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Layouttipp

Zeitungsdesign Norbert Küpper

Von 1989 bis Anfang 2020 erschien die Kolumne „Layouttipp“ in der Zeitschrift MediumMagazin. Nun erscheint sie hier. Das hat viele Vorteile, denn man kann mehr Text beifügen und mehr Beispiele zeigen.

Stichworte sind: Layout, Seiten-Umbruch, Navigation, Bilder, Bildgrößen, Bildschnitt, Typografie, Lesbarkeit, Leserführung, Funktionalität, Konzept, Innovation und Gesamt-Anmutung.

Ergebnisse der Leseforschung spielen in dieser Kolumne eine große Rolle, denn viele Design-Entscheidungen haben gute Gründe, die oft wissenschaftlich abgesichert sind. In vielen Lehrbüchern über Typografie und Design werden die hier zugrunde gelegten Regeln schon seit vielen Jahren dargestellt. Die bekannten Regeln werden hier quasi praktisch angewandt und die Befolgung wird manchmal angemahnt.

Social-Media-Aktivitäten können hier ebenfalls vorkommen, dabei geht es um das Konzept und die Interaktion der Redaktion mit den Nutzern.

Außerdem kann man in älteren Layouttipps schmökern. Die alten Tipps werden hier nach und nach eingebaut.

Wenn Sie eine Blattkritik oder ein Inhouse-Seminar brauchen, dann schreiben Sie am besten an: nkuepper@layouttipp.de

07 2020 ADAC Motorwelt

ADAC Motorwelt – Neues Vertriebskonzept – Design-Änderungen

Die IVW weist im vierten Quartal 2019 bei der ADAC Motorwelt eine verkaufte Auflage von 13.557.199 Exemplaren aus. Im ersten Quartel 2020 sind es nur noch 4.540.136 Freistücke, die an 9.502 Auslegestellen in Supermärkten und ADAC Geschäftsstellen bereitgehalten werden. Das ist eine Steigerung der Freistücke um sagenhafte 17.428,13 %. Der neue Vertriebsweg ist komplex:

  1. Daran denken, dass man die ADAC Motorwelt gerne hätte.
  2.  Supermarkt aufsuchen.
  3.  An der Kasse die ADAC Motorwelt sehen.
  4.  Seinen Mitglieds-Ausweis dabei haben.
  5.  Ausweis scannen lassen und Heft kostenlos mitnehmen.

Es gäbe einen einfacheren Weg. Der ADAC hat auf seiner Website das E-Paper und ein großes Archiv der Motorwelt. Der nächste Schritt wäre, dass man die Zeitschrift völlig in die Website integriert und ein Web-Magazin macht. Wenn es im derzeitigen Tempo weiter geht, wird das im Jahr 2025 gemacht.

Hintergrund: Die ADAC Motorwelt geriet 2014 in eine schwere Krise. Das Handelsblatt schreibt: „Der Autofahrerclub ADAC hat fast zehn Jahre lang die Ergebnisse seiner Leserwahlen gefälscht. Zwischen 2005 bis 2013 sei die Rangliste des „Lieblingsautos“ der Deutschen zum Teil gravierend manipuliert worden, fanden die Wirtschaftsprüfer von Deloitte heraus, wie der ADAC am Montag mitteilte. So seien die Teilnehmerzahlen geschönt und auch die Reihenfolge der Gewinnermodelle verändert worden.“ Wenn nur wenige Leser an den Leserwahlen teilnehmen, dann haben sie das Heft eventuell ungelesen entsorgt.

Die ADAC Motorwelt wurde in der Zeitschrift MediumMagazin bereits einmal besprochen: Heft 1/2014.

Titelseite

  1. + Kopf: Obwohl der Kopf auf den ersten Blick unauffällig ist, ist er gut lesbar und unverwechselbar. Die verwendete Schrift Milo hat ein paar eigenwillige Elemente, wie z.B. das „W“. Die Milo wird durchgehend bei der Motorwelt eingesetzt, denn es gibt Versionen ohne und mit Serifen. Außerdem gibt es eine serifenbetonte Variante. Alles über die Milo findet man hier.
  2. +– ADAC-Logo: Die Zeitschrift heißt eigentlich ADAC Motorwelt. Durch die Loslösung des ADAC-Logos vom Namen wird der Titel unabhängiger. Nachteil: Der Kopf wird sehr hoch und man bekommt Probleme, vernünftige Bilder für das Cover zu finden.
  3. – Aufmacher: Die Schrift für den Aufmacher ist etwas klein. Außerdem haben Ein-Wort-Überschriften oft nicht viel Inhalt. Es geht um „Das perfekte Aktiv-Wochenende in der Natur“. Das Aufmacher-Bild ist nicht sehr aktiv. Das Thema wird nicht sehr spannend visualisiert.
  4. +– Button: Meist haben neue Zeitschriften einen roten Button „Neu“. Die Motorwelt macht mit dem Button nochmals klar, dass das Heft für Mitglieder kostenfrei ist. Im Supermarkt sind ja Zeitschriften normalerweise nicht kostenlos.
  5. +– Gewinnspiel-Button: Es kann sinnvoll sein, ein Gewinnspiel zu machen, um den Absatz anzukurbeln. Immerhin kann man Preise im Wert von 58.000 Euro gewinnen. Der kleine rote BMW ist auf dem blau-grünen Grund schlecht zu erkennen. Besser: weglassen.
  6. +– Drei Anrisse: Der Blick fällt auf den mittleren Anriss, denn man kann ihn gut lesen. Die beiden anderen stehen weiß auf grünem Grund. Nicht zu empfehlen. Ein-Wort-Überschriften auch hier: Dauerläufer, Im Interview, Neue Mobilität. Man sieht: Diese Überschriften sind nicht sehr aktivierend. Wollen Sie diese Zeitschrift nun lesen? Wollen Sie sie haben? Tja.

Innenseite

  1. + Seitentitel: Mittig steht über jeder Seite das Thema. Sehr dezent und elegant gelöst.
  2. – Überschriften-Apparat: Über diesem Artikel steht nur: Wegweiser. Worum es geht, darf sich der Leser selbst erarbeiten. Glücklicherweise steht im Inhaltsverzeichnis: „14 Experten über ihre Ideen für eine nachhaltige Mobilität“. Dieser Text wäre auch hier als Unterzeile geeignet gewesen.
  3. ++ Text: Der Test wird deutlich größer gesetzt als die Grundschrift. Es ist eine Art Einleitung für den mehrseitigen Artikel. Er hätte ca. acht Zeilen kürzer sein können. Zwei Absätze hätten auch nicht geschadet. Insgesamt trotzdem eine innovative Idee, die man selten sieht. Die Motorwelt könnte mehr gestalterische Experminete wagen und sich dadurch von anderen Zeitschriften stärker abheben.
  4. +– Kachelmuster: Neun der 14 Experten werden im Kachelmuster abgebildet. Alle wurden sehr sorgfältig vor grünem Hintergrund fotografiert. Ich hätte gerne gewusst, wer hier abgebildet wird. Zum Glück erfährt man es auf den folgenden Seiten des Artikels.
  5. + Negativ-Text: Es stehen zwie Texte mit kleinen Zahlen auf den Bildern. Der Hitnergrund wurde noch etwas nachgedunkelt, damit man überhaupt was erkennen kann. Eine bessere Lösung wäre weiße Schrift auf schwarzem Grund. Insgesamt: Man müsste mehr Innovation wagen bei gleichzeitig guter Lesbarkeit.

Inneneseite des Artikels über „Wegweiser“. Das Thema wird nicht in einem langen Artikel abgehandelt sondern in einer alternativen Storyform präsentiert.

Doppelseite vom Heftanfang. In den neunziger Jahren wurden Zeitschriften mit opulenten Doppelseiten gestartet. Der Bildtext steht wie hier auf weißem Grund im Bild. Geo und Focus waren die ersten Zeitschriften mit diesem Stilelement.

Gut aufbereitetes Service-Thema aus dem hinteren Teil der Ausgabe. Aufwändig gestaltete Illustration eines Cockpits.

Dieser Artikel erschien am 5. Oktober 2020 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

06 2020 Berliner Zeitung

Berliner Zeitung: Klarheit durch Symmetrie

Die Berliner Zeitung wurde im Jahr 1945 gegründet. Sie erscheint im Rheinischen Format. Die letzte IVW-Meldung der Berliner Zeitung ist vom 4. Quartal 2019. Die verkaufte Auflage lag bei 83.690 Exemplaren, davon waren 22.162 Exemplare E-Paper. Es gab 53.939 Abonnenten. Das waren 12,23 % weniger als in 4/2018. Der sonstige Verkauf ist mit 22.251 Exemplaren recht hoch. Seit Anfang 2020 wurde die Auflage nicht mehr an die IVW gemeldet. Die Entwicklung dürfte weiterhin negativ sein.

Man hat in den letzten Jahren einen konzeptionellen und inhaltlichen Wandel vollzogen von einer Regionalzeitung zu einer täglich erscheinenden Wochenzeitung. Die Berliner Zeitung  hat nun ein ausgesprochen ruhiges, mittelachsig angelegtes Layout mit klaren Bildgrößen und relativ langen Artikeln. Auch im Lokalteil wird das Layout ohne Kompromisse durchgehalten. Was die Klarheit und Übersichtlichkeit angeht, können sich überregionale Zeitungen und Wochenzeitungen an dieser Zeitung orientieren.

