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Layouttipp

Zeitungsdesign Norbert Küpper

Von 1989 bis Anfang 2020 erschien die Kolumne „Layouttipp“ in der Zeitschrift MediumMagazin. Nun erscheint sie hier. Das hat viele Vorteile, denn man kann mehr Text beifügen und mehr Beispiele zeigen.

Stichworte sind: Layout, Seiten-Umbruch, Navigation, Bilder, Bildgrößen, Bildschnitt, Typografie, Lesbarkeit, Leserführung, Funktionalität, Konzept, Innovation und Gesamt-Anmutung.

Ergebnisse der Leseforschung spielen in dieser Kolumne eine große Rolle, denn viele Design-Entscheidungen haben gute Gründe, die oft wissenschaftlich abgesichert sind. In vielen Lehrbüchern über Typografie und Design werden die hier zugrunde gelegten Regeln schon seit vielen Jahren dargestellt. Die bekannten Regeln werden hier quasi praktisch angewandt und die Befolgung wird manchmal angemahnt.

Social-Media-Aktivitäten können hier ebenfalls vorkommen, dabei geht es um das Konzept und die Interaktion der Redaktion mit den Nutzern.

Wenn Sie eine Blattkritik oder ein Inhouse-Seminar brauchen, dann schreiben Sie am besten an: nkuepper@layouttipp.de

14 2021 Der Spiegel

Layouttipp Der Spiegel

Um die Überarbeitung des Spiegel gebührend zu würdigen, habe ich diesmal Kollegen hinzugezogen: Hans-Peter Janisch hat gleich zweimal einen Hauptpreis beim European Newespaper Award gewonnen, nämlich für das Tageblatt in Luxemburg und für die Fuldaer Zeitung. Eberhard Wolf ist Art-Director beim Luxemburger Wort und hat beim aktuellen 22. Wettbewerb für seine Neugestaltung der Wochenzeitung Contacto ebenfalls einen Hauptpreis gewonnen. Beide werden im Juni beim Publishing Congress Ihre Arbeiten präsentieren.

Der Spiegel hat ein Format von 28 x 21 cm. Die verkaufte Auflage liegt bei 661.463 Exemplaren. Davon sind 178.826 ePaper (IVW 1/2021) Im Vergleich zu IVW 1/2001 – also vor 20 Jahren – hat Der Spiegel 36,98 % der Auflage verloren. Zum Vergleich: In diesem Zeitraum hat der Focus 67,52 %, der Stern 66,44 %, die FAZ 49,83 % und die Süddeutsche Zeitung 26,23 % verkaufte Auflage verloren. Die Besonderheit: Während die anderen hier genannten Titel sowohl im Einzelverkauf als auch im Abonnement Auflage verloren haben, ist es dem Spiegel gelungen, die Abozahlen um 17,30 % zu steigern. Dieser Erfolg dürfte überwiegend den ePapern zu verdanken sein. Die Abo-Auflage gilt als sehr stabile Größe, denn Abonnements kann man meist nur zum Ende der Vertragslaufzeit kündigen und das Ende vergisst man oft, ähnlich wie bei Versicherungen oder der Bahn-Card.

Bei gestalterischen Veränderungen war Der Spiegel immer sehr zurückhaltend. Trotzdem hat man schon vor einigen Jahren eine deutlichere Aufteilung in Ressorts vorgenommen. Ein neues Ressort beginnt immer mit einer Meldungs-Doppelseite. Die Bilder wurden in den letzten Jahren größer, man kann inzwischen sogar eine Coverstory erkennen. Im vorigen Jahr wurde der Online-Auftritt neugestaltet. Dazu gibt es hier auch einen Layouttipp: „01 2020 Der Spiegel Online“.

Als Grundschrift wird seit vielen Jahren die Rotation benutzt, die 1971 von dem deutschen Schriftkünstler Arthur Ritzel entworfen wurde. Bereits vor einigen Jahren wurde sie für den Spiegel modifiziert. Für Überschriften wird eine serifenlose und eine serifenbetonte Schrift benutzt, die von dem Schriftkünstler Luc De Groot stammt: Spiegel Sans und Spiegel Slab. Mit der aktuellen Neugestaltung wurde die Überschriftentype noch fetter, um mehr Kontrast auf die Seite zu bringen.

Insgesamt: Wie immer beim Spiegel eine sehr verhaltene Neugestaltung und einer der seltenen Fälle, wo nachher mehr Text auf die Seite passt als vorher. Die Arbeit mit der Schiebespalte funktioniert gut, denn die Bilder passen nun ins Raster. An einigen Stellen merkt man, dass es darum ging, Platz zu sparen: Die Infografiken wirken zu klein und eingeklemmt zwischen den Spalten. Die Bildtexte sind arg verkürzt worden und stehen oft im Bild. Bei der nächsten Neugestaltung wird es also heißen:
– Wir haben uns entschlossen, unsere wertvollen Texte zu kürzen und haben endlich mehr Platz für Weißraum!
– Bildtexte stehen jetzt unter dem Bild und haben sogar eine Aussage!
– Die ultrafette Überschriftentype war ja unglaublich fett. Da haben wir uns schon lange drüber geärgert. Wir haben jetzt eine deutlich leichtere Überschriftentype, die deutlich besser lesbar ist!

Titelseite

Die linke Titelseite zeigt das alte Layout, die rechte das neue.

  1. + Altes Logo: Es hebt sich gut vom Untergrund ab und ist auch auf Entfernung gut zu erkennen.
  2. +– Neues Logo: Es fehlt ein wenig an Kontrast, so weiß auf rot, wie es jetzt dasteht.
  3. – Überschrift alt: Die Überschrift ist sehr schmal und damit nicht gut lesbar. Die Unterzeile ist zu klein und zu leicht.
  4. +– Überschrift neu: Warum Großbuchstaben? Warum Blau? Die Unterzeile ist kleiner als im alten Layout, aber fetter.
  5. + Aufmacher-Bild: Ein eher langweiliges Bild, aber das Thema Lethargie, Ängste, Lernlücken – wie es in der Unterzeile heißt – wird hier gut dargestellt. Trotzdem wird dieses Cover wohl kaum bei einem Cover-Wettbewerb gewinnen.
  6. +– Kleine Anrisse: Man sollte sie tunlichst immer oben links stehen lassen, denn auch der Spiegel wird an vielen Kiosken in einer Reihe mit anderen Titeln platziert. Da sieht man oft nur einen Teil des Namens und die kleinen Anrisse. Der Kreis schafft Aufmerksamkeit, denn die Seite und die Typografie ist eckig.
  7. + Barcode: Meist wird dieses Element gedankenlos irgendwo hingestellt. Er ist auch oft zu groß. Diese Version hier ist optimal platziert und so klein wie möglich. Es ist sogar kleiner als im alten Layout.
  8. – Roter Rahmen: Er ist im Vergleich zum alten Cover schmaler geworden. Eberhard Wolf merkt dazu an: „Der Käufer hatte sich an die Proportionen das alten Spiegelcovers gewöhnt und fand den Spiegel, auch wegen des breiten roten Rahmens, am Kiosk nahezu „blind“ wieder. Das ist jetzt anders.“
  9. Wolfs genereller Eindruck zum Cover: „Das Cover wirkt ’leichter‘ – der Titelschriftzug allerdings auch schwächer. Das ist nicht nur eine Folge des entfallenen Schattens. Der fehlende Schatten verhindert die Pointierung des Logos gegenüber des nun größeren Fotos. Wenn die Redaktion es schafft, eine starke unverwechselbare Titelbildsprache zu entwickeln, ist das schattenlose Logo und der fehlende ‘Signalraum‘ drumherum kein Problem. Dann wäre die markante Bildsprache das neue Markenzeichen.

Ressortstart Wissen

  1. – Seitentitel: Er ist nun so klein, dass Leserinnen und Leser ihn kaum bemerken werden. Im Vergleich zur letzten alten Ausgabe sieht man den Unterschied sehr gut. Allerdings konnte ich mit Blickaufzeichnungs-Tests zeigen, dass man eher auf Überschriften und Bilder achtet. Unter diesem Gesichtspunkt ist die winzige Ressortangabe dann okay.
  2. +– Aufmacherbild: Die Bildgröße ist gut, denn der Blick wird direkt hierhin gelenkt. Das große Bild gibt den Einstieg vor. Eberhard Wolf merkt an: Eine Überschrift zwischen Bild und Bildtext wäre gut gewesen, wie bei jedem Solobild. Bei der jetzigen Lösung darf der Leser jetzt raten, was auf dem Bild wohl zu sehen ist.
  3. Satzspiegel: Hans-Peter Janisch meint dazu, dass der größere Satzspiegel für ein Gefühl der Enge an den Seitenrändern und am Seitenfuß sorgt. Man kann im Vergleich zur alten Seite den Unterschied gut sehen.
  4. +– Interview: Die Angaben zur Person in diesem Interview stehen am Beginn mit einem Portraitbild. Ein ungewöhnlicher Start, aber in diesem Fall durchaus gelungen, weil Angaben zur Person und Vorspann kombiniert werden. Weil Leerzeilen fehlen, wirkt das Interview sehr kompakt. Man freut sich schon auf die nächste Neugestaltung –falls dann weniger Text geschrieben und mehr Weißraum eingebaut wird.
  5. – Bild: Bei dem Bild wurde kein Bildschnitt gewählt. Der Bildtext lautet: „Eulenschwalm“. Man hätte die Chance nutzen können, etwas mehr über den Vogel zu verraten. Nähere Angaben zu dem Tier bekommt man aber nur im Text. Zumindest wird eine Dopplung von Informationen im Text und im Bildtext vermieden. Und es wird Platz gespart.

Layouttipp „Der Spiegel“ Eberhard Wolf

Eberhard Wolf meint zu dieser Doppelseite: „Die naiv anmutende Tafelschrift ist als illustratives Element sehr gut, eignet sich jedoch nicht als Überschrift in einem seriösen Magazin.“


Norbert Küpper ergänzt: In der zweiten Ausgabe geht es ums Eigenheim. „Unbezahlbar“ heißt es auf der Titelseite. Im Innern werden waagerechte Linien als Gestaltungselement eingesetzt. Die Überschrift lautet: „Aus gutem Hause“. Man darf gespannt sein, wie in Zukunft weitere Coverstories aussehen werden.

