layout.


European Newspaper of the Year, Kategorie überregionale Zeitung: Handelsblatt, D

Die Zeitung hat eine Auflage von 122.015 Exemplaren, davon 44.537 e-paper (IVW 3/2017). Für das Handelsblatt arbeiten rund 200 Redakteure, Korrespondenten und ständige Mitarbeiter, davon sechs Layouter, fünf Bildredakteure und sieben Infografiker. Die Zeitung hat keine eigenen Fotografen.

Jury-Statement

Durch das handliche Tabloid-Format hebt sich das Handelsblatt angenehm von anderen Zeitungen ab. Vor kurzem wurde die tägliche doppelseitige Infografik eingeführt und die Coverstories am Wochenende sind in ihrer Ausführlichkeit und in ihrem magazinigen Layout in Europa schwer zu übertreffen. Der Transformationsprozess in Richtung elektronische Medien ist weit fortgeschritten, denn ein Drittel der Auflage sind e-paper. Das bedeutet, dass die Kundschaft Innovationen sehr aufgeschlossen gegenüber steht. Ein Highlight der Online-Aktivitäten ist der Morning-Newsletter des Herausgebers, der oft in anderen Medien zitiert wird.


European Newspaper of the Year, Kategorie Wochenzeitung: 

Morgenbladet, N

Morgenbladet erscheint in Oslo mit einer Auflage von 29.000 Exemplaren. Das Team besteht aus 29 Personen: Journalisten, Fotografen, Layouter. Zum Team gehört auch ein Art-Director sowie eine ganze Reihe von Freelancern. Morgenbladet erscheint im Tabloid-Format. Website: morgenbladet.no

Jury-Statement

Das Morgenbladet läßt sich mit drei Stichworten beschreiben: 1. Cover und Coverstories, 2. große Foto-Reportagen und 3. Themen, die durch Illustrationen visuell aufbereitet werden. Die Titelseite ist meist einem einzigen Thema gewidmet. Auf den Innenseiten ist der Umgang mit Bildern und das Seitenlayout variantenreich und durch das Tabloid-Format sehr zeitschriftenähnlich. Ein Highlight bilden Karikaturen zu weltpolitischen Themen. Ein schönes Detail ist die Infografik der Woche, die auf Seite zwei unten steht. Insgesamt: Morgenbladet bietet inhaltlich und gestalterisch ein ganz unverwechselbares Profil.


Die Jury des 19. European Newspaper Award

Die 16 Jury-Mitglieder kamen aus neun Ländern: Griechenland, Dänemark, Norwegen, Finnland, Niederlande, Portugal, Schweiz, Irland und Deutschland. Es sind Journalisten, Wissenschaftler und Designer.

Die Jury des 19. European Newspaper Award (von links):

– Dimitris Nikas, Art-Director, H Kathimerini, GR
– Eva Dähne, Art-Directorin, Stuttgarter Nachrichten, D
– Søren Nyeland, Art-Director, Politiken, DK
– Marianne Bahl, Art-Director, Børsen, DK
– Björn Heselius, Principal Designer, Nitor, FIN
– Theo Dersjant, Director Fontys School of Journalism, NL
– Alie Veenhuizen, Art-Director, Leeuwarder Courant, NL
– Marco Grieco, Art-Director, Expresso, P
– Detlev Scheerbarth, Märkische Allgemeine, Potsdam, D
– Marianne Hartz, Art-Director, Lebensmittel Zeitung, D

Zweite Reihe:
– Tanja Starkowski, Bildredakteurin, St. Galler Tagblatt, CH
– Kevin Loftus, Art-Director, The Mayo News, IRL
– Walter Jensen, Art-Director, Bergens Tidende, N
– Andreas Kemper, Mitglied der Chefredaktion, Main-Post, D
– Prof. Joachim Blum, Media-Consultant, D
– Annette Milz, Chefredakteurin MediumMagazin, D

Mitglieder der Jury sind von der Bewertung der eigenen Arbeit ausgeschlossen.


Kontakt: Norbert Küpper · Büro für Zeitungsdesign · Gutenbergstr. 4 · 40670 Meerbusch · Deutschland · E-Mail mail@newspaperaward.org · Telefon +49 21 59 91 16 15 · Website www.newspaperaward.org