Die zusätzlichen Beispielseiten weiter unten zeigen: Die Zeitung hat einen sehr guten Umgang mit Bildern.

Hintergrund: Unter der Überschrift „Systemsprenger“ schreibt Alexander Osang in Heft 20/2020 des Spiegel unter anderem: An­fang des Som­mers kün­digt Fried­rich mir sei­nen Ur­laub auf der grie­chi­schen In­sel an, wie eine Etap­pe sei­nes Pro­jekts. Eine Dienst­rei­se, auf der er den gan­zen Tag na­ckig her­um­lau­fen kann, weil er kei­ne Nach­barn hat. In der Zeit müss­ten sich die Re­dak­teu­re ent­schei­den, sagt er. Ma­chen sie mit oder nicht? Ihre Haus­auf­ga­be sei: in Skan­dal­ka­te­go­ri­en den­ken. Die Kon­tro­ver­se ver­or­ten. Schwarz–Weiß. Rechts–Links. AfD–PDS. Da­für sein oder da­ge­gen. Lieb­knecht oder Hin­den­burg. Drin oder drau­ßen. Es ist das, was er ge­lernt hat. Sein Kon­zept für Lo­kal­jour­na­lis­mus geht so: Wer ist gut für Ber­lin? Wer ist schlecht für Ber­lin?

»Ich habe jetzt über ein hal­bes Jahr mei­nes Le­bens und viel Geld in­ves­tiert. Lohnt es sich oder nicht?«, sagt Fried­rich.

Wie viel hat er in­ves­tiert?

»Sechs Mil­lio­nen, viel­leicht sie­ben«, sagt Fried­rich. »Das ist auch nicht so wich­tig. Wich­tig ist, ob es zün­det, ob die Le­ser die Her­aus­for­de­rung an­neh­men. Ob wir ih­nen ei­nen Wert bie­ten kön­nen. Wenn gar nichts pas­siert, ma­chen wir eine Rie­sen­fe­te und fa­ckeln das Haus ab.«

Bisher kann man nicht sehen, dass die Redaktion in Skandalkategorien denkt. Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass am Ende eine Riesenfete gemacht wird.

In der Kolumne Layouttipp des MediumMagazins wurde die Berliner Zeitung schon einmal gesprochen. Es war Heft 3/2018. Interessant, wie viel sich inzwischen verändert hat. Link zum Layouttipp 3/2018.

Titelseite vom 3. September 2020

Titelseite

  1. +– Der Zeitungskopf: Er ist in tiefdunklem Blau gedruckt, so dass er am Bildschirm fast schwarz aussieht. Ende der neunziger Jahre wurde der Kopf dem der New York Times angeglichen, weil man eine große überregionale Zeitung sein wollte. Danach ist irgendwann das Wappen von Berlin nach unten gerutscht. Die gebrochene Schrift ist generell dadurch gekennzeichnet, dass ein enges Gesamtbild entsteht. Hier wurden die Buchstaben etwas zu weit auseinander gezogen.
  2. + Fußleiste: Der Abschluss der Seite ist sehr übersichtlich gestaltet. Hier stehen Ansprechpartner mit Telefonnumern, der Verkaufspreis und andere Regularien. Ein QR-Code führt zur Website. Das Wappen ist hier gut platziert – für Nostalgiker, für die Tradition wichtig ist.
  3. + Anrisse oben: Sie sind knapp formuliert und die Bilder sind immer quadratisch. Ressortangabe neben der Seitenzahl. Insgesamt sauber gelöst.
  4. +– Bild-Aufmacher: Die Überschrift „Mühsamer Start“ ist etwas kurz. Erst in der Unterzeile liest man, dass es um Fußball geht.
  5. + Aufmacher: Auch hier liefert die Überschrift nicht das Thema. Es geht um Flüchtlinge in Griechenland. Der Artikel wird durch ein zweispaltiges Zitat gut gegliedert.
  6. – Einspalter: Die seitenhohen Einspalter sind eine Besonderheit dieser Zeitung. Bei anderen Zeitungen sind sie verpönt, weil Artikel dadurch viel länger aussehen als mehrspaltig umbrochene. Man nennt den Umbruch dieser Seite auch 1 – 4 – 1. Diese Methode war schon Ende der siebziger Jahre bei der Berliner Zeitung üblich. Damals allerdings mit mehreren Meldungen links und rechts außen.

Seite Zwei und Drei der Berliner Zeitung.

Doppelseite

  1. + Seitentitel: Der Seitentitel bekommt viel Platz. Da die Ressort-Angaben relativ klein gesetzt sind, entsteht viel Weißraum im Seitenkopf.
  2. + Bildgröße, Bildschnitt: Es gibt viele extrem querformatige Bilder in der Berliner Zeitung, die über die volle Seitenbreite geführt werden. Das wirkt großzügig und schafft ein gutes Text-Bild-Verhältnis. Die Seiten wirken nur selten grau. Der extreme Bildschnitt hilft dabei, Spannung zu erzeugen.
  3. + Kontrastierendes Bild: Unter dem großen Bild steht ein deutlich kleineres. Dadurch entsteht Kontrast. Unter dem Bild ist eine Ergänzung, die gestalterisch aufs Wesentliche reduziert wurde. Die kleinen farbigen Elemente sind Teil des Corporate Design. Sie sind auch auf der Website zu finden.
  4. +– Das Wetter: Es ist vollständig und logisch aufgebaut, denn es zeigt von links nach rechts Berlin und Brandenburg, Deutschland und Europa. Insgesamt etwas klein und man fragt sich, warum es gerade hier steht.
  5. +– Aufmacher-Bild: Es hat im Verhältnis zur Gesamtseite die richtige Größe. Das Format ist etwas unentschieden, weder hoch noch quer. Zum Text hätte man links und rechts ca. 10 mm Weißraum lassen können.
  6. – Aufmacher-Überschrift: Sie wird unter dem Bild mittig platziert. Dadurch ist der Text-Beginn oben links sehr weit entfernt. Regel: Man soll Überschrift und Text nicht voneinander trennen. Es wäre also von Leseablauf und Funktionalität her besser gewesen, die Überschrift über das Bild zu stellen.
  7. + Symmetrie: Beide hier gezeigten Seiten sind völlig mittelachsig – symmetrisch – angelegt. Durch diese Arbeitsweise erzeugt man automatisch ein seriöses Erscheinungsbild. Man sagt auch: Dieses Layout ist narrensicher. Man kann nicht viel falsch machen.

Ressort-Starts mit sehr gut geschnittenen hochformatigen Bildern.

Beginn des Lokalteils mit großer Anzeige. Gut, dass hier nur eine Story platziert wurde. Die Bilder kollidieren zwar mit den Anzeigen, aber es ist insgesamt eine saubere Lösung, die man eher bei Wochenzeitungen sieht. Regionalzeitungen haben meist viele kleine Artikel im Lokalteil.

Weitere Lokalseiten. Es enststeht kein Bruch zu den anderen Ressorts, weil man sich auch im Lokalen auf wenige Themen konzentriert. Das symmetrische Layout mit extrem geschnittenen Bildern wird konsequent eingehalten.

Dieser Artikel erschien am 2. Oktober 2020 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

05 2020 Die Zeit

Die Zeit: Details für Insider

Am Donnerstag, 3. September 2020 erschien die Wochenzeitung Die Zeit in einem überarbeiteten Layout. Die Zeit wird im Nordischen Format produziert und hat eine verkaufte Auflage von 521.927 Exemplaren (IVW 2/2020). Das ist eine Steigerung von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine besonders interessante Zahl: 2/2019 lag die ePaper-Auflage bei 116.830, 2/2020 bei 158.181. Es gibt bei Neuabonnenten offenbar einen deutlichen Trend zum ePaper.

Kress hat am 3. September 2020 über die Überarbeitung berichtet. Haika Hinze, Art-Directorin, sagt dort unter anderem: „Zur Zeit ist es uns besonders wichtig, die unglaublich vielen guten Fotoarbeiten und Illustrationen, die für uns exklusiv produziert werden, noch mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Außerdem setzen wir auf ein klares Layout und auf eine elegante, zentrierte Typografie.“ Neben den mittelachsigen Überschriften sieht man nun auch öfter zentrierte Bilder, die von etwas Weißraum umgeben sind. Dabei ist ein klassischer Fehler zu beobachten, der sich schon vor einiger Zeit eingeschlichen hat: Auch große Bilder werden mitten in den Text gestellt. Man kann sagen: Das sieht gut aus. Wenn man aber auf Lesbarkeit und Funktionalität achtet, würde man sagen: Es ist völllig falsch, weil der Leser dem Textverlauf kaum folgen kann.

In der Zeitung wurden die Veränderungen nicht mitgeteilt, weil sie letztendlich marginal sind. Es gibt allerdings Social-Media-Beiträge der Art-Direction.

Diese Überarbeitung ist sicher sinnvoll, weil man bei der Arbeit mehr und mehr aus der Spur geraten kann. Aufräumen und zurück zur klaren Linie ist das Motto.