Der Spiegel wirft keinen Schatten mehr

Zu einem Relaunch gehört immer Mut und wer in ähnlichen Redaktionen, wie der des Spiegels, eine Veränderung durchgeführt hat, weiß, dass dem Ergebnis unendliche Diskussionen vorangegangen sind und das Resultat eher ein Kompromiss ist. Die nun vorliegende aufgefrischte Ausgabe des Spiegels scheint hier keine Ausnahme zu machen.

Springerspalte: Neu für den Spiegel ist die bei anderen Zeitschriften oder Tageszeitungen wie „The Guardian“ anzutreffende „Springer- oder Schiebespalte“. Dieses Gestaltungselement sorgt für eine bessere Lesbarkeit und Orientierung. Sie betont auch die inhaltlichen Besonderheiten einer Seite (z.B. Kolumne/Kommentar etc.). In der vorliegenden Spiegel-Ausgabe wird sie inflationär und scheinbar willkürlich eingesetzt.
Deshalb kehren sich ihre positiven Eigenschaften ins Negative um. Besonders dann, wenn übersehen wird, dass bei einem Magazin andere Raumverhältnisse herrschen als etwa bei einer Zeitung. Besondere redaktionelle Leistungen werden wegen dem übertriebenen Einsatz der Springerspalte unsichtbarer.
Ich vermisse bei der „Springerspalte“ die inhaltliche Transparenz, wenn sie benutzt wird.
Wird die Springerspalte auf einer Seite verwendet und auf der gegenüber liegenden wiederum nicht, wird stattdessen die Spaltenbreite des Lauftextes verändert. Dadurch beeinträchtigt sich der visuelle Lesefluss und der Leser kann leicht den Anschluss beim Seitenwechsel verlieren. Die gewonnene Leichtigkeit kehrt sich somit ins Gegenteil um.

Zwischentitel, Auflockerungen: Auffallend ist das vollständige Fehlen von Zwischentiteln. Es gibt beim einen oder anderen Artikel halbfette Anläufe. Würde man sie konsequenter einsetzen, würde man dem Leser bei der Orientierung durch die randvoll mit Text gefüllten Seiten helfen.

Kompakte Gestaltung: Es ging bei dem neuen Design des Spiegels offensichtlich darum, möglichst viel Text in eine Seite zu pressen. Anzeichen dafür ist eine unangenehm kompakte Gestaltung bis hin zum Seitenrand und die zu engen Abstände zwischen den typografischen Elementen. Diese Enge wird durch den übertriebenen Einsatz von Linien noch verstärkt.

Überschriften Featurebilder: Trotz Linien und enger Gestaltung fällt es dem Leser schwer zu erkennen, ob ein Foto ein Featurebild ist oder zu dem darunter beginnenden Artikel gehört. Der Grund ist einfach: Es gibt keine Überschriften bei Featurebildern.

Bildunterschriften: Als experimentelles Zwischenstadium darf man den inkonsequenten Einsatz von unterschiedlichen Formen von Bildunterschriften werten. Mal gibt es welche …oder auch nicht. Mal mit einem vorgeschaltetem „Motto“ …oder auch nicht. Mal ist sie erklärend …oder auch nicht. Mal stehen sie im Bild …oder auch nicht.

Linien: Dasselbe gilt auch für Linien – mal sind sie zwischen Vorspann und Lauftext …oder auch nicht. Aber vielleicht sind dieses auch nur Indizien für eine vielbeschworene Ressortautonomie.

Fette Überschriften: Dass die Überschriften zu fett erscheinen, wie manche Kollegen es bemängeln, ist dem relativ „luftlosen“ Erscheinungsbild des Layouts geschuldet. Wären diese magerer, würden die Headlines nicht weiter auffallen.

Mehr Kreativität der Gestalter: In der Beschreibung des neuen Spiegel-Layouts wurde mehr Kreativität für die Gestalter angekündigt. Das ist sehr lobenswert, geht aber in dieser Ausgabe soweit, dass man die Eingangsreportage „Allein mit dem Virus“ – siehe Abbildung – wegen des Fehlens einer auffälligen Überschrift übersieht. Die naiv anmutende Tafelschrift ist als illustratives Element sehr gut, eignet sich jedoch nicht als Überschrift in einem seriösen Magazin.

Fazit: Ein Redesign eines Magazins ist immer eine emotionale Angelegenheit, auch in der Bewertung des Ergebnisses. Man kann darüber lamentieren, ob der Spiegel nun endgültig im Mainstream angekommen ist. Auf jeden Fall gehört allen Beteiligten ein herzliches „Chapeau“ für ihren Mut.

Layouttipp „Der Spiegel“ Hans-Peter Janisch

Linien und Strukturen

Linien bestimmen das neue Bild des „Spiegel”. Waren es bislang die Spaltenlinien, die dominant waren so finden wir jetzt zusätzlich Linien im Seitentitel, Linien über und unter dem Vorspann, Linien über den Infografiken und sinnvollerweise über den Anzeigen. Eigentlich gibt es keine Stelle im Layout, an der keine Linien angewendet werden.
Alles zu Lasten des Weißraums, der im neuen Layout eine deutlich untergeordnete Funktion hat. Der größere Satzspiegel sorgt zudem für ein Gefühl der Enge an den Seitenrändern und am Seitenfuß. Man spürt oft die Angst vor der freien Fläche, fürchtet dieLeere. Der Weg zu einer linierten Seite ist da sicher eine Abhilfe, die Seiten wirken dann aber oft zu voll und wenig einladend.

Typografie

Die Überschriften des neugestalteten „Spiegel” sind fetter geworden. Vielleicht erhöht sich der Kontrast auf der Seite durch diese Maßnahme. Jedoch sind fette und vor allem extrafette serifenbetonte Schriften, wie die Spiegel Slab, nicht unbedingt zeitgemäß. Sie hatten ihre Renaissance vor einigen Jahren und wirken heute oft nur klotzig und sperrig.

Dies wird bei der gewählten extrafetten Variante offensichtlich, wenn man eine Seite mit vielen kleinen Headlines betrachtet. Die dann leider nicht mehr lesbar sind, wie sich leicht in einem Vergleich der Ausgaben bestätigt.

Alternative Erzählformen

Ganz klar, ein Magazin lebt von seinen Geschichten. Erst recht der „Spiegel”, dessen Texte Generationen von Redakteur:innen als Vorbild diente. Aber heute wissen wir, der Leser will nicht nur lesen. Er will auf unterschiedlichste Weisen in das Thema geführt werden. Hier kommen die alternativen Erzählformen ins Spiel, die den Betrachter zum Leser machen. Die den Einstieg erleichtern und um deren Bedeutung es heute keinen Zweifel gibt.

Leider finden wir davon auch im neuen „Spiegel” zu wenig. Wir finden den klassischen Dreiklang von Text, Titel und Bild. Dabei gibt es doch so viele Ansätze, diese Erzählformen auch in einem Magazin-Umfeld zu präsentieren. Ein kleines Beispiel habe ich dann doch gefunden … in das Bild zum Thema Impfung werden Fakten eingebaut.

Typografie im Detail

Grundschrift

Rotation, die Grundschrift des Spiegel, wurde 1971 von dem deutschen Schriftkünstler Arthur Ritzel entworfen. Der Spiegel verwendet sie auch im Web. Gegenüber der Times New Roman hat die Rotation ein stabileres Schriftbild, weil die Serifen verstärkt wurden. Die Rotation ist quasi eine Überarbeitung der Times. Wo der Unterschied zwischen Rotation und der Spiegel Hausschrift ist, läßt sich auf den ersten Blick nicht erkennen. Der Text unter dem Schriftmuster „Rotation“ wurde von mir auf fontshop.com abgesetzt, das Beispiel der Spiegel-Hausschrift ist ein Screenshot aus einem Pdf. Dadurch können sich minimale Strichstärken-Unterschiede ergeben. Es sieht nicht so aus, als wären Buchstaben verändert worden.

Überschriften-Apparat

Gegenüber dem alten Layout ist der neue Überschriften-Apparat kompakter. Gerade im Vergleich sieht man, dass die fettere Schrift deutlich schlechter leabar ist. Die Innenräume der Buchstaben, zum Beispiel A, g und e sind kaum noch vorhanden. Fortschritt sieht anders aus.

Dieser Artikel erschien am 14. Mai 2021 auf www.editorial-design.com. Aktualisierung am 17. Mai 2021 um 13.25 Uhr.

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

13 2021 Neue Osnabrücker Zeitung

Layouttipp Neue Osnabrücker Zeitung

Die Neue Osnabrücker Zeitung wird von der Neue Osnabrücker Zeitung GmbH & Co. KG herausgegeben. Der Verlag hat in den letzten Jahren Zeitungen zugekauft, unter anderem das Flensburger Tageblatt und die Schweriner Volkseitung. Die NOZ hat 12 Lokalausgaben mit unterschiedlichen Zeitungsnamen, wobei einige Zeitungsköpfe in einer gebrochenen Schrift gestaltet werden. Die Zeitung erscheint im Rheinischen Format. Die verkaufte Auflage liegt bei 335.510 Exemplaren (IVW 1/2021). Das ist ein Minus von 0,39 Prozent gegenüber IVW 1/2020. Die ePaper haben in diesem Zeitraum von 59.081 auf 67.825 zugelegt.

Ende März hat man eine leichte Neugestaltung vorgenommen. Dabei folgt man der Vorlage des Flensburger Tageblatts, das hier schon besprochen wurde. Da die Veränderungen teilweise sehr detailliert sind, haben wir vorher – nachher nebeneinander gestellt.

Die NOZ ist eine sehr gut etablierte Regionalzeitung, die bei Zitate-Rankings immer weit oben steht. Eine Besonderheit dieser Zeitung ist, dass Kommentare immer den jeweiligen Artikeln direkt zugeordnet werden. Das wird auch im überarbeiteten Layout so beibehalten. Die Partner in Flensburg und Schwerin machen es auch so.

Da die Auflage nur minimal zurückgeht, sind die Veränderungen am Layout nur sehr gering. Man verspürt offenbar keinen Druck, neue Wege zu beschreiten. Infografiken, Ergänzungsboxen, packende Visualisierung von Themen, Foto-Reportagen … die Liste der bei er NOZ nicht oder nur gering genutzten gestalterischen Möglichkeiten ist lang.

Titelseite

Die linke Titelseite zeigt das alte Layout, die rechte das neue.