Titelseite vom 3. September 2020

Titelseite

  1. +– Der Zeitungskopf: Die monumentalen Versalien und das Wappen von Bremen* sind unverändert geblieben. Bei den Eigenanzeigen links und rechts hätte man die Gelegenheit gehabt, mal hervorragende Anzeigen für diesen Platz zu schaffen. Die Chance wurde vertan. Daher wäre es besser, die Flächen einfach weiß zu lassen, wenn die Anzeigen nicht verkauft sind.
  2. + Das Poster: Die obere Hälfte der Titelseite wird fast ausschließlich dem Aufmacher-Thema gewidmet. Diese Idee hat sich bei anderen Wochenzeitungen und auch bei einigen Tageszeitungen in Deutschland durchgesetzt. Cover und Coverstory sind nicht nur bei Wochenzeitungen im Trend.
  3. – Grundtext, Auflockerungen: Man hat offenbar nichts verändert am Grundtext. Die Schrift könnte etwas größer sein. Bei beiden Artikeln auf der Titelseite ist eine zweizeilige Zwischenzeile enthalten. Immerhin etwas, denn im bundesweiten Trend liegt gerade, Zwischenzeilen und Ergänzungsboxen wegzulassen. Ursache: Vermutlich werden Forschungsergebnisse falsch interpretiert.
  4. – Kleine Anrisse: Die kleinen Anrisse rechts neben dem Coverthema gehen etwas unter. Das Bild bei „Drostens Duo“ zeigt überwiegend einen Arztkittel auf gelbem Grund. Hier wird zu viel Kleinmaterial auf engem Raum untergebracht: Überschrift, Text, Ressortangabe, Seitenzahl. Weniger ist mehr. Dann noch: Warum werden die beiden senkrechten Linien nicht seitenhoch geführt?
  5. + Kolumne: „Prominent ignoriert“ ist der Titel. Es könnte ein Element sein, das viele Leser nutzen, weil es lustig, schräg und weniger offiziell ist als Die Zeit.
  6. – Rechts unten: In dieser kleinen Drecksecke wird alles untergebracht, was man eigentlich nicht auf der Titelseite haben will: Quellenangaben bei Fotos, Anschrift und Telefon des Verlags, Abo-Telefonnummern, Auslandspreise. Die Ausgaben-Nummer mit dem Barcode rettet diese Ecke, aber nur ein wenig. Besser: Aboservice und Auslandspreise stehen lassen, die anderen Angaben ins Impressum stellen.

*Wappen von Bremen: Wikipedia schreibt dazu „So hat die in Hamburg erscheinende Wochenzeitung Die Zeit nach der Gründung der Zeitung das Hamburger Wappen in der Kopfzeile von der Erstausgabe (Febr. 1946) bis zur Ausgabe Nr. 13 (Mai 1946) verwendet. Doch die Freie und Hansestadt Hamburg verweigerte die nachträgliche Genehmigung. Die Zeit wandte sich an Bremens Bürgermeister Wilhelm Kaisen, der die Nutzung des Bremer Wappens am 10. Juni 1946 erlaubte. Die Zeit verwendet den Bremer Schlüssel und die goldene Krone noch heute.“

Doppelseite aus dem Ressort Wissen

Doppelseite

  1. – Seitentitel: Die Ressortangabe „Wissen“ ist gut. Sie könnte sogar im Verhältnis zur Gesamtseite etwas größer sein. Vor einiger Zeit hat man noch Untertitel geschaffen, die auf Unterteilungen innerhalb eines Ressorts hinweisen sollen. Hier wurde von Versalien auf Groß- und Kleinschreibung umgestellt. Die Versalien passten besser zum Seitentitel insgesamt. Überflüssige Veränderung.
  2. – Seitenlayout: Wir haben hier eine falsche Panoramaseite vor uns. Das bedeutet, dass man nicht über den Bund layouten kann. In der Mitte der Seite bleibt immer eine senkrechte weiße Fläche, die nicht bedruckt werden kann. Es wäre trotzdem besser gewesen, die Bilder oben quer über die beiden Seiten zu arrangieren und den Text darunter anzuordnen. Bei dem jetzigen Layout haben wir zwei Hälften vor uns, bei denen zunächst nicht klar ist, dass sie überhaupt zusammen gehören.
  3. – Bildblock: Das Arrangement von Bildern zu einem Block sorgt für Übersichtlichkeit. Allerdings stehen hier die Bilder zu nah beieinander und damit stören sie sich gegenseitig. In der Unterzeile wird erwähnt, dass der Mississippi mit dem Kanu befahren wurde. Dann hätte ich gerne das Kanu mit dem Autor und dem Mississippi zusammen auf einem Bild gesehen.
  4. – Bildtexte: Jedes Bild hat einen eigenen Bildtext. Bildtexte werden nicht gesammelt, wie es hier gemacht wurde, weil der Leser sich mühsam erarbeiten muss, was welches Bild nun zeigt. HIER  gibt es den Artikel online. Da stehen die Bildtexte richtig.
  5. – Text: Im Kontrast zu dem Bildblock links wird ein kleiner Textblock mittig in den Artikel gestellt. Man muss sich als Leser entscheiden: Lese ich das nun oder lasse ich es bleiben. Man sollte die Chance einer größeren Auflockerung nutzen und zum Beispiel die Infografiken zweispaltig in den Textblock einbauen.
  6. – Fakten: Wenn man aufräumen will, nimmt man Fakten, Bilder, Texte und Infografiken und arrangiert sie wie hier abgebildet. Besser wäre es allerdings, die Fakten zum Beispiel zweispaltig in den Artikel zu setzen. Dann wird der nämlich aufgelockert.
  7. – Infografiken: Die drei schwarzen Infografiken sind eher Icons, die wenig Inhalt transportieren: Punkte im Farbton Magenta sollen Städte markieren, die braune Verfärbung des Mississippi soll die Belastung mit Stickstoff zeigen und die gleiche Grafik in Blau soll schiffbare Flusskilometer zeigen. Scheingrafiken, die außerdem viel zu klein sind.

Wenn das Bild in der Mitte des Artikels steht, wird der Leseablauf schwierig. Funktionalität, Lesbarkeit?

Innenseite

    1. +– Überschrift: Der Artikel füllt weniger als eine Seite und hat eine dreizeilige Überschrift. Zweizeilig hätte genügt.
    2. + Weißraum um Bilder: Das habe ich schon mehrmals bei Regionalzeitungen gemacht. Der weiße Raum um Bilder wirkt großzügig.
    3. – Abweichende Spaltenbreite: Das Bild verdrängt die Spalten links und rechts. Wenn man aufräumen will, wird man Ordnung schaffen und vorgegebene Spaltenraster einhalten.
    4. + Fakten: Sie werden übersichtlich mit hervorgehobenen Zahlen präsentiert. Die Anordnung unter dem Bild wirkt sehr aufgeräumt und übersichtlich.
    5. – Leseablauf: Wenn man einzeichnet, wie man lesen müsste, merkt man, dass es schwierig wird, wenn man ein mehrspaltiges großes Bild mitten in den Artikel setzt. Der Leser muss drei Mal über das Bild springen und zwei Mal von ganz unten nach ganz oben lesen. Darum gibt es die Regel: Man darf den Leseablauf nicht unterbrechen.
    6. – Sprung von unten nach oben: Wie kann man den großen Sprung von unten nach oben vermeiden? Das Bild und die Fakten nach oben unter die Überschrift schieben. Der auflockernde Effekt ist genau so groß und man quält die Leser nicht mit Leseabläufen über Bilder.

Dieser Artikel erschien am 4. September 2020 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

04 2020 Handelsblatt

Handelsblatt neu: übersichtlich, ruhig, seriös und edel.

Am Montag, 6. Juli 2020 erschien das Handelsblatt in einem überarbeiteten Layout. Die Zeitung verwendet das halbe Nordische Format und wird geklammert. Sie hat eine verkaufte Auflage von 136.428 Exemplaren. Davon sind 79.380 epaper (IVW 1/2020). Im Vergleich zum Vorjahr ist die Abonnement-Auflage um 2,8 % gesunken.

Beim 19. European Newspaper Award wurde das Handelsblatt mit einem der vier Hauptpreise ausgezeichnet: „European Newspaper of the Year“, Kategorie überregionale Zeitung. Mehr dazu gibt es HIER.

Hier werden ein paar Seiten im alten mit dem neuen Layout verglichen. Man sieht sofort: Das neue Layout ist ruhiger und wirkt noch seriöser. Farbige Überschriften sind entfallen, runde Aussparungen für Zitate und Ergänzugnen ebenfalls. Die doppelseitige Infografik in der Heftmitte ist offenbar abgeschafft worden.

Der Web-Auftritt verwendet andere Schriften als in Print. Ein medienkonvergentes Design mit Typografie, die in Print und Web identisch ist, scheint nicht angestrebt worden zu sein.Vorbilder für medienkonvergente Typografie sind übrigens The Guardian, The New York Times, Helsingin Sanomat und die Süddeutsche Zeitung.

Insgesamt: Für die Leser gibt es keinen Grund zur Aufregung, denn die Unterschiede vorher – nachher sind nicht so gewaltig. Das Blatt wirkt übersichtlich, ruhig, seriös und edel. Das liegt durchaus im Trend.

Das besondere Highlight: Die runden Bilder sind weg. Gratulation! Sie werden derzeit fast überall benutzt. Damit kann man kein unverwechselbares Layout mehr erzeugen.

Titelseite vom 3. Juli im Vergleich zum 6. Juli 2020.

Titelseite

  1. + Der Zeitungskopf ist etwas kleiner und die Standard-Angaben stehen jetzt über dem Kopf. Dadurch wirkt der Abschluss übersichtlicher. Im Vergleich zum alten Layout wirken die Anrisse unter dem Zeitungskopf ruhiger und übersichtlicher. Nicht ganz überzeugend ist die Rückkehr der Dachzeile. Forschung zeigt: Sie wird meist nach der Überschrift gelesen, wenn überhaupt. Ein freigestelltes Bild lockert die Anrisse etwas auf und bildet einen Blickfang. Die senkrechten Linien zwischen den Anrissen sorgen für die klare Zuordnung des Bildes zum Anriss rechts.
  2. + Als innovatives Element ist senkrecht auf der Seite ein Börsenticker platziert, der einen Überblick über die Aktienmärkte gibt. Unten stehen noch drei Gewinner und drei Verlierer. Guter Service für den Leser. Vor allem gibt es der Seite ein unverwechselbares Bild. Die Börsendaten sind deutlich übersichtlicher geworden, wie man im Vergleich zur alten Ausgabe sehen kann.
  3. + Statt fünf Anrissen ohne Überschrift sind es jetzt nur noch drei mit Überschrift. In einer Blickaufzeichnungstudie konnte ich zeigen, dass kleine Textblöcke ohne Überschrift auf der Titelseite nur sehr wenige Leser haben. Andere Testmethoden zeigen das gleiche Ergebnis. Darum haben viele Zeitungen die Verweise auf Innenseiten entfernt oder plakativer gestaltet. Generell gilt: Eine Meldung mit Überschrift hat mehr Leser als eine ohne Überschrift.

Seite 2 – 3 vom 3. Juli im Vergleich zum 6. Juli 2020.

Seite 2 – 3

  1. + Die Startseiten ins Blatt wurden deutlich beruhigt. Statt der plakativen Bilder im früheren Layout gibt es jetzt ein Inhaltsverzeichnis mit mehr Text. Wie bisher werden oben die drei Ressorts genannt. Es wird außerdem je ein Artikel aus jedem Ressort mit Bild und Überschrift angerissen.
  2. + Neu ist „Meistgelesen“ aus dem Digital-Ressort. Man versucht, die Zeitung als Rundum-Angebot mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken und verstärkt darum die Verknüpfung zu den Digital-Themen und zum Newsletter. Die Rubrik rechts außen auf der Seite „Akteur des Tages“ und „Märkte heute“ unterstreichen, dass man mit diesen beiden Seiten einen Überblick über die Themen des Tages geben will.
  3. – Die Firmennamen in der Rubrik „In dieser Ausgabe“ sind extrem klein. Es gibt auch bei Fachtiteln Leserbefragungen, die zeigen, dass ein paar Leser diesen Service tatsächlich nutzen. Darum: Schrift etwas vergrößern.

Ressortstart Finanzen vom 3. Juli im Vergleich zum 6. Juli 2020.

Ressort-Start

  1. +– Der Start des Ressorts „Finanzen“ hat eine größere Schrift für den Seitentitel. Es ist eine sehr schmal laufende serifenlose Schrift, die im starken Kontrast zur breiten und fetten Überschriftentype steht. Der Weißraum im Seitentitel lockert die Seite insgesamt auf. Seitentitel müssten allerdings nicht sehr groß und sehr hoch sein, weil die Leser die Ressortangaben meist nicht lesen. Sie sind eher an den Inhalten auf den Seiten interessiert und orientieren sich an Bildern und Überschriften.
  2. + Die Kombination von Bild und Überschrift ist in diesem Beispiel sehr gut gelungen. Fotografen sehen anhand dieses Beispiels, dass Fotos im Layout große Leerflächen brauchen, damit man Überschriften hineinstellen kann. Die Schrift der Unterzeile ist in diesem Fall zu leicht. Tipp: Bei Unterzeile auf dem Bild fettere Schrift benutzen. Im alten Layout war die Überschriftentype noch schwerer und oft zweifarbig. Vorbei. Die Unterzeilen haben ebenfalls keine Fettungen mehr. Insgesamt: Beruhigende Wirkung.
  3. + Der Initial-Buchstabe ist erhalten geblieben, aber er ist nun deutlich schmaler. Man könnte ihn auch ganz weglassen, weil er nur Dekor ist. Beim nächsten Mal, bitte. Das Interview ist klassisch aufgebaut, wobei die Fragen bold aus einer serifenlosen Schrift sind und die Antworten aus dem Grundtext. Angaben zur Person stehen in einer Schiebespalte und sind grau unterlegt. Man sollte hier noch mal das Trennprogramm ansehen. Es sind zu wenige Trennungen und es gibt Trennungen an den falschen Stellen.
  4. + Das Zitat hat ein großes Anführungszeichen darüber, wie im alten Layout. Der Kreis zur Text-Verdrängung im alten Layout wurde entfernt. Er entsprach vermutlich nicht der neuen Seriosität.

Dieser Artikel erschien am 6. Juli 2020 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

03 2020 Der Neue Tag, Weiden

Kontinuierliche Weiterentwicklung

Der Neue Tag erscheint in Weiden in der Oberpfalz. Er wird im Berliner Format produziert und hat eine verkaufte Auflage von 69.642 Exemplaren (IVW 1/2020). In den letzten 10 Jahren hat die Zeitung pro Jahr ca. 1,9 Prozent der Abo-Auflage verloren. Das ist ein vergleichsweise geringer Wert.

Es gibt verschiedene Lokalausgaben, die auch einen eigenen Zeitungskopf haben, wie z.B. Amberger Zeitung und Sulzbach-Rosenberger Zeitung.

Bei der Titelseite ist auffällig, dass Aufmacherbild und der Aufmachertext aus der Region sind. Überregionale Themen wurden auf die Region heruntergebrochen.

In den letzten Jahrzehnten hat man die Zeitung regelmäßig gestalterisch überarbeitet. Der sehr schwere Zeitungskopf aus einer gebrochenen Schrift wurde vor ca. 15 Jahren durch die klassischen Versalien ersetzt. Ein guter Schritt.

Etwas kritisch sehe ich die derzeit benutzte Überschriftentype, die schmal läuft und zu enge Buchstabenabstände hat. Die Buchstaben stehen im Stau.

Bei der Gesamt-Anmutung ist man keine großen Risiken eingegangen. Das Gesamtbild wirkt gut, der Umgang mit Bildern könnte verbessert werden. Bildgrößen, Bildschnitte: Das könnte alles etwas spannender sein, wie bei den meisten deutschen Regionalzeitungen.

Seit einigen Wochen gibt es ein neues Wochenend-Magazin, bei dem auch längere Texte eingesetzt werden. Mit dem Layout von Doppelseiten tut man sich noch schwer. Darum habe ich mal kurz eine Doppelseite mit dem vorhandenen Material neu layoutet.

Titelseite

  1. ++ Kopf: Der Zeitungskopf in blauen Versalien wirkt nicht sehr eigenwillig, aber er ist zeitlos und strahlt eine gewisse Autorität und Seriosität aus.
  2. + Bild-Aufmacher: Das Thema Rassismus wird nicht mit einem amerikanischen Beispiel visualisiert, es wird vielmehr auf die Region heruntergebrochen. Die Farbe der Textbox wird immer aus dem Foto genommen. In diesem Fall aus dem Ohrring. Eine Idee, die aus dem Zeitschriftenbereich kommt und der Farbwahl ein Konzept hinterlegt.
  3. – Text-Aufmacher: Es ist der wichtigste Artikel, aber er ist nur sehr schwach bebildert. Eine gute Lösung ist der Vorspann im linksbündigen Flattersatz, weil der den Textblock auflockert.
  4. – Bild im Aufmacher: Es ist zu klein und der Bildschnitt ist links und rechts zu eng. Das Fahrzeug erkennt man nicht gut, die Tanksäule auch nicht. Besser wäre eine Infografik, die Fakten zum Thema E-Mobilität enthält. Die könnte auch einspaltig funktionieren, wenn sie nicht zu kleinteilig angelegt wird.
  5. +– Überschriftentype: Sie hat einige unverwechselbare Elemente, die sie wiedererkennbar machen. Die Buchstaben stehen allerdings arg im Stau: Die Buchstaben-Zwischenräume sind zu klein.
  6. – Randspalte: Hier werden klassisch einige Themen des Innenteils angerissen. Die Texte könnten kürzer und plaktativer sein, denn diese Hinweise werden nur wenig gelesen. Gut, dass ein Bild verwendet wird, aber das Format ist sehr ruhig. Alle einspaltigen Bilder dieser Seite sind fast quadratisch. Ein entschiedeneres Hoch- oder Querformat wäre spannender.