  1. – Zeitungskopf: Der Zeitungskopf in Großbuchstaben ist in die Jahre gekommen. Das Logo „Neue OZ“ stammt aus einer Fusion von zwei Zeitungen, die viele Jahrzehnte zurück liegt. Selbst wenn man bei den Großbuchstaben bleiben wollte, gäbe es elegantere und zeitgemäßere Schriften. Der Anzeigenplatz rechts ist auch nicht so toll, denn an den beiden Tagen, die wir hier abbilden, sind es Eigenanzeigen. Mehr Mut zu einem zeitgemäßen Zeitungskopf mit mehr Weißraum wäre zu empfehlen.
  2. – Aufmacher: Das Bild zeigt die leere Innenstadt mit Tischen, die mit Absperrband gekennzeichnet sind. Die Überschrift „Wird heute die Notbremse gezogen?“ passt dazu. Die Unterzeile ist im Kontrast zur leichten Überschrift in einer fetteren Serifenlosen gesetzt. Insgesamt sehr wenig Weißraum im Aufmacher und auf der Seite insgesamt.
  3. + Kommentar: Es ist eine lange gepflegte Eigenheit dieser Zeitung, Kommentare in den jeweiligen Bericht einzubauen. Tests zeigen, dass solche Kommentare mehr Leser haben als bei Platzierung auf einer eigenen Kommentarseite.
  4. – Anrisse links: Die linke Spalte gibt einen Überblick über Artikel in einzelnen Ressorts, z.B. Region, Politik, Einblicke, Panorama, Leute. Die zweizeiligen Überschriften sind gut, weil man dabei Inhalte gut formulieren kann. Die jeweils zehnzeiligen Texte sind zu lang. Die ganze Inhaltsangabe wirkt sehr langweilig, obwohl es doch die besten Themen dieser Ausgabe sein sollen. Weniger Text, hier und da ein Bild wären zu empfehlen.
  5. – Abschluss der Seite: Unten steht ein Zwei- und ein Dreispalter nebeneinander. Das ist zwar nicht falsch, aber ein kleines Bildelement als Kontrast zum Bild oben wäre sinnvoll gewesen.
  6. – Aufmacher-Bild: Der Artikel steht neben dem Bild. Die Überschrift hätte größer sein können und beispielsweise im Bild stehen können.
  7. +– Aufmacher: Jeder Aufmacher bekommt nun einen Initial-Buchstaben. Dafür fehlt die Ortsangabe. Auch in der Neugestaltung werden die Kommentare in den Artikel eingebaut. Das Bild des Autors ist nicht mehr rund sondern freigestellt.
  8. + Anrisse links: Statt zweizeiliger Überschriften und zehn Zeilen Text stehen nun vierzeilige Überschriften mit Stichworten hier. Hinzu kommen Portraitfotos. Deutliche Verbesserung gegenüber dem alten Layout
  9. +– Abschluss der Seite: Die normalen Artikel stehen nach wie vor ohne Auflockerung nebeneinander. Neu ist die Rubrik „Seitenblick“, bei der eine besondere Meldung hervorgehoben wird. Hier ist es die Meldung, dass der Geheimdienst MI6 eine Stelle ausschreibt.

Lokales Fenster: Sowohl auf der alten als auch auf der neuen Seite stehen Meldungen aus Osnabrück, aber ein richtiges lokales Fenster ist nicht vorhanden. Es kann sein, dass für andere Lokalausgaben Meldungen getauscht werden, aber der Lokalteil könnte auf der Titelseite mehr betont werden.

Erste Lokalseite

  1. – Seitentitel: Als Kennzeichnung des Lokalteils steht „Osnabrück“ mittig über der Seite. Es wird die serifenbetonte Schrift des Zeitungskopfes benutzt. Der Seitentitel hat zu wenig Platz. Mehr Weißraum unter dem Seitentitel wären sinnvoll.
  2. + Aufmacher: Das Bild im Aufmacher ist groß genug, die Überschrift gut formuliert.
  3. – Bildschnitt: Links sieht man viel Ärmel, oben viel Wand im Hintergrund. Hier wurde mal wieder kein Bildschnitt gewählt.
  4. +– Kolumne: Die Glosse ist ein wichtiger Ankerpunkt für die Leser. Am Anfang steht eine Einleitung in kursiver Schrift. Die eingeklinkte Zeichnung ist ein weiteres Element der Hervorhebung. Wie wäre es mit Flattersatz und einer total neuen Idee: Absätze! Der Text könnte Absätze haben.
  5. + Seitentitel: Gegenüber der alten Version eine leichte Verbesserung, denn nun hat er mehr Platz und kollidiert nicht mehr mit der Aufmacher-Überschrift.
  6. +– Aufmacher: Die neue Überschriftentype ist kleiner und leichter als die alte Version. Die Leser dürften den Unterschied kaum bemerken, da man normalerweise nicht alte und neue Zeitung nebeneinander legt. Die Visualisierung des Themas ist mangelhaft, denn das Aufmacherbild zeigt fast nichts.
  7. – Alternative Storyform: Im Artikel geht es um die 7-Tage-Inzidenz und viele Details um die Inzidenz von 150 und 165. Man hätte den Artikel stärker gliedern und eine alternative Storyform erstellen können, denn der Artikel ist eine Textwüste. Eine Tabelle mit Regeln, was wann gilt, wäre zum Beispiel übersichtlicher gewesen.
  8. – Kolumne: Man sieht keine Weiterentwicklung oder Verbesserung gegenüber der alten Version.
  9. – Abschluss der Seite: Man arbeitet wohl textgetrieben bei der NOZ. Der Aufmacher ist fertig und jetzt ist unten noch so eine Lücke. Da klemmen wir noch ein paar kleine Meldungen rein. Schade, denn wenn der Aufmacher etwas kürzer gewesen wäre, hätte man mehr Text und eine Unterzeile platzieren können und damit auch einen oder zwei richtige Artikel, denn wir sind ja auf der ersten Lokalseite.

Weitere Innenseiten

Die erste Region-Seite hat auch einen ultralangen Artikel und ein Bild, bei dem links und rechts viel Nichts vorhanden ist. Eine Ergänzungsbox oder eine andere Auflockerung als Zwischenzeilen gibt es wohl nicht mehr im Layout-Werkzeugkasten der NOZ. Unten auf der Seite war wieder eine Lücke, die mit einem sehr flachen Artikel gefüllt wird. Besser: Den Aufmacher seitenhoch gestalten.
Die weitere Region-Seite rechts hat immerhin einen Bildblock, der den Artikel gut auflockert.

Titelseiten

Die Titelseiten zeigen die Variationsbreite des Layouts. Ein klares Seitenkonzept ist nicht zu sehen. Kontinuierlich ist der Kommentar im Aufmacher. Ein interessanntes Detail ist, dass die Anrisse statt in der linken Spalte auch mal quer gelegt werden können.

Kooperation mit Schweriner Volkszeitung

Links sieht man die Seite der NOZ, rechts der Umbau für die Schweriner Volkszeitung. Obwohl die Typografie angegliechen wurde, sind umfangreiche Umbauten der Seiten erforderlich, weil Osnabrück sieben und Schwerin sechs Spalten hat.

Ein Tag im Medienhaus

Die Seite erschien im Wochenend-Teil der NOZ. Es scheint eine Eigenanzeige zu sein, denn der redaktionelle Seitentitel fehlt und es wird auch nicht die redaktionelle Schrift benutzt. Ein sehr schönes visual Storytelling, dass man sich bei dieser Zeitung öfter wünschen würde.

Liste der Ausgaben des sh:z Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag.

Dieser Artikel erschien am 3. Mai 2021 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

12 2021 Courage

Layouttipp Courage

Die Zeitschrift Courage erscheint im Finanzenverlag, München und hat eine Auflage von 30.000 Exemplaren. Die erste Ausgabe erschien im März 2020. Auf der Website des Verlags heißt es über die Zeitschrift: „Courage ist Deutschlands erstes Geld‑, Karriere- und Lebenslustmagazin, das in erster Linie Frauen adressiert. Es erscheint alle zwei Monate. Die Themenauswahl soll insbesondere Frauen motivieren, ihre Finanzen selbst in die Hand zu nehmen und sich beruflich und persönlich weiterzuentwickeln.“

Die Zeitschrift ist sehr professionell gemacht: Die Fotografien haben eine durchgehende Linie, die Typografie ist unverwechselbar und zeitgemäß. Die Gliederung in Sektionen ist eher unauffällig. Die Überschriften sind oft nachrichtlich und darum zweizeilig.

Titelseite

  1. + Logo: Das Logo ist einfach in Kleinschreibung gesetzt. Es steht mittig. Das Motto: „Geld · Karriere · Lebenslust“ steht gut sichtbar darüber. Klar, sauber und somit gut gelöst.
  2. + Aufmacherbild: Die freundlich lächelnde Gründerin passt gut zum Motto der Zeitschrift. Die Grundfarbe der Seite ist grün, ein eher selten benutzter Farbton bei Covern. Hinter der Person wird das Grün aufgehellt. Dadurch wird das Gesicht hervorgehoben.
  3. + Aufmacher-Überschrift: Folgt man dem logischen Leseablauf, steht die Überschrift sehr gut, denn sie passt zum Aufmacherbild. Es ist durchaus nicht selbstverständlich, dass das Aufmacherbild einer Zeitschrift auch eine klar zugeordnete Überschrift hat. Der logische Leseablauf geht vom Aufmacherbild nach unten.
  4. +– Aufkleber: Der Kreis weckt die Aufmerksamkeit des Betrachters, denn am Kiosk und auf diesem Cover ist alles eckig. Die Großschreibung ist nicht gut lesbar.
  5. + Anrisse: Neben der Aufmacher-Überschrift sind noch fünf Anrisse auf der Seite. Dadurch wirkt sie ziemlich voll. Es wirkt aber nicht billig wie bei Yellow-Press-Titeln sondern man kann die Fülle als Hinweis auf die Vielfalt der Themen interpretieren.
  6. + Eck-Aufkleber: Der Eck-Aufkleber wird am Kiosk gut wahrgenommen. Auch farblich gute Lösung.
  7. + Barcode: Der Barcode wird oft gedankenlos irgendwohin geknallt. Oft ist er auch unförmig groß. Hier ist er sehr unauffällig und klein unten rechts platziert. Top-Platzierung.