Magazin-Titelseite

  1. – Seitentitel: Das Wort Magazin ist etwas zu klein und zu zart im Verhältnis zur Gesamtseite. Der Bildschnitt im Anriss rechts oben ist sehr gut. ein flaches bild strahlt viel mehr Spannung aus als ein quadratisches.
  2. +– Aufmacherbild: Gut, dass es immer ein einziges großes Bild ist. Man sollte jedoch die Anmutung der Coverstory über alle Seiten gleich halten, damit der Leser den Zusammenhang sofort erkennt. In diesem Fall hätte man durch eine andere Bildauswahl einen durchgehenderen Gesamteindruck erzielen können. Beispielsweise alle Bilder farbig oder alle Bilder schwarzweiß.
  3. + Zitat: Das Zitat ist eine sehr gute Auflockerung und ein Leseanreiz für die gesamte Story.
  4. + Verweis auf Innenseiten: Der zurückhaltende Verweis auf den Beginn der Story im Innern ist sehr gut, weil dadurch das Bild noch besser zur Wirkung kommt.

Doppelseite

  1. + Überschrift: Die Überschrift ist groß genug. Sie bildet einen guten Start für den Leser. Ein Wort hervorzuheben ist möglich, da es ja nur einmal pro Woche vorkommen soll. Wenn man diese Besonderheit nämlich zu oft einsetzt, wirkt sie nicht mehr.
  2. – Aufmacherbild: Es wäre ein sehr schönes Hochformat, denn der Hintergrund links und rechts ist nicht sehr spannend. Durch ein steil geschnittenes Hochformat würde die Seite viel mehr Spannung und Modernität bekommen.
  3. +– Zitate: Sie sind eine gute Auflockerung, aber durch die Weißfläche darüber und darunter entsteht ein sehr ruhiger Gesamteindruck. Unspannend.
  4. +– Zwischenzeilen: Gut, dass sie da sind, denn bei der Textlänge kann eine Gliederung nicht schaden. Nicht so gut: Sie sind immer einzeilig und relativ klein. Zweizeilige und etwas größere Zwischenzeilen würden die Seite besser gliedern.
  5. – Seitenlayout: Die Bildverteilung im Dreieck ist zwar richtig, aber die Seite wirkt insgesamt ziemlich voll. Ich habe mal eine rote Linie eingezeichnet. Gerade bei Doppelseiten hat es sich als günstig erwiesen, den Text an einer Achse zu orientieren. Bilder können oben hinausragen. Dadurch kommt dann auch der Weißraum zur Geltung.
  6. +– Ergänzungen: Gut, dass sie da sind, denn hier werden Fakten präsentiert. Sie werden etwas in die Ecke geschoben. Auf der rechten Seite links unten wären die fünf Fragen besser untergebracht, eventuell würde dann ein Bild wegfallen. Außerdem sollte man den Interviewpartner unbedingt abbilden und eventuell ein Zitat unter das Porträtbild stellen.

Rasch neu layoutet

Ich habe diese Doppelseite mal kurz neu gemacht. Dabei habe ich das vorhandene Material benutzt und mir ein Foto der Professorin besorgt. Die waagerechte Achse wirkt gut und das größere Bild bringt nun einen Schwerpunkt auf die Doppelseite. Ein Zitat habe ich oben neben das Bild gesetzt, eines weggelassen. Ich habe nicht den Eindruck, dass hier weniger Text drauf ist als auf der Originalseite. Die Bildtexte habe ich nicht eingebaut, sie sollten aber natürlich nicht fehlen.

Dieser Artikel erschien am 2. Juli 2020 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

02 2020 Der Achte, Wien

„der Achte“ ist erstmals im März 2020 in Wien erschienen. Die Macherinnen wollen eine Zeitung für die Wiener Josefstadt machen – das ist der achte Bezirk. Der Stadtteil hat 25.500 Einwohner. Die Zeitung erscheint vierteljährlich im Berliner Format.

Unter www.derachte.at gibt es auch einen Online-Auftritt. Das Design ist medienkonvergent, denn in Print und Online werden ähnliche Schriften, Farben und Layoutelemente benutzt.

Im Editorial heißt es: „Bleib in der Josefstadt“ ist das Motto unserer neuen Lokalzeitung ‘der Achte‘. Und aktuell ist es auch die Devise, um bald wieder Corona-frei zu sein! … ‘der Achte‘ will die Kulturschaffenden der Josefstadt vor den Vorhang holen und die vielen Initiativen vor Ort sichtbar machen.“ Teile des Textes sind ins Englische übersetzt worden, um das internationale Publikum im Stadtteil ansprechen zu können.

Gestalterisch hat die Zeitung ein hohes Niveau. Es wird Zeitschriftendesign im Zeitungsformat angewandt. Themen werden oft über Doppelseiten umbrochen. Kleine Meldungen stehen links und rechts außen.

Insgesamt: Inhalt und Design harmonieren perfekt.

Titelseite

  1. + Zeitungskopf: Die schmallaufende Schrift wird oben und unten stark angeschnitten. Dadurch entsteht ein unverwechselbares Logo. Die hellgraue Zahl Acht rechts und das vierfarbige Wappen sind eher überflüssig.
  2. + Anrisse oben: Die vier Anrisse haben große Fotos, auf denen jeweils eine Person zu sehen ist. Gut, denn Menschen interessieren sich am meisten für Menschen.
  3. + – Aufmacher: Sehr guter Bildschnitt, sehr gute Anordnung der Schrift auf dem Bild. Nicht ganz überzeugend, dass das größte Bild unter dem Bruch steht. Die obere Hälfte der Seite zeigt aber immerhin die Vielfalt der Themen im Blatt.
  4. – Anrisse unten: Die Überschriften sind sehr kurz und damit inhaltsleer. Gut ist, dass die Seite unten einen ruhigen Abschluss hat.
  5. + Seitenlayout: Darf man einen Zeitungskopf so tief stellen? Aufmacher unter dem Bruch? Die reine Lehre ist es nicht, aber es entsteht ein innovativer, unverwechselbarer Gesamteindruck.
  6. + Grundschrift: Die Titelseite ist sehr plakativ. Es ist so gut wie kein Grundtext drauf. Mit der Grundschrift Arno Pro hat man eine gute Wahl getroffen. Die Schrift wirkt klassisch und ist damit passend für Kultur und sie ist trotzdem auch auf Zeitungspapier sehr gut lesbar.

Innenseite

  1. + Seitentitel: Der Leser sieht zuerst das große Bild, dann die rote Überschrift. Daher ist der Seitentitel unbedeutend. Die 24 Seiten sind in einer logischen Reihenfolge konzipiert. Seitentitel spielen dabei keine hervorragende Rolle. Ein nettes Detail sind die Seitenzahlen, die immer rechts stehen.
  2. + Fotografie: Das Aufmacherbild ist groß genug für die Doppelseite. Sehr guter Blickfang, sehr guter Bildschnitt.
  3. + Überschriften-Apparat: Unter der roten Überschrift folgt ein Vorspann. Der Grundtext beginnt auf der rechten Seite mit einem Initial-Buchstaben. Ein typisches Zeitschriften-Layout im Zeitungsformat.
  4. + Meldungen außen: Ein Klassiker, der bei den meisten Zeitungen weltweit eingesetzt wird: Meldungen stehen links und rechts außen. Das ist nicht sehr innovativ, aber übersichtlich. Die quadratischen Bilder schaffen Weißraum. Auf der linken Seite hätten die Bilder auch links außen stehen können, um Kollisionen mit Bildern im Aufmacher zu vermeiden. Sehr gut sind die Online-Verweise zu Behörden und Anbietern, beispielsweise Blumenläden.
  5. + Spaltenbreite: Dreispaltiger Umbruch im Berliner Format ist nicht typisch für Zeitungen, aber die Spaltenbreite von ca. 80 mm ist bequem zu lesen. Ähnliche Spaltenbreiten findet man bei Zeitschriften oder Büchern. Der Initial-Buchstabe hätte größer sein können, die Zwischenzeilen ebenso.

Dieser Artikel erschien am 2. Juli 2020 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

01 2020: Der Spiegel Online

Aus Spiegel Online wird Der Spiegel

Im Januar 2020 wurde aus Spiegel Online Der Spiegel. Die Website wurde neugestaltet und typografisch dem gedruckten Spiegel angeglichen. Nach außen ist es eine normale Weiterentwicklung, die in regelmäßigen Abständen gemacht wird, um gestalterisch up-to-date zu bleiben. Nach innen war es aber ein starkes Signal: Die Onliner werden anerkannt und unter die Fittiche der Marke Der Spiegel genommen. Ein Zeichen der Gleichstellung von Print und Online.
Die typografische Angleichung an das gedruckte Medium ist keine neue Idee. The Guardian, The New York Times, Süddeutsche Zeitung – all diese Marken haben eine medienkonvergente Typografie. Das bedeutet: Der Leser trifft auf allen Medien-Kanälen auf die gleichen Farben und Schriften. Er fühlt sich dort heimisch. Kritisch ist beim Spiegel die Grundschrift, denn die ist nicht besonders für das Web geeignet. Eine Schrift mit größerer x-Höhe wäre besser gewesen. Die Verwendung einer Schrift mit Serifen ist sehr gut, denn sie signalisiert Seriosität und ist gut lesbar. Fazit: SpOn wird erwachsen.

Startseite

  1. + Kopf: Der Schritt von Spiegel Online zu Der Spiegel ist für die Leser unproblematisch.
    Der neue Schriftzug ist sogar einfacher als in Print. Da ist noch eine schwarze Schatten-kante am Kopf. Die Hausfarbe Rot wird wie bisher medienkonvergent benutzt.
  2. – Aufmacher: Eine Eigenart des gedruckten Spiegel wird aufs Web übertragen: Aufmacher haben eine serifenbetonte Überschrift, normale Artikel bekommen auf der Startseite eine serifenlose Schrift. Unlogisch.
  3. + – Grundschrift: Auch die Startseite hat einige Zeilen Grundtext, damit die Redaktion das Thema klar formulieren kann. Die SpiegelGrundschrift wurde ursprünglich nicht für den Bildschirm entworfen. Eine andere Schrift für Print und Online mit größerer x-Höhe wäre besser.
  4. + Meinung kursiv: Es ist sehr gut, Meinung klar von Bericht zu trennen. Der Spiegel kennzeichnet Meinung nun mit kursiven Überschriften. Die runden Fotos der Autoren sind derzeit in allen Medien, wie ein Virus.
  5. + Anzeigenplatz: Rechts unter dem Aufmacher ist Platz für eine Anzeige. In unserem Beispiel ist es eine für eine Lotteriegesellschaft. Die Platzierung ist nicht störend.
  6. + Illustrationen: Feste Rubriken, wie die Lage am Morgen, die Lage am Abend, die neue Bildungsplattform Spiegel Ed werden durch eigens angefertigte Illustrationen gekennzeichnet. Sehr gute Lösung. Würde auch Gerichts-Reportagen gut kennzeichnen.

Innenseite

  1. + Seitentitel: Der Leser sieht oben vor allem einen roter Balken. Die Ressort-Angabe darin ist sehr klein. Das ist richtig, weil die Leser an Inhalten interessiert sind und sofort auf das größte visuelle Element schauen: Das Foto.
  2. + Fotografie: Der Bildschnitt bei Donald Trump ist okay. Auf der Startseite war er mehr aufs Gesicht konzentriert. Natürlich ist die Perspektive von unten kommentierend zu verstehen: Du kleiner Leser triffst auf den Beherrscher der Welt. Das wird aber nicht bewußt wahrgenommen.
  3. – Überschriften-Apparat: Da man zuerst aufs Bild schaut, sollte man es auch nach oben nehmen und die Überschrift darunter stellen. Da die Überschrift alleine manchmal wenig Inhalt bietet, braucht man eine oder mehrere Zeilen als Begleitung. Logisch wäre die Unterzeile, weil das dem normalen Leseverlauf entspricht. Der Spiegel folgt hier aber lieber seiner eigenen Online-Tradition. Nicht funktional.
  4. –– Bildtext: Beim Bildtext kooperiert der Spiegel wohl mit dem Optiker-Verband: „Du kannst die kleinen grauen Buchstaben nicht erkennen. Komm zu uns.“ Funktionaler: normal großer Bildtext in schwarz.
  5. + Typografie: SpOn hatte seit Gründung eine serifenlose Grundschrift. Nun ist es eine mit Serifen. Das wirkt nachrichtlich, seriös, wahr. Der Zeilenabstand ist gut und die Spaltenbreite kann nicht endlos breit gezogen werden. Insgesamt gut lesbar.

Dieser Artikel erschien in Heft 01.2020 des MediumMagazin.

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

04 2019 Fuldaer Zeitung

Kontinuierliche Weiterentwicklung

Die Fuldaer Zeitung wird im Berliner Format produziert und hat eine verkaufte Auflage von 36.592 Exemplaren (IVW 2/2019).

Die Zeitung wurde in den letzten Jahrzehnten immer wieder neugestaltet. Dabei wurde unter anderem der Fraktur-Zeitungskopf entfernt und der Bildanteil im redaktionellen Teil erhöht.

Bei der kürzlich durchgeführen Neugestaltung wurde die Titelseite so überarbeitet, dass immer ein großes Bild das Thema des Tages visualisiert. Es kann ein lokales, regionales oder überregionales Thema sein. Die ersten Innenseiten sind meist monothematisch angelegt, sehr locker layoutet und den wichtigsten Themen des Tages gewidmet. Oft werden Fotos, Infografiken und Faktenboxen kombiniert. Danach folgt die normale Zeitung, die manchmal durch weitere Themenseiten aufgelockert wird.

Die Überschriftentype ist etwas zu schmal und zu leicht, um die regulären Innenseiten wirkungsvoll gliedern zu können. Es entstehen Seiten mit wenigen Kontrasten, die etwas grau wirken.

Titelseite

  1. +–Zeitungskopf: Gut, dass der Kopf nicht mehr in einer gebrochenen Schrift gestaltet ist. Nicht so gut: Er wirkt leer, emotionslos und verwechselbar.
  2. + Anrisse oben: Es werden zwei Anrisse platziert. Die haben die richtige Größe, um wahrgenommen zu werden. Die Visualisierung des Themas“ fehlende Lehrkräfte“ mit einem Stück Kreide ist nicht so gelungen.
  3. + Aufmacher: Die Nahaufnahme des Fleischstücks ist sehr gut mit der Überschrift „Soll Fleisch teurer werden?“ kombiniert. Die Ortsangabe Berlin beim Vorspann unten wirkt überflüssig.
  4. – Meldungsleiste: Es werden vier Meldungen und die Frage des Tages platziert. Die Überschriften sind zweizeilig und manchmal sinnleer: zum Beispiel „Leidenschaft, Musik und Familie“. Besser: Statt Überschrift und sechs Zeilen Text nur fünf- bis sechszeilige Anrisse in Größe des Vorspanns. Erleichtert das Formulieren.
  5. + Kommentar: Gut, dass bereits auf der Titelseite ein eigenes Meinungselement steht. Es ist erfrischend kurz und bündig. Nicht so gut, dass die Kennzeichnung durch einen Rubrikenkopf fehlt.
  6. – Aus der Region: Unten links ist ein Fremdkörper. Es ist der Platz für eine Anzeige. Der redaktionelle Platzhalter mit einem regionalen Anriss passt nicht ins Gesamt-Layout.

Innenseite

  1. + Seitentitel: Bei der Fuldaer Zeitung steht das Thema des Artikels oft im Seitentitel. Das ist eine saubere Lösung. Der Leser wird den Seitentitel allerdings nur dann ansehen, wenn er aus Bild und Überschrift noch nicht das Thema der Seite erkennen konnte.
  2. + Überschriften-Apparat: Der Ablauf Überschrift – Unterzeile ist sehr funktional. Auf den regulären Innenseiten hat man den Eindruck, dass die Überschriftentype zu schmal und zu leicht ist. Der Vorspann ist ebenfalls sehr leicht. Dadurch fehlt dem Artikel ein Element der Auflockerung.
  3. + Aufmacherbild: Ein sehr gut geschnittenes Hochformat. Es fehlt allerdings der Bildtext.
  4. + Unterschiedliche Spaltenbreiten: Der Aufmacher ist links eingezogen, unten sind sieben Spalten. Die Variation der Spaltenbreiten wirkt auflockernd.
  5. + Grundschrift: Die Grundschrift ist groß genug. Der Zeilenabstand könnte größer sein.
  6. – Gliederung im Text: Bei diesem Beispiel hätte ein Zitat in der Mitte des Dreispalters sehr auflockernd gewirkt.
  7. + Ergänzungen: Unter dem Artikel steht eine Ergänzungsbox und zwei Infografiken. Diese Präsentation der Fakten ist ein guter Service für die Leser.
  8. + Sieben Fragen: Die Redaktion hat durch sieben Fragen und Antworten das Thema für die Leser erschlossen. Man erfährt in dieser Zeitung mehr zum Thema als in anderen Medien. Sehr gut: Die Antworten sind unterschiedlich lang. Es entsteht ein aufgelockertes Layout.

Dieser Artikel erschien in Heft 4.2019 des MediumMagazin.

Norbert Küpper

Aktualisierung

Im Dezember 2019 erhielt die Fuldaer Zeitung beim 21. European Newspaper Award eine Judges‘ Special Recognition. Hier sind einige Beispiele aus dem Jahrbuch und die Jury-Begründung.

Jury-Statement
Innovation ist das Stichwort der Fuldaer Zeitung. Man will die gedruckte Zeitung stärken und setzt auf eine starke visuelle Präsentation der Inhalte. Die guten journalistischen Themen sollen nicht nur gut geschrieben sondern auch adäquat visuell präsentiert werden.
Jeden Tag wird ein einziges Aufmacherthema gewählt und auf der Titelseite durch ein dominierendes Foto gezeigt. Auf den folgenden Seiten wird dieses Thema des Tages in einer Kombination aus Texten, Fotos und Infografiken präsentiert. Es kann ein lokales, regionales oder überregionales Thema sein.
Die Fuldaer Zeitung weicht damit konsequent vom Aufbau vergleichbarer Zeitungen ab und schafft eine für Regionalzeitungen ungewöhnliche Magazin-Atmosphäre. Zweifellos ein Vorbild für Zeitungen in Europa.

Thema Arktis-Expedition
Die Expedition des Forschungsschiffs Polarstern wird zur Coverstory gemacht. Titel- und Innenseite sind bildbetont. Auf der Innenseite wird der Artikel auf das seitenfüllende Foto gelegt.

Fisch auf den Tisch
Mit diesem Wortspiel beginnt die Zeitung die Coverstory zum Thema Fisch. Die Innenseite hat in der Mitte eine Tabelle mit den beliebtesten Speisefischen.