Coverstory

  1. + Ressortstarts: Die Zeitschrift ist in vier Ressorts gegliedert: Titel, Geld, Karriere und Lebenslust. Die Ressorts beginnen immer mit einer Doppelseite und sie werden links oben durch Buchstaben im Kreis gekennzeichnet. Die Idee ist nicht ganz neu, aber noch nicht zu sehr abgenutzt.
  2. +– Aufmacherbild: Die Farbe und das Motiv der Titelseite werden aufgegriffen. Dadurch wird automatisch klar, dass es das Coverthema ist. Die grüne Unterlegung macht klar, dass ein durchgehendes Thema auf dieser Doppelseite platziert ist. Dass die abgebildete Person die Gründerin eines Erotik-Start-up war, kann man der Fotografie nicht entnehmen. Möglich, dass die abgebildete Frucht mit der nächsten Geschäftsidee zu tun hat.
  3. +– Bildtext: Gut, dass ein Bildtext vorhanden ist. Nicht so gut, dass er weiß auf grünem Grund steht. Schwarz auf weiß wäre besser lesbar gewesen.
  4. + Überschriften-Apparat: Dachzeile, Überschrift, Vorspann mit Autorenangabe. Der Überschriften-Apparat ist straff und es wird viel Weißraum eingesetzt, der Großzügigkeit und Seriosität signalisiert.
  5. + Initial-Buchstabe: Er ist sechs Zeilen hoch und damit nicht zu groß und nicht zu klein, also genau passend. Wobei ein Initial-Buchstabe streng genommen nur Dekor ist, also überflüssig.
  6. – Grundtext: Es ist ein Interview, was aber nicht gut sichtbar wird, denn es gibt keine Leerzeilen zwischen Frage- und Antwortblöcken. Kursiv für die Fragen ist außerdem schlecht lesbar. Die Grundschrift könnte etwas größer sein. Der Zeilenabstand ist gut.

Weitere Doppelseite der Coverstory

Das mittig platzierte Zitat lockert die Seite gut auf. Der Bildblock rechts hat auch ein Zitat, das aber schlecht lesbar ist. Besser: Zitat auf weißen Grund stellen.

Titelseiten im Vergleich

Die sechs Titelseiten zeigen eine konsequente Gestaltung. Das Konzept, eine Person in den Vordergurnd zu stellen, wird sehr gut durchgehalten. Die Cover haben ein stimmiges Konzept, das sehr gut funktioniert. Die Farbe des Logos ist so gewählt, dass es immer gut lesbar ist.

Doppelseite

Bei dieser Doppelseite wird die Überschrift „Grünes Geld“ sehr gut visualisiert. Geldscheine werden zu Schmetterlingen gefaltet. Die Schmetterlinge fliegen von links nach rechts und einer wird rechts angeschnitten. Damit wird klar, dass die Story weiter geht auf die nächste Seite.

Facts & Figures

Diese Doppelseite ist im Ressort „Geld“. Die Kombination von Zahlen, Infografiken und Portraitfotos ist gelungen. Dass sich die gesamte Doppelseite mit dem Thema „Gender Pay Gap“ befasst, bemerkt man erst beim Lesen. Hier fehlt die Überschrift, die alles klammert.

Dieser Artikel erschien am 3. Mai 2021 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

11 2021 Berliner Zeitung am Wochenende

Layouttipp Berliner Zeitung am Wochenende

Die Berliner Zeitung hat eine verkaufte Auflage von 83.816 Exemplaren (IVW 4/2020). Die Zeitung hat 40.092 Abonnenten. Das sind 25,67 % weniger als ein Jahr vorher (IVW4/2019).
Der Verlust von einem Viertel der Abonnenten innerhalb eines Jahres ist dramatisch. Die Zeitung erscheint im Rheinischen Format.

Vermutlich um die triste Auflagenentwicklung zu stoppen und um neue Leser zu gewinnen, wurde die Samstags-Ausgabe inhaltlich und gestalterisch in eine Wochenzeitung umgewandelt. Ende März erschien die erste neue Ausgabe. Das Cover ist nun monothematisch, innen wird ein Wochenzeitungs-Layout mit langen Artikeln gepflegt. Manche Themen werden über zwei Seiten geführt. Einerseits bekommen die Abonnenten diese Zeitung zugestellt, andererseits liegt sie an Kiosken in Berlin und Ostdeutschland, um neue, junge Zielgruppen anzusprechen. Die Themenwahl ist dann auch eher auf eine jüngere, urbane Zielgruppe abgestimmt, wie zum Beispiel beim Thema Transgender oder Felix Lobrecht, dem erfolgreichsten deutschen Comedian, zu sehen.

Das Cover ist nun im Zeitschriften-Layout angelegt, wobei die Zeitung nach wie vor im Vollformat erscheint. Somit sieht man am Kiosk nur die obere Hälfte. Die Überschrift steht jedoch unten. Das bedeutet: die Covergestaltung funktioniert nicht am Kiosk. Es scheint auch keine Aufsteller an Kiosken zu geben, die das Cover komplett zeigen.

Es bleibt zu hoffen, dass man den Einzelverkauf steigern und den Rückgang der Abo-Auflage zumindest verlangsamen kann.

Titelseite

  1. + Coverfoto: Kann sein, dass ein junger Mann auf dem Cover eine andere Zielgruppe anspricht als die konventionelle Gestaltung des bisherigen Layouts. Auffallend ist, dass das Coverbild schwarzweiß gehalten wird. Das wirkt dokumentarisch, wahr. Ansonsten gibt das Foto noch keinen Hinweis auf das Thema der Coverstory.
  2. – Überschrift: „Fürchtet euch* nicht“ lautet sie. Damit weiß der Leser nach wie vor nichts über das Coverthema. Es könnte biblisch sein. Der kleine Ergänzungstext unten „Die große Reportage zum Thema Transgender“ hilft etwas weiter, denn damit ist zumindest ein Stichwort genannt. Rätselhaftes Foto + rätselhafte Überschrift = geringes Interesse bei potenziellen Leserinnen und Lesern. Die Bedeutung des Sternchens bei dem Wort „euch“ ist rätselhaft. Es ist sicher ein Gendersternchen, aber wird es in diesem Zusammenhang eingesetzt?
  3. + Text oben rechts: Es ist eigentlich ein Vorspann, der nach oben gestellt wurde. Gleichzeitig der einzige Hinweis über dem Bruch auf das Thema dieser Ausgabe. Zu klein. Besser: Die Zeit und viele Regionalzeitungen nutzen am Wochenende die obere Hälfte, um dort das Thema der Samstags-Ausgabe zu zeigen. Dabei steht die Überschrift im Bild.
  4. + Zeitungskopf: Er wurde auf ein „B“ reduziert. Darunter steht noch klein der Schriftzug „Berliner Zeitung“. Es ist konsequent, sich vom Zeitungskopf zu verabschieden, wenn man ein Magazin-Layout machen will. Schon im vorigen Jahr erschien die Samstags-Ausgabe nur noch mit dem verkürzten Kopf.
  5. – Anrisse unten: Sie sind weiß auf blau. Nicht gut lesbar. Am Kiosk können sie keine Rolle spielen, weil man sie unter dem Bruch nicht sehen kann. Der blaue Rahmen um die Seite ist interessant, weil man sich dadurch konsequent von anderen Zeitungen unterscheidet und sich dem Zeitschriftenlayout nähert.
  6. – Service-Texte: Die hochkant stehenden Angaben rechts sind Service-Texte wie die Anschrift, Leserservice usw. Das Wappen Berlins mittit platziert passt da irgendwie nicht rein. Die Angabe „Preis 2,00 € (Mo.-Fr.), 3,00 € (Sa.) ist zu lang, denn es wäre ja völlig ausreichend, einfach nur „Preis 3,00 €“ anzugeben.

Coverstory

  1. + Seitentitel: Die Seitenzahl ist groß und als Gestaltungselement auffallend. Die Ressortangabe „Reportage“ ist deutlich kleiner, aber immernoch gut lesbar.
  2. – Aufmacherbild: Das Bild, das der Überschrift am nächsten steht, ist eine Jeansjacke, von hinten fotografiert. Selbst in Kombination mit der Überschrift darunter bleibt es rätselhaft. Besser: Einen klaren Start mit eindeutiger Text-Bild-Kombination hinlegen. Dem Leser soll das Thema klar werden.
  3. + Überschriften-Apparat: Die Überschrift ist klar formuliert, das Thema Transgender wird deutlich. Im Vorspann wird erklärt, dass man zwei Jugendliche begleitet hat: Yannik in Berlin und Jake in New York. Yannick wird nicht abgebildet. Insgesamt ein guter Stoff für die junge, urbane Zielgruppe. Schwieriges Thema für langjährige Abonnenten. Fragt sich, ob es nicht zwei Personen in Berlin gegeben hätte, um das Thema visuell stärker präsentieren zu können.
  4. +– Beginn des Textes: Der Textbeginn wird links unter dem Foto etwas versteckt. Der sechszeilige Initial-Buchstabe ist in der Größe stimmig.
  5. – Text-Gliederung: Er gibt nur einzeilige Zwischenzeilen. Das seitenhohe Textbein wird zu wenig aufgelockert.
  6. – Fotografie: Die Fotos auf der rechten Seite sind auch wenig aussagekräftig. Bei dem kleineren Bild steht die Mutter mit abwehrender Geste vor ihrem Kind. Sie will wohl nicht, dass es so fotografiert wird. Genau das Foto wird dann veröffentlicht.
  7. + Zitate: Neben den einzeiligen Zwischenzeilen stehen Zitate links und rechts auf der Seite. Sie sind mittelachsig und in der Größe richtig gewählt. Wobei das Zitat auf der rechten Seite noch eine Spalte weiter nach rechts gehört hätte, um den großen Textblock besser aufzulockern. Auflockerungen im Text sollte man fernhalten von Bildern, denn die lockern ja bereits den Text auf.

Am Ende ist noch ein Hinweis auf ein Interview mit einem Sexualtherapeuthen auf Seite 30, also 25 Seiten weiter hinten. Wenn man ein Cover-Thema hat, sollte man es auf einen geschlossenen Block von Seiten konzentrieren und nicht im Blatt verteilen.

Titelseiten im Vergleich

Dir ersten drei Titelseiten im neuen Design zeigen eine konsequente Gestaltung. Es ergibt sich eine sehr moderne Bildsprache mit cooler, trendiger Typografie. Man darf gespannt sein, ob es viele Käufer gibt.