Wespenplage abgesagt
Die Themenseite wird eingeleitet durch eine große Abbildung einer Wespe. Sehr übersichtlich: Erläuterungen werden rund um das Foto platziert. Am Fuß der Seite werden fünf Fakten über Wespen genannt: Nester, Allergie, Trauben, Hornissen und Behandlung sind die Stichworte.

Die Rückkehr des Bibers
Ein schwimmender Biber bildet den Startpunkt auf der Seite. Rechts ist eine filigrane Infografik, die die 26 Biberreviere an der Fulda zeigen.

Mangelware Bademeister
Die ganze Seite ist mit einem Unterwasserfoto aus einem Schwimmbad unterlegt. Oben sieht man die Beine von Besuchern im Wasser baumeln. Gute Visualisierung und liebevolle Aufbereitung des Themas.

Dieser Artikel erschien in Heft 4/2019 des MediumMagazin. Ergänzung am 2. Juli 2020 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

03 2016 Frankfurter Allgemeine Woche

Frankfurter Allgemeine Woche – Von 2016 bis 2020

Die FAZ hat im April 2016 eine Wochenzeitung gestartet, die „Frankfurter Allgemeine Woche“. Der Presseinformation kann man entnehmen, dass die „Woche“ vor allem für Leser entwickelt wurde, die nicht jeden Tag Zeit haben, die Zeitung zu lesen.

Die Artikel sind eine bis maximal vier Seiten lang. Die Zeitschrift ist etwas kleiner als DIN A 4 und hat 66 Seiten. Durch das dünne Papier wirkt das Heft sehr dünn. Man scheint sich gestalterisch eher am „Economist“ zu orientieren, der eine ähnliche Haptik aufweist. Bisher erfolgt die Visualisierung der Coverstory durch eine Illustration.

Insgesamt ein recht dünnes Produkt, das inhaltliche Qualität liefert, aber gestalterisch etwas unterentwickelt wirkt.

Nachtrag: Mitte 2020 wurde das Produkt eingestellt. Es wurde hier bereits 2016 ziemlich schlecht bewertet. Zitat: „Man wird viel Geduld brauchen, um diese Zeitschrift zum Erfolg zu führen.“ Vier Jahre für dieses Projekt zeigen, dass man viel Geduld hatte.

Titelseite

  1. – Kopf: Das Logo der FAZ aus der gebrochenen Schrift steht über den fünf Großbuchstaben „WOCHE“. Da passt nichts zusammen. Die Illustration läuft immer unter dem Schriftzug lang und macht ihn teilweise schlecht lesbar. Besser: Kopf auf eine weiße Fläche stellen. Dann ist er immer gut lesbar.
  2. + Titelthema und Überschrift: Abbildung und Überschrift sind gut aufeinander abgestimmt: Flagge Europas, Engländer zerschlägt einen der Sterne mit einem Hammer, dadurch bekommt der Hintergrund Risse. Überschrift „Zerbricht Europa?“. Passt alles gut zusammen.
  3. – Lesbarkeit: Die kleineren Überschriften rechts sind durch die schmallaufenden Großbuchstaben sehr schlecht lesbar. Die Dachzeilen sind etwas zu klein und noch schlechter lesbar. Besser: Groß- und Kleinschreibung benutzen.
  4. – Roter Button: Bei einer neuen Zeitschrift steht immer ein roter Button mit dem Wort „Neu“. Die FAZ folgt ebenfalls dieser Idee. Die Unterzeile im Button „Kompakt & fundiert“ könnte als Motto unter dem Zeitungskopf stehen. Wer soll diesen ca. 10 Punkt großen Hinweis am Kiosk sehen?
  5. – Deal or no Deal?: 3,50 Euro soll man für ein Exemplar bezahlen. 66 Seiten plus Umschlag. Neue Zeitschriften treten am Kiosk wesentlich üppiger an. Sie haben viel mehr Seiten, dickeres Papier und sind optisch viel aufwändiger gestaltet. Man wird viel Geduld brauchen, um diese Zeitschrift zum Erfolg zu führen.

Innenseite

  1. – Coverstory: Auf Seite 18 und 19 wird die Coverstory präsentiert. Auch hier wird eine Illustration zur Visualisierung gewählt. Die Größe der Abbildung, der zweispaltige Umbruch: Insgesamt sehr unspannend. Im Inhaltsverzeichnis steht an diesem und zwei anderen Artikeln ein rotes Fraktur-F. Ein Nachdruck aus der Print-Ausgabe? FAZ-Exklusiv? Es wird nirgends erklärt.
  2. – Überschrift und Leseablauf: Es wäre ja einfach, die Überschrift links über zwei Spalten zu führen. Macht man aber nicht. Sie ist einspaltig und nach rechts gerückt. Dadurch braucht man links oben einen Initialbuchstaben, um klar zu machen, dass da der Artikel beginnt. Der Initialbuchstabe ist sehr klein. Er hätte ja so groß sein können wie die Überschrift.
  3. – Grundschrift: Die Grundschrift ist etwas zu klein. Die Spaltenbreite von 82 mm ist nicht schlecht, weil man Text in dieser Breite besser lesen kann als in schmaleren Spalten.
  4. – Papier: Das Papier ist sehr dünn und glänzend. Derzeit nimmt man eher mattes Naturpapier. Zeitschriften wirken dadurch teurer, edler und nicht wie Wegwerfprodukte. Das dünne Papier führt dazu, dass die Seiten durchscheinend sind, was die Lesbarkeit noch mehr reduziert.
  5. + Weißraum: Es gibt genug Weißraum am Papierrand und unter der Überschrift. Durch Weißraum wirkt ein Produkt edler. Gehen Sie durch einen modernen Supermarkt, werden sie viele Breite Gänge entdecken. Das Einkauf macht mehr Spaß. Er wird zum Erlebnis. Die Supermärkte haben verstanden.

Dieser Artikel erschien in Heft 3.2016 des MediumMagazin.

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

03 2018 Berliner Zeitung

Berliner Zeitung: Blattkritik erschienen in Heft 3/2018 MediumMagazin

Die Berliner Zeitung erscheint im Rheinischen Format und hat eine verkaufte Auflage von 92.263 Exemplaren. Die Zeitung erschien Anfang April erstmals inhaltlich und gestalterisch überarbeitet.
Es wird mehr Weißraum eingesetzt, die Grundschrift wurde vergrößert. Die Zeitung wird besser lesbar. Gleichzeitig werden öfter Überschiften in Artikel hineingesetzt, so dass man den Beginn nicht so gut findet. Manche Überschriften sind außerdem so kurz, dass sie keinen Inhalt mehr haben. Da sollte man rasch zu bekannten journalistischen Regeln zurückkehren: Eine Überschrift sollte einen Inhalt haben.
Die Samstags-Ausgabe wurde erweitert. Es gibt mehr lange Lesegeschichten. Insgesamt konzentriert sich die Zeitung noch mehr auf Berlin und auf mehr Service für die Leser vor Ort.
Insgesamt: Die Tageszeitung wird mehr und mehr zur täglichen Wochenzeitung. Das ist konsequent, denn das Tagesgeschehen findet man Online.

Titelseite vom 14. April 2018

Titelseite

  1. + Kopf: Der Zeitungskopf selbst ist seit Ende der neunziger Jahre unverändert. Er strahlt Tradition aus. Über dem Kopf ist nur ein Anriss. Den hätte man auch weglassen können. Der Hinweis „Am Wochenende“ signalisiert, dass ein Unterschied zur normalen Tageszeitung gemacht wird.
  2. – Wetter: Die Wetter-Piktogramme sind extrem klein. Sieht nach einem Kompromiss aus: Redaktion will Wetterhinweis, Gestalter machen ihn ultraklein. Beste Lösung: Weglassen.
  3. + Bild-Aufmacher: Die plakative Gestaltung ist im Prinzip richtig. Die Überschrift bei diesem Artikel ist etwas kurz. Sie hätte mehrzeilig sein können. Motto: Mehr Inhalt wagen!
  4. – Anrisse: Rechts wird auf drei Sektionen hingewiesen: Magazin, Sport und Berlin. Das ist so kleinteilig, dass man es wohl kaum lesen wird. Auf der Titelseite über dem Bruch sollte man doch eher plakativ arbeiten. Die Idee, eine Anzeige dort zu platzieren, ist nicht so gut, weil man Inhalt und Gestaltung nicht beeinflussen kann.
  5. – Text-Aufmacher: „Trumps Welt“ ist als Überschrift zu kurz. Warum soll man das jetzt lesen? Das kleine Foto unten ist völlig nichtssagend. Ein gravierendes Problem ist, dass man die Überschrift weit weg vom Textanfang positioniert hat.
  6. – Auflockerung: Eine Auflockerung, beispielsweise durch ein Zitat in der Mitte des zweispaltigen Textblocks, hätte nicht geschadet.
  7. + Anzeige unten: Die flache Anzeige über die volle Breite der Seite ist ein guter Abschluss unten. Sie stört das Seitenlayout nicht.

Seite 19 der Berliner Zeitung vom 14. April 2018.