Doppelseite

Bei dieser Doppelseite mit der Bezeichnung „Künstler der Woche“ werden vier Artikel platziert. Die Bildsprache ist sehr modern. Der Schriftsteller Björn Stephan steht zum Beispiel vor einem Wohnwagen aus den fünfziger oder sechziger Jahren. Diese Jahrzehnte trenden gerade. Die beiden Schwarzweiß-Fotos sollen den Roman illustrieren. Sie passen nicht zu den Farbofotos.

Ressortsstarts

Die Startseiten der Ressorts haben jeweils ein großes Bild und unten eine Story. Der Inhalt erschließt sich nicht so einfach. Bei der Seite mit der Rakete geht es darum, wie wir in Zukunft leben werden. Bei dem Artikel „Was wir wollen“ wird Berlin mit Rom, New York und Paris verglichen. Die Seite, „Service“ leitet den Rücksturz in die Normalität ein, denn es gibt nach wie vor einen Auto- und Reiseteil, der weiterhin im konventionellen Layout gestaltet wird. Titelseite und Ressortstarts passen gut zusammen, die normalen Innenseiten wiederum passen eher zur Wochenzeitung Die Zeit.

Dieser Artikel erschien am 12. April 2021 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

10 2021 Gala

Layouttipp Gala

Die Zeitschrift Gala gehört zu Gruner + Jahr, Hamburg. Sie hat eine verkaufte Auflage von 173.277 Exemplaren (IVW IV 2020). Davon sind 14.967 Exemplare ePaper.

Gala hat vier Ressorts: Stars, Style, Stories und Society. Nachrichten aus Königshäusern, wie Harry & William oder Kronprinzessin Victoria und Prinz Daniel von Schweden werden in das Ressort Stars eingefügt.

Gala steht von jeher für gehobene Yellow-Press-Berichterstattung. Gestalterisch versucht man, sich den großen Modezeitschriften anzunähern, wobei man aber auch immer auf die Stories und Fotos der Promis angewiesen ist. Dadurch entsteht offenbar die Erwartung: Das muss trashig aussehen. Darum changiert das Blatt zwischen hohem gestalterischem Niveau und völlig überladen wirkendem Promi-Sammelsurium.

Mit Heft 12/2021 hat man eine größere Neugestaltung vollzogen. Wir vergleichen mit Heft 6/2021, damit man die Unterschiede besser sieht.

Titelseite

  1. +– Schriftzug: Der Schriftzug im alten Layout war gut. Durch die kursive Schrift auf rotem Grund war das Ziel der Publikation im Logo schon gut sichtbar. Etwas Glamour, aber nicht zu viel. Im neuen Layout steht die Schrift etwas gerader und die Oberlängen des G und l sind niedriger. Das wirkt weniger dynamisch, weniger prägnant. Das frühere Logo war besser, es gibt keinen Grund, es so zu verändern.
  2. + Aufmacher-Bild: Heidi Klum zieht immer, aber darauf kommt es weniger an. Dieser Aufmacher ist gut, weil man ein eindeutiges Coverbild gewählt hat. Man hat nah genug an das Gesicht herangezoomt, so dass man die Person gut erkennen kann.
  3. + Aufmacher-Überschrift: Die Überschrift ist dem Bild eindeutig zugeordnet. Der Text „Exklusiv-Interview“ zeigt sehr schön, dass schmal laufende Schriften in Versalien nicht gut lesbar sind. Heidi Klum in der Überschrift zu erwähnen, wäre noch besser gewesen. Die Unterzeile ist etwas zu lang.
  4. – Anrisse: Links werden in einer Leiste vier Themen angerissen. Drei davon sind mit Foto versehen. Der Untergrund ist goldfarben. Die Lesbarkeit der Anrisse ist eher schlecht, denn es fehlt oft die nötige Figur-Grund-Differenzierung. Weiß auf Grün, Schwarz auf Dunkelbraun – alles eingeschränkt lesbar, weil der Kontrast fehlt. Besser: Schwarz auf Türkis und Weiß auf Dunkelbraun. Schmal laufende Schriften in Versalien sind schlecht lesbar. Besser: Groß- und Kleinschreibung in einer normal breit laufenden Schrift.
  5. +– Barcode und Preisangaben: Sie stehen ganz oben auf der Seite und sind gut lesbar. Allerdings gehört der Barcode eher unten hin und an den Papierrand. Er ist einfach kein ästhetisches Highlight und auch nur an der Kasse wichtig.
  6. – Aufmacher-Bild: In der ersten Ausgabe im neuen Layout kann man Judith Rakers nicht sofort erkennen, weil man nicht an ihr Gesicht herangezoomt ist. Es ist nun viel Wasser auf dem Bild. Das ist zumindest auffallend im Vergleich zu anderen Titeln am Kiosk.
  7. +– Aufmacher-Überschrift: Dass man Versalien sperrt ist normal. Hier ist aber die zweite Zeile in Kleinschreibung auch gesperrt. Es ist zumindest eine Innovation. Die Unterzeile in weiß Schrift auf Wasser ist nahezu unlesbar.
  8. + Anrisse: Im neuen Layout stehen die Anrisse auf silbernem Untergrund. Es sind nach wie vor vier. Die Überschriften in schwarzer Schrift auf weißem Grund sind gut lesbar. Jennifer Lopez in schwarzer kursiver Schrift auf violettem Grund: nahezu unlesbar.
  9. – Barcode und Preisangaben: Sie stehen nun unten, allerdings kann man die Preisangaben weiß auf Wasser nicht erkennen.

Insgesamt: Beim Cover sieht man gegenüber der alten Version keine Verbesserung der Lesbarkeit, aber auch keine Veränderung der Gesamt-Anmutung. Das Blatt wirkt im neuen Layout nicht wertiger als im alten. Dann sind zumindest die Leser nicht irritiert.

Innenseite

  1. – Aufmacherbild: Es ist die Ttielstory. Irritierend ist, dass auf der Titelseite Judith Rakers gezeigt wird und hier nun Barbara Becker. Besser: Auf dem Cover und innen keine inhaltlichen Verschiebungen. Wenn Judith Rakers auf dem Cover ist, dann muss sie auch innen deutlich sichtbar auftauchen. Sonst erkennt der Leser nicht, dass er bei der Titelstory ist. Das größte visuelle Element auf der Seite ist klar erkennbar. Kenner der Promiszene wissen: Das ist Barbara Becker. Rechts oben ist auch ein erläuternder Text über sie.
  2. + Überschrift: Überschrift und Bild sind einander klar zugeordnet. Der Text ist gut lesbar, die Dachzeile „Glücks-Momente“ ist etwas zu klein.
  3. + Vorspann: Hier wird verraten, dass die Coverstory sich nicht nur mit einer Person, sondern mit mehreren besfasst: Barbara Becker, Judith Rakers & Co.
  4. +– Seitenzahl, Ressort-Angabe: Gut, dass geschrieben wird, dass es sich um die Coverstory handelt. Schade, dass es nicht so gut sichtbar platziert wurde. Besser: Ressort-Angabe und Seitenzahl auf beiden Seiten und eher oben platzieren.
  5. – Initial-Buchstabe: Man muss erst mal begreifen, dass die Story von der rechten Seite nach links rüber läuft. Da wäre eine einheitliche Farbigkeit beider Seiten besser. Initial-Buchstaben sind generell im Wachstum begriffen. Besser: Initial-Buchstabe blau statt beige.
  6. – Bildtext: Gut, dass er vorhanden ist, schlecht, dass er rechtsbündig steht. Linksbündig wäre besser lesbar.
  7. + Grundtext: Die Schriftgröße ist gut, die Spaltenbreite ist nicht zu breit und nicht zu schmal. Der halbfette Anlauf am Beginn eines neuen Absatzes ist eine gute Gliederung, denn hier geht es weiter mit Kai Pflaume.

Insgesamt: Die Seite ist falschrum aufgebaut. Der Start sollte links sein und dann wird durch das Layout nach rechts übergeleitet. Wenn das nicht geht, sollte man durch Farben verdeutlichen, dass linke und rechte Seite zusammengehören. Welche Promis und wieviele in dieser Titelstory vorkommen, wird nicht recht deutlich. Das Ergebnis wirkt insgesamt etwas vermurkst.

Coverstory im alten Layout

Titelseite und Startseite im Innern zeigen deutlich, dass es hier um Heidi Klum geht. Die Coverstory beginnt innen ganz richtig, nämlich auf der linken Seite. Durch die Überschrift wird die Story auf die rechte Seite überführt. Das Interview wirkt etwas gepresst. Eine Leerzeile bei den Fragen würde zu mehr Lockerheit führen. Die Bilder hätten stärker in Blöcken arrangiert werden können. Die Ergänzung unten rechts ist gut.

Coverstory im neuen Layout

Es wird auf dem Cover und innen nicht ganz deutlich, dass mehrere Promis hier vorkommen. Das Thema ist auch eher verschwommen: „Lust aufs Leben“ heißt es auf der Titelseite, „Frei sein & Träumen“ auf der Innenseite und am Ende gibt noch ein Medizin-Professor vier Glücks-Tipps. Dass die einzelnen Textblöcke zusammengehören, ist ebenfalls unklar. Besser: Durch eine gemeinsame Farbe die Zusammengehörigkeit der Seiten verdeutlichen.

Doppelseite 1

Die Doppelseite ist klar struktiert. Die bietet einen guten Einstieg durch das Bild, die Überschrift ist klar formuliert, der Textverlauf ist eindeutig.

Doppelseite 2

Ein Highlight im Heft: eine einzelne Pantolette seitlich fotografiert. Der farbige Rahmen lässt die Abbildung besonders wertvoll erscheinen. Wir sind im Ressort Style auf der Seite Fashion. Im Text rechts wird erkärt, was es ist: „Gemütlich ist das neue Cool. Inspiriert vom Homeoffice zeigen Designer tragbare Comfy-Styles.“

Doppelseite 3

Diese Seite wirkt etwas überladen. Der Einstieg mit dem großen Bild ist gut, die Überschrift auch gut platziert. Die Kombination aus Freistellern, runden Bildern, kursiven und handgeschriebenen Überschriften wirkt aber etwas wild. Lerneffekt: Es wird gut erkennbar, wie man ein wildes Promi-Layout hinbekommt.

Dieser Artikel erschien am 21. März 2021 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

09 2021 Flensburger Tageblatt

Layouttipp Flensburger Tageblatt

Das Flensburger Tageblatt gehört zum „sh:z Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag“. Es gibt 16 Lokalausgaben mit unterschiedlichen Zeitungsnamen, wobei die Zeitungsköpfe auch sehr unterschiedlich gestaltet werden. Die Zeitung erscheint im Rheinischen Format. Die verkaufte Auflage liegt bei 181.713 Exemplaren (IVW 4/2020). Das sind 1,10 Prozent mehr als 4/2019. Die ePaper haben von 37.530 Exemplaren auf 47.572 zugelegt.

Anfang März 2021 hat man eine leichte Neugestaltung der Zeitungen vorgenommen. Da die Veränderungen teilweise sehr detailliert sind, haben wir hier vorher – nachher nebeneinander gestellt.

Die Zeitung verfügte bereits im bisherigen Layout über ein sehr seriöses und typografisch ausgewogenes Erscheinungsbild. Im überarbeiteten Layout wurde die bisherige Typografie beibehalten. Auf der Titelseite wurde das lokale Fenster von der linken Spalte in ein quer liegendes Band umgeformt. Am Fuß der Seite ist Platz für ein Meinungs-Element wie Kommentar oder Glosse geschaffen worden.

Keine Verbesserungen sieht man bei Bildgrößen und Bildschnitt, Foto-Reportagen, visual Storytelling, alternative Storytelling – alles nicht im alltäglichen Einsatz. Die Texte in der neuen Ausgabe wurden eher länger, die Anzahl der Kleinmeldungen wurde eher reduziert. Man geht konzeptionell in Richtung einer täglichen Wochenzeitung mit ausgewogenen Bildgrößen, ruhigem Layout und etwas längeren Aufmacher-Texten.

Dass man bei steigender Auflage keine großen Experimente macht, ist verständlich. Etwas größerer Einsatz von visuellem Journalismus wäre trotzdem zeitgemäß.

Titelseite

  1. +– Zeitungskopf: Der Zeitungskopf in Großbuchstaben ist schlechter lesbar als ein Kopf in Groß- und Kleinschreibung. Ursache: Durch die Großschreibung ergibt sich keine wiedererkennbare Außenform. Daher wäre Groß- und Kleinschreibung die bessere Lösung. Die ergänzenden Informationen sind gut untergebracht, die Wappen etwas zu klein. Das Datum ist in der alten Version größer als in der neuen.
  2. +– Aufmacherbild: Das Bild ist gut erkennbar, die Überschrift darauf gut lesbar. Beim Grundtext hätten sicher drei Zeilen genügt. Schade, dass es zu dem Foto keine Story im Innern gibt.
  3. – Lokales Fenster: Die linke Spalte ist lokalen Themen gewidmet. Es steht nur nicht da. Die einzeiligen Überschriften und der Zwang zu den kleinen Bildern macht das Befüllen dieser Form nicht einfach. Grundtext in Mittelachse ist nicht gut lesbar. Es gibt aslo einige Gründe, das lokale Fenster zu verbessern.
  4. +– Aufmacher: Der für die Redaktion wichtigste Artikel bildet bei vielen Regionalzeitungen einen quadratischen Block auf der Seite, so wie hier. Man verkauft seine Ware damit unter Wert, denn wenn ein Bild oder eine Infografik zu dem Artikel gehören würde, wäre die Aufmerksamkeit der Leser größer. Das Zitat im Text wirkt etwas zu klein, um den Text aufzulockern.
  5. +– Abschluss der Seite: Unten steht die Rubrik „Seitenblick“, die Meldungen enthält. Rechts außen ist eine Corona-Infografik mit 7-Tage-Inzidenz und Höchstwerten. Die Infografik wirkt etwas zu bunt.
  6. – Aufmacher-Bild: Der Artikel steht neben dem Bild. Die Überschrift hätte größer sein können und beispielsweise im Bild stehen können.
  7. +– Aufmacher: Jeder Aufmacher bekommt nun einen Initial-Buchstaben. Darüber steht der Autorenname. Es gibt auch die Möglichkeit, mehrere Namen zu nennen. Agenturtexte als Aufmacher haben eine Quellenangabe am Ende. Normale Artikel haben wie bisher eine Ortsangabe. Das Zitat ohne Bild wirkt etwas prominenter.
  8. +– Lokales Fenster: Das lokale Fenster steht bei dieser Ausgabe als Meldungsgürtel unter dem Aufmacher. Es ist ein Stichwort und eine dreizeilige Überschrift sowie ein Seitenverweis. Diese Version ist deutlich einfacher zu handhaben als früher, zumal Trennungen in den Überschriften erlaubt werden.
  9. + Abschluss der Seite: Hier steht nun ein Meinungs-Element, das grau unterlegt wird. Es ist gut Meinung prominent zu platzieren, zumal sie im Blatt direkt den Artikeln zugeordnet wird.

Erste Lokalseite

  1. – Seitentitel: „Flensburger Nachrichten“ steht unübersehbar über der Seite. Ein sehr guter Start des Lokalteils. Die Schrift wirkt sehr seriös und leicht. Auch der Hinweis aufs Wetter und die WEbsite sidn sehr gut untergebracht.
  2. + Aufmacher: Klares Titelbild, gut formulierte Überschrift, Gliederung im Txt durch ein Zitat. Sauber gelöst.
  3. + Kommentar: Der Kommentar direkt im Artikel bring mehr Leser als ihn auf eine eigene Kommentarseite zu stellen.
  4. + Abschluss der Seite: Die Seite wird durch den Sechsspalter unten gut abgeschlossen. Das dreispaltige Bild ist gut geschnitten und die Hierarchie zum vierspaltigen Aufmacherbild ist gegegen.
  5. – Seitentitel: Gegenüber der alten Version eher eine Verschlchterung. Durch die Verkleinerung des Namens gewinnt man immerhin Platz für einen Hinweis auf einen Artikel im Innern. Der Wetter-Hinweis ist sehr sehr klein geworden.
  6. – Aufmacher: Hier wird eine Stadtratssitzung zu einem historischen Gebäude wiedergegeben. Es kommen sehr viele Personen im Artikel zu Wort, es wird von einem Zeitplan für die Sanierung gesprochen. Die früheren Besitzer werden erwähnt. Skandinavische Zeitungen hätten vermutlich gar nicht erst einen geschlossenen Text geliefert sondern die Pläne in Form einer alternativen Storyform präsentiert: Gebäude im Zentrum, Meinungen von Fachleuten und Stadträten als Zitate mit Bildern, eine Zeitschiene, ein Kommentar usw. usw.
  7. + Layout: Neu sind waagerechte und senkrechte Trennlinien, die die Artikel voneinander abtrennen. Eine sehr effiziente Methode, um für klare Zuordnung oder Abtrennung von Bildern und Texten zu sorgen.
  8. + Kolumne: Sie wird durch einen Rubrikenkopf, eine Zeichnung und Flattersatz gekennzeichnet. Meinung ist immer gut in der Zeitung, denn Nachrichten werden täglich aus vielen unterschiedlichen Quellen und meist kostenlos geliefert.
  9. +– Normaler Artikel: An diesem Artikel ist nichts weiter auffallend, er ist vollkommen unauffällig. Eine Unterzeile wäre sinnvoll, weil man mehr über den Inhalt des Artikels erfahren würde.

Seite 2

Im Vergleich von alter und neuer Ausgabe sieht man nur geringe Unterschiede. Der Leitartikel in der alten Ausgabe wirkt etwas unbedeutend und in die Ecke gestellt.

Seite 3

Die Seite Drei ist monothematisch angelegt. Einzeilige Zwischenzeilen sind etwas zu wenig bei der Textmenge. Größere Zitate, stärkere Auflockerung wäre möglich. Kommt bei der nöchsten Neugestaltung.

Seite Leute

Diese Seite scheint neu zu sein, denn in der alten Ausgabe kam sie nicht vor. Nun werden Promi-Nachrichten geballt auf einer Seite präsentiert. Das sieht auch sehr seriös aus und passt sehr gut zur Gesamt-Anmutung.

Titelseiten

Es ist kein klares Titelseiten-Konzept zu sehen. Querformatige Bilder überwiegen. Das lokale Fenster kann links stehen oder unten auf der Seite quer stehen.

Liste der Ausgaben des sh:z Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag.

Beispiel für Eigenwerbung vor der Einführung des überarbeiteten Layouts.

Dieser Artikel erschien am 7. März 2021 auf www.editorial-design.com. Aktualisierung am 3. Mai 2021. Es wurden Titelseiten hinzugefügt, die zeigen, dass das lokale Fenster links oder unten quer auf der Titelseite stehen kann.

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

05 2021 Tagesschau App

Nachrichten-Apps, Teil 1/4: Tagesschau App

Die Tagesschau App hat ihr Design geändert. Ein guter Anlass, sich diese und andere Nachrichten-Apps einmal näher anzusehen. Laut Statista ist die App im November 2020 auf Rang drei bei den Downloads gewesen. Auf Rang fünf ist die ZDF heute App, auf neun Bild und auf Rang zehn Zeit Online.
Die Tagesschau selbst kam im Jahr 2020 auf den höchsten Wert seit Beginn der Quotenmessung: Pro Tag durchschnittlich 11,78 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer*. Der öffentlich-rechtliche Sender genießt gerade in Krisenzeiten hohes Vertrauen. Es ist daher verständlich, dass die Macher ihre Reichweite und Qualität auch auf das Web ausdehnen.

Bei diesem Layouttipp werden alle Nachrichten-Apps auf dem Smartphone und hochformatig abgebildet. Das Querformat und auch die Bildschirm-Ansicht wurde nicht berücksichtigt, da es ja hier nur um einen Überblick und nicht um eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme geht.