Innenseite

  1. – Seitentitel: Der Seitentitel hat die gleiche Höhe wie der Zeitungskopf auf der Titelseite. Hier ist nun einiges zu viel an Weißraum.
  2. – Anrisse: Es ist fraglich, ob Anrisse am Beginn eines neuen Buches funktionieren. Die Leser blättern ja normalerweise die Zeitung durch. Also werden ihnen die interessanten Stories im Innern schon auffallen. Darum: Diese Anrisse eher weglassen.
  3. – Überschrift: Die Formulierung „Aloha in Mitte“ ist zwar kurz, aber sie macht neugierig. Die Überschrift wirkt dort etwas eingeklemmt. Mehr Weißraum wäre gut gewesen.
  4. + Visualisierung: „Aufgetischt“ ist der Name der neuen Rubrik. Es werden Restaurants vorgestellt. Die Visualisierung mit dem halbierten Topf ist sehr passend und ein guter Blickfang.
  5. + Auflockerung: Autorenbild und Name der Rubrik sind eine gute Auflockerung.
  6. +– Service-Element: Am Ende des Artikels ist eine Landkarte, die zeigt, wo das Restaurant in Berlin ist. Eine bessere Abtrennung vom Artikel, z.B. durch einen Rubrikenkopf, wäre sinnvoll gewesen. Landkarte von ganz Berlin: Es dürfte die kleinste Landkarte Berlins sein, die jemals publiziert wurde. Gratulation!
  7. – Unterzeile: Die Überschrift steht links oben, die Unterzeile rechts unten. Konsequent, aber nicht funktional. Diese Info wird eher nach Ende der Lektüre gelesen.

Dieser Artikel erschien erstmals in Heft 3/2018 des mediummagazin.

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

01 2014 ADAC Motorwelt

ADAC Motorwelt – Layouttipp, erschienen in Heft 1/2014 im MediumMagazin

Die „ADAC Motorwelt“ hat eine gigantische Auflage: 13.880.917 Exemplare (IVW 4/13). Alle sind abonniert und gehen an die Mitglieder. Es gibt keinen Einzelverkauf am Kiosk. Es ist immer fraglich, ob Mitglieder-Magazine überhaupt konsumiert werden oder ungelesen in den Altpapier-Container wandern. Die geringe Beteiligung an dem Autopreis „Gelber Engel“ deutet darauf hin, dass nur wenige Mitglieder das Heft auch wirklich lesen. Da liegt es nahe, eine leserfreundliche Neugestaltung zu machen, die einen Schwerpunkt auf Nutzwert und kleine Informationseinheiten legt. Genau das wurde mit der vorliegenden Überarbeitung gemacht. Natürlich ist es ein Zufall, dass die erste neue Ausgabe mitten in eine Krise des ADAC fällt, weil so eine Neugestaltung einige Vorbereitungszeit braucht.

Titelseite

  1. + Schriftzug: Der Name Motorwelt wird auf weißen Grund gestellt. Dadurch wird garantiert, dass er immer gut lesbar bleibt. Es gibt tausende von Zeitschriften, bei denen der Schriftzug teilweise unsichtbar wird, weil das Bild im Hintergrund helle und dunkle Partien aufweist. Die ADAC Motorwelt hat jetzt eine sehr einfache und gute Lösung. Vorbildlich.
  2. – ADAC: Die Zeitschrift heißt ADAC Motorwelt und das Logo wird davor gebaut. Der Name ADAC wird verschwindend klein. Keine gute Lösung.
  3. + Aufmacher: Es ist eine gute Idee, das Cover so gelb wie die Farbe des ADAC zu machen und das Logo darin fast verschwinden zu lassen. „Die Krise als Chance“ dreht das ema in eine postive Richtung.
  4. + Kleiner Freisteller: Als Kontrast zu der großen gelben Fläche rollt unten links ein „Gelber Engel“, ein Pannenhelfer-Fahrzeug, in die Seite. Das ist es, was die meisten Mitglieder wollen: Pannenhilfe im Notfall. Insgesamt ist diese Titelseite eine gute Lösung.
  5. + Aufkleber: Manche Zeitschriften werden in durchsichtigen Kunststoff-Folien geliefert. Bei 13.880.917 Stück ein Kostenfaktor und eine ziemliche Umweltverschmutzung. Der Adress-Aufkleber wird darum direkt auf die Titelseite geklebt. Man kann ihn problemlos abziehen. Es bleibt allerdings ein Klebstoffrest auf dem Cover sichtbar.
  6. – Barcode: Die Platzierung ist nicht schlecht. Aber der Barcode stört nach wie vor. Einige wenige Zeitschriften – Der Spiegel beispielsweise – stellen ihn in den Kopfbereich. Merkwürdigerweise wird er dort nahezu unsichtbar. Es gibt außerdem noch schmalere Barcodes.

Innenseite

  1. – Doppelseite: Die Doppelseite liegt im Ressort Auto & Innovation. Es gibt noch die Ressorts Sicher & Mobil, Reise & Freizeit und Mein Club. Die Ressorts beginnen mit kleinteiligen Startseiten. Diese Aufteilung ist bereits seit den neunziger Jahren im Gebrauch und eigentlich überholt. Man arbeitet bei Zeitschriften eher mit doppelseitigen großen Stories als Unterteilung.
  2. – Farbleitsystem: Es wird ein Farbleitsystem eingesetzt, das aus den Farben Rot, Blau, Grün und Gelb besteht. Die hier gezeigte Doppelseite liegt im roten Ressort. Initial-Buchstaben, Zwischenzeilen usw. werden je nach Ressort anders eingefärbt. Problem: Die Leser können sich die Farben und Ressorts nicht merken. Daher ist ein Farbleitsystem sinnlos.
  3. – Fotografien: Beim Aufmacher werden drei Fotos gezeigt. Es sind nur zwei Bildtexte da. Der unter dem unteren Bild lautet: „Außen hui, innen pfui. Zu viele Tasten in einem zerklüfteten Armaturenbrett.“ Es wird sehr klein abgebildet und es liegt in der Heftmitte, wo es zerteilt wird. Da ist nicht viel zu erkennen.
  4. – Grundschrift: Der Zeilenabstand ist gut, aber die Grundschrift ist sehr sehr klein. Man darf gespannt sein, ob hier nachgebessert werden muss. Das würde immerhin beweisen, dass die Zeitschrift gelesen wird!
  5. + Kleinteilige Elemente: Fast jede Seite hat in der Mitte eine schmale Spalte für kleinteilige Elemente, wie Zahlen, Infografi ken und kleine Erläuterungen. Nach zwei bis drei Ausgaben finden die meisten Redaktionen diese Elemente ziemlich anstrengend und es werden immer weniger Auflockerungen eingesetzt. Schaun mer mal!

Dieser Artikel erschien am in Heft 1/2014 des MediumMagazin.

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

Über den Autor

Über Norbert Küpper
1984 gründete er das Büro für Zeitungsdesign. Er hat mehr als 180 Zeitungen neugestaltet. Er arbeitet überwiegend im deutschen Sprachraum, hat aber auch Titel in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Polen, Tschechien, der Slowakei und Italien neugestaltet.

Von 1981 bis 2007 hatte er einen Lehrauftrag für Zeitungsdesign an der Fachhochschule Düsseldorf.

Zu Vorträgen und Seminaren war er an verschiedenen Hochschulen als Gastredner eingeladen, unter anderem:
– Fontys School of Journalism, Tilburg, Niederlande;
– Zürcher Hochschule der Künste ZHdK/Cast, Studiengang Audiovisuelle Medien (2019, 2020);
– Hochschule Augsburg, Fachbereich Design (2019).

1998 gründete er den European Newspaper Award. Er wird seit dem auch von ihm veranstaltet. Er findet im Jahr 2020 zum 22. Mal statt. Website www.newspaperaward.org

2003 gründete er den European Newspaper Congress. Die Veranstaltung fand in den ersten vier Jahren im Krönungssaal des Aachener Rathauses statt. Seitdem findet der Congress im Rathaus der Stadt Wien statt. Am 19. European Newspaper Congress 2018 nahmen mehr als 500 Journalisten und Verlagsmanager aus 33 Ländern teil. Im Jahr 2019 wurde der Congress umbenannt in European Publishing Congress. Er wird vom Verlag Oberauer, Salzburg, in Kooperation mit Norbert Küpper veranstaltet.

Neben seiner Tätigkeit als Zeitungsdesigner erforscht er das Leserverhalten mit einer Blickaufzeichnungs-Kamera. Aktuelle Ergebnisse sind in dem Buch Zeitungsdesign und Leseforschung dokumentiert. In dem Buch werden sechs Neugestaltungen von Küpper vorgestellt: VDI nachrichten, Stuttgarter Nachrichten, GrenzEcho (Eupen, Belgien) Mindener Tageblatt, Wirtschaftszeitungen (Österreich) und die Fachzeitung Produktion. Die Grundlage des Buches bildet ein Überblick über aktuelle Blickaufzeichnungs-Projekte. Das Buch ist in jeder Buchhandlung erhältlich. Bestellung im Bookstore der Website: HIER.

Das Buch wurde auch in englischer Sprache veröffentlicht: Newspaper Design and Reading Research.

Im Jahr 2014 war er Sprecher beim 36. internationalen Congress der SND – Society for Newsdesign – in Frankfurt am Main. Sein Thema: „Europes Creative Diversity in Print and Online“.

Im Juni 2020 war er Sprecher bei der Preisverleihung von Danske Medier in Kopenhagen. Sein Thema: „Trends im Zeitungsdesign in Europa“.