Angaben über die Anzahl der Zuschauer der Tagesschau im Jahr 2020 finden sich bei den Stuttgarter Nachrichten in einer Meldung vom 5.1.2021: „Um sich über die Entwicklungen in der Corona-Pandemie zu informieren, schalteten viele Menschen im vergangenen Jahr vor allem eine Sendung ein. Die ‘Tagesschau‘ erreichte ihre beste Einschaltquote seit Beginn der Messung.“ Weiter heißt es im Text: „Beinahe zwei Millionen Menschen mehr als noch 2019 haben somit die ‘Tagesschau‘ täglich gesehen, ein Zuwachs des Marktanteils von 35,5 auf 39,5 Prozent.“

Startseite

  1. +– Erster Eindruck: Auf der Startseite sind animierte Fotos mit Überschriften. Es waren an dem Testtag 15 Stück, wie man unten rechts sehen kann. Man kann sich alles hoch- oder querformatig anschauen. Dieser Start wirkt sehr fernseh-affin, denn das Bewegtbild und die Anmutung der Tagesschau im Fernsehen werden hier sehr gut aufs Web übertragen. Wenn man aber auf die Meldung zugreift, kommt ein klassicher Nachrichtentext, der mit Bildern angereichert ist.
  2. + Übersichtlichkeit: Man kann unten auf einen Button klicken und kommt zur Meldung, die dann mit einem Bild startet und mit Text weitergeführt wird.
  3. + Navigation: Oben sieht man, dass „Top“ aktiviert ist. Man kann zu „News“ und rechts oben zu einem „TV“-Button wechseln.
  4. +– Bildgröße: Das Bild füllt den gesamten Bildschirm. Es kann Fälle geben, wo man die Navigation aufgrund der Helligkeit im Bild nicht mehr sieht. Es wäre also besser, das Bild nicht in den Navigationsbereich laufen zu lassen.

Normaler Artikel

  1. + Hierarchie: Geht man oben in der Navigationsleiste auf den Bereich „News“ kommt ein hervorgehobener Artikel und danach Artikel mit kleineren Bildern. Klare Hierarchie.
  2. + Navigationsleiste: Man kann oben auf weißem Grund die verschiedenen Ressorts sehen. Sehr übersichtlich.
  3. + Lese-Ablauf: Der eigentliche Artikel beginnt oben immer mit einem Bild, darunter die Überschrift, Datum und Vorspann. Dann folgt der Grundtext linksbündig ohne Trennungen. Der Start mit dem Bild ist sehr gut, denn es entspricht dem normalen Leserverhalten, znächst auf das Bild zu schauen und dann nach unten – zum Text.
  4. +– Bildplatzierung im Artikel: Bilder werden in voller Breite zwischen Absätze gestellt. Beim Beispiel rechts ist es ein Link zu einem anderen Artikel über das Thema. In diesem Fall unterscheidet sich der Text nicht vom normalen Artikel. Der Leser kann in einen anderen Artikel rutschen. Eine graue Linie trennt diesen Bereich vom normalen Artikel. Hier sind noch Verbesserungen möglich.

Regionen 1

  1. +– Regionale Meldungen: Anders als in der Tagesschau gibt es in der Web-Version viele regionale Meldungen. Die Sortierung scheint nach Wichtigkeit zu erfolgen, nicht streng nach Bundesländern oder von Nord nach Süd.
  2. ++ Überschriften: Die Überschriften haben eine individuelle Länge. Sie werden nicht in ein-, zwei- oder dreizeiliges Schema gepresst. Dadurch kann die Redaktion bequem Überschriften mit Inhalt produzieren.
  3. +– Grundschrift: Die serifenlose Schrift Thesis Sans gehört schon lange zum Erscheinungsbild der ARD. Sie wird hier überall konsequent eingesetzt. Als Grundschrift ist sie auch gut lesbar, zumal die Zeilenabstände sehr gut gewählt sind.
  4. – Einstellung der Schriftgröße: Man kann möglicherweise die Größe des Textes selbst ändern, aber es ist nicht klar, wie. Es gibt jedenfalls bessere Lösungen. Wahrscheinlich muss man in die Voreinstlelungen des eigenen Mobile-Phones gehen, um die Größe zu ändern.

Regionen 2

  1. + Leserführung: Auf normalen regionalen Seiten ist die Leserführung sehr gut. Die Überschriften haben die richtige Größe, in den Dachzeilen steht die Stadt oder das Bundesland. Sehr funktional.
  2. – Sortierung: Die Meldungen sind nicht nach Bundesland oder von Nord nach Süd sortiert. Das wirkt zufällig.
  3. – Bilder: Auf diesen regulären Seiten werden die Bidler sehr klein und quadratisch. Man erkennt nicht mehr viel.
  4. + Anmutung: Diese Regional-Seiten wirken sehr übersichtlich. Das wird zum Beispiel dadurch erreicht, dass man unter den Bildern Weißraum lässt.

Investigativ

Es ist gut, dass es ein Investigativ-Ressort gibt. Es handelt sich offenbar um selbst recherchierte Storys. Die Artikel sind nach dem Vorspann mit Autorennamen und Angabe des Senders gekennzeichnet. Man sieht, wie groß das Netz der Tagesschau-App ist, denn es sind Redakteure aus den verschiedenen Sendern der ARD, die hier vorkommen können.

Video

  1. +– Übersichtlichkeit: Geht man auf das Ressort „Video“ kommt unter anderem die Tagesschau in 100 Sekunden und andere Filme, die bei der Tagesschau oder Tagesschau24 gelaufen sind.
  2. – Platzierung der Videos: Man reiht Videos in die Menuleiste zu den anderen Ressorts ein. Eigentlich müssten sie eine stärkere Gewichtung bekommen. Unklar ist auch, warum es ein Ressort „Video“ gibt.

Tagesschau-Sendungen

Wenn man rechts oben in der Menuleiste auf das TV-Icon klickt, kommt man zu einem Livestream der Tagesschau und zu älteren Tagesschau- und Tagesthemen-Sendungen.

Resümee

Die Tagesschau selbst ist im Höhenflug, denn in Zeiten der Corona-Epidemie suchen Nutzerinnen und Nutzer zuverlässige und seriöse Informationen. Die Tagesschau-App trägt den guten Ruf aus dem Fernsehen ins Internet. Das gelingt sehr gut. Es ist aber eigentlich eine ARD-Nachrichten-App oder ARD-News-App, denn sie hat ja nicht nur die Nachrichten von Tagesschau und Tagesthemen sondern beispielsweise auch investigative Storys von Regionalsendern der ARD. Das regionale Angebot entspricht ebenfalls nicht dem Etikett „Tagesschau“, da die Tagesschau keine regionalen Varianten hat. Der ARD Newskanal Tagesschau24 bietet obendrein noch endlos viel Material, das man ebenfalls teilweise in der App platzieren kann.
Gestalterisch bewegt sich die App auf ähnlichem Niveau wie Der Spiegel oder die Angebote von Regionalzeitungen. Der Start mit den Top-News ist durch Bewegtbild geprägt, im weiteren Verlauf der App wird aber kein besonderer Schwerpunkt auf Filme gelegt. Es gibt auch viele Textelemente, wobei die Texte nicht die Länge haben wie Der Spiegel, Süddeutsche oder FAZ.
Farben und Typografie sind unverwechselbar und medienkonvergent, denn im Fernsehen, im Web und auf dem Smartphone wird ein durchgehendes Design erzielt.
Insgesamt könnte man die Herkunft der App vom Fernsehen mehr in den Vordergrund rücken und mehr Nachrichten in Form von Bewegtbild anbieten.

Dieser Artikel erschien am 5. Februar 2021 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper

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nkuepper@layouttipp.de

06 2021 ZDF heute App

Nachrichten-Apps, Teil 2/4: heute App

Die ZDF heute App wirkt sehr geradlinig, funktional. Unnütze Spielereien sind nicht zu finden. Die Farbe Blau erscheint direkt auf der ersten Seite dominant, begleitet von einem Orange, das für verschiedene kleine Elemente benutzt wird. Die App beginnt direkt mit zwei Nachrichten-Fotos und Überschriften. Oben in der Menuleiste kann man aus verschiedenen Ressorts auswählen oder auf der Startseite einfach nach unten scrollen und alle Ressorts mit Anrissen sehen.

Bei diesem Layouttipp werden alle Nachrichten-Apps auf dem Smartphone und hochformatig abgebildet. Das Querformat und auch die Bildschirm-Ansicht wurde nicht berücksichtigt, da es ja hier nur um einen Überblick und nicht um eine wissenschaftliche Arbeit handelt.

Startseite

  1. +– Erster Eindruck: Funktional, schnörkellos. Allerdings sind auch nur zwei Themen vorhanden. Wer mehr sehen will, muss scrollen. Diese Startseite hat den Vorteil, dass bei den Leserinnen und Lesern nicht der Eindruck von großer Hektik aufkommt. Hier wird seriös und ausführlich informiert – so ist der unbewusste Eindruck, den diese Startsetie hinterlässt.
  2. + Navigation: Oben sieht man die Namen der Ressorts, unten sind verschiedene kleine Icons, die auf blauem Grund stehen. Die Icons sind gestalterisch gut aufeinander abgestimmt und sie werden durch Text darunter zusätzlich erläutert.
  3. – Überschriften-Apparat: Er ist straff, denn von der Dachzeile geht es zur Überschrift, Datum und Vorspann. Nicht überzeugend ist die Dachzeile, die bei diesem Beispiel eine nach oben gehobene Unterzeile ist. Wenn die Dachzeile nur ein Stichwort enthalten würde, wäre es schon besser.
  4. +– Grundtext: Die Grundschrift ist serifenlos und daher eher für kürzere Texte geeignet. Die Buchstaben stehen etwas zu eng beieinander. Der Zeilenabstand ist gut. Nicht gut: Man kann die Schriftgröße offenbar nur verändern, wenn man in die Voreinstellungen des eigenen Smartphones geht.
  5. – Zwischenzeile: Sie könnte kleiner sein.

Normaler Artikel

  1. + Hierarchie: Scrollt man auf der Startseite nach unten, ist der wichtigere Artikel in unserem Beispiel breiter und hat das Kennzeichen „Exklusiv“. Die normalen Artikel haben ein quadratisches Bild und rechts daneben die Überschrift.
  2. +– Überschriften-Apparat: Dachzeile, Überschrift, Autorenzeile mit Datum, Vorspann, Text. Hier wird schon die Menge an Elementen ausgereizt.
  3. – Autoren-Angabe: Das runde Autorenbild ist etwas zu klein. Autorenbild, Name und Datum passen nicht in eine Zeile. Darum verschwindet der Nachname des Autors. Besser: Datum in eine eigene Zeile.
  4. +– Zitat: Das Zitat im Text ist sehr lang und sehr groß. Weißraum darüber und darunter sind gut.

Exklusiv

  1. + Exklusive Inhalte: Ein Interview mit Barack Obama wird auch prominent platziert. Der Text ist in englischer Sprache wiedergegeben. Man auch direkt auf den Film klicken und das Interview ansehen. Es gibt auch eine deutsche Übersetzung des Interviews als Text und den Film mit deutschen Untertiteln. Es sind zwei getrennte Fassungen.
  2. + Trennung Frage/Antwort: Die Fragen und Antworten sind in der gleichen Schrift. die Unterscheidung erfolgt, indem jeweils der Nachname der Person genannt wird. Diese Lösung ist besser als kursiv oder halbfett, weil es ruhiger wirkt und die Fragen teilweise sehr lang sind.

Headlines Meldungen

  1. + Navigation: Die normalen Meldungen stehen gleichwertig untereinander. Die Ressorts werden durch normal Schrift gekennzeichneten. Hier wäre auch bold oder eine hellblaue Rubrizierung möglich gewesen.
    – Dachzeilen: Mal ein Stichwort, mal ein längerer Text. Insgesamt zu uneinheitlich. Besser: Unterzeile benutzen.
    – Überschriften: Es ist ein merkwürdiges Phänomen, dass Dachzeilen und Überschriften einfach mitten im Wort enden. Es muss ein Problem bei der Abstimmung auf unterschiedlich breite Smartphones sein.
    – Bilder: Sie sind sehr klein und quadratisch. Beim Fernsehen würde man eher Querformate erwarten.

Stories

  1. Als Stories werden in der ZDF heute App Hintergrund-Stücke bezeichnet, die als Multimedia-Stories oder animierte Grafiken angelegt sind. Es geht also nicht um besonders ausführliche Texte. Die Stories sind aufwändig gemacht und bleiben auch im Vergleich zu Meldungen eine längere Zeit sichtbar.
    + Navigation: Die Startbilder sind hochformatig angelegt und stehen übersichtlich neben- und übereinander.
    – Überschriften: Die Überschriften enden oft mit drei Punkten. Keine überzeugende Lösung.
    + Farbe: Das Hellblau wirkt seriös und erinnert irgendwie an Öffentlich-rechtliches Fernsehen.

Beispiel Story 1

  1. + Animation: Es ist eine Drei-D-Animation des Oval Office, in dem man sich in alle Richtungen bewegen kann.
    + Navigation: Durch orangefarbene Buttons kann man weitere Informationen mit Bild und Text aufrufen.
    + Leserführung: Unten auf der Seite kann man sehen, an welchem Punkt der Story man sich befindet. Man kann selbst entscheiden, wie schnell man durchgeht und man kann auch zurück gehen.

Beispiel Story 2

Hier sind weitere Beispiele des Oval Office zu sehen.

Resümee

ZDF heute gilt neben der Tagesschau als seriöses Nachrichten-Medium. Dieser gute Ruf wird auf die ZDF heute App übertragen. Die App wirkt ruhiger, übersichtlicher als die App der Tagesschau. Regional-Meldungen sind nur vorhanden, wenn ein Thema nach Auffassung der Redaktion überregionale Bedeutung gewinnt. Man konzentriert sich auf wenige Ressorts: Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Digitales, Wetter. Dadurch ist die App insgesamt schlank und übersichtlich. Die Multimedia-Stories setzen schöne Highlights und exklusive Stories werden auch prominent platziert.

Verbesserungsbedarf ist bei den Überschriften, denn es ist ein Fehler, dass die teilweise verschwinden aufgrund der Bildschrimbreite eines normalen Smartphones.

Dieser Artikel erschien am 5. Februar 2021 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper

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nkuepper@layouttipp.de

07 2021 BBC News App

Nachrichten-Apps, Teil 3/4: BBC News App

Die BBC News App startet ohne Überichtsseite direkt mit einer Story. Darunter steht direkt eine Anzeige. Anzeigen sind nur bei Nutzern außerhalb Großbritanniens sichtbar. Die BBC schreibt dazu: „Wir haben eine ungewöhnliche Anforderung, wenn es um die Entwicklung von BBC-Websites geht: Sie tragen international Werbung (so dass britische Lizenzgebührenzahler nicht die internationalen Kosten tragen), aber nicht in Großbritannien, und wir müssen für beide Situationen gleichzeitig bauen und entwerfen.“
Die BBC News App ist auf den Startseiten bild-betont. Entweder gehen Bilder über die ganze Breite des Smartphones oder sie sind querformatig und links stehend. Die Rubrikzierung in Ressorts ist gut erkennbar. Das liegt auch an einer leichten grauen Unterlegung, die die Website deutlich gliedert.
Die Typografie ist unauffällig: Es wird eine serifenlose Schrift benutzt. Die Grundschrift kann nur in den Grundeinstellungen des Mobile-Phones geändert werden. Bildunterschriften sind sehr klein. Besonderheit: Artikel sind oft mit Gliederungspunkten versehen.
Am Ende eines Artikels stehen oft Kommentare, die dem Leser helfen, das Thema einzuordnen. Die Kommentare sind mit runden Bildern und Autorennamen versehen und werden als „Analyse“ gekennzeichnet.
Insgesamt ist die App auf Funktionalität und intuitive Navigation ausgelegt. Sie ist außerdem gestalterisch so allgemein, dass sie weltweit ohne Probleme akzeptiert wird.

Start + Story

  1. Aufmacher: Die BBC News App beginnt mit der Rubrik Top Stories, die oben mit einer einzigen Story beginnt.
  2. + Navigation oben: Es gibt oben und unten Navigations-Elemente. Oben mittig steht die Ressort-Angabe, rechts ist ein Lautsprecher-Icon. Damit kommt man zum BBC World Service, einem Radiosender, der in 27 Sprachen weltweit zur Verfügung steht. Unter dem Menu links oben stehen nur drei Punkte: Voreinstellungen, Impressum und Hiwneise auf andere BBC Apps.
  3. + Navigation unten: Neben den Top Stories gibt es noch den Bereich „Popular“. Dort werden die News nach Nutzerzahlen sortiert. Der Bereich Video führt zu Nachrichten-Videos.
  4. +– Anzeige: Wie schon erwähnt, kommen Anzeigen nur außerhalb Großbritanniens vor. Gebührenzahler sollen nicht für die Kosten der internationalen Reichweite der BBC aufkommen.
  5. + Überschriften-Apparat: Der Aufmacher startet ganz oben mit einem Bild. Danach folgt Überschrift, Vorspann und Text. Sehr gut: Es gibt keine Dachzeile.

Story

  1. – Navigation: Innerhalb einer Story fällt die Navigationsleiste unten weg. Dadurch gewinnt man Platz für Inhalte, verliert aber auch an Übersichtlichtkeit.
  2. + Grundtext: Die serifenlose Schrift ist unauffällig. Sie hat keine Elemente, die den Lesefluss stören könnten.
  3. +– Bild im Textfluss: Sofern das Bild querformatig ist, kann man es auch in den Text stellen. Bei der BBC App steht er zwischen Absätzen.
  4. – Bildtext: Der Bildtext ist extrem klein und grau.
  5. + Analyse: Am Ende vieler Artikel stehen Kommentare, die dem Leser helfen, das Thema einzuordnen.
  6. – Autorenbild: Das Bild ist ansich gut, aber das Bild im Kreis ist ein zu oft verwendetes Gestaltungselement. Es ist kein unverwechselbares Element mehr.

Top Stories

Scrollt man die Startseite weiter nach unten, kommt man zu vielen kleinen Stories, bei denen links querformatige Bilder stehen und rechts Überschrift mit Angaben der Herkunftsregion der Meldung

    1. + Videos of the day: Sie sind auf der Startseite durch eine schwarze Fläche gekennzeichnet. Man sieht, dass acht Videos zur Verfügung stehen.
    2. +– Navigation: Oben sieht man in einer Linie, welches der acht Videos man gerade sieht. Es ist ein Dekor-Element, das keine große Funktionsliät hat.
    3. + Überschrift: Man kommt mit einer zweizeiligen Überschrift aus, keine Dachzeile, keine Unterzeile. Man ist also gezwungen, klar zu formulieren.

Popular

Unter dem Ressort „Popular“ werden Meldungen nach meist gelesen und meist geschaut gegliedert. Interessant, dass man mit meist gelesen beginnt. Videos werden schwarz unterlegt. Das erschwert die Lesbarkeit der Überschriften. Wenn man ein Video abspielt, steht es oben querformatig.

Features & Analyses

Das Beispiel zeigt in einer animierten Infografik, wie der Corona-Impfstoff entwickelt wird. Dabei wird der Leser oben mit kleinen Icons geführt. Unten werden erklärende Texte eingeblendet. Die Illustrationen in dem Beispiel sind etwas zu klein für das Smartphone.

Resümee

Die BBC News App ist einfach, schnörkellos. Es gibt nur sehr wenige Navigations-Elemente. Es wird eine Vielfalt an Themen gebracht, denn nach einer Top-Meldung folgen viele kleine Meldungen, die alle gleich gewichtet sind. Dadurch wird Aktualität signalisiert. Wer diese App nutzt, weiß Bescheid über alle Themen des Tages, so der Eindruck. Die schwarze Unterlegung von Videos ist nicht zu empfehlen, weil schwarz negativ wirkt. Das sieht man vor allem in dem Ressort „Populär“, wo Videos in einem schwarzen Block gesammelt werden. Dass man zur Festlegung der Grundschrift-Größe in die Voreinstellungen des Smart-Phones gehen muss, ist bei vielen Apps üblich. Man könnte es besser lösen, indem man ein entsprechendes Feature in die App einbaut.

Dieser Artikel erschien am 5. Februar 2021 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper

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08 2021 SRF News App

Nachrichten-Apps, Teil 4/4: SRF News App

Über die News-App des Schweizer Radio und Fernsehens – SRF – gibt es diese Hintergrund-Informationen: Derzeit nutzen ungefähr 25 Prozent der Deutschschweizer diese App. Die NZZ berichtet aus einer internen Mitarbeiter-Information*, dass geplant ist, den Anteil auf 50 Prozent zu erhöhen. Auf www.kleinreport.ch wird eine SRF-Sprecherin wie folgt zitiert: „25 Prozent der bestehenden Nutzenden wollen die Angebote von SRF News künftig stärker nutzen und fast die Hälfte von ihnen das Angebot von SRF News vor allem für vertiefende Informationen verwenden.“**
Diese Informationen stammen vom Herbst 2020 und jetzt, im Februrar 2021, scheint es noch keine wesentlichen Neuerungen der SRF-App zu geben.
Die App wirkt übersichtlich und sie hat ein ruhiges Layout. Wenn man die Startseite nach unten scrollt, sieht man, dass der Beginn eines neues Ressorts nicht nur mit einem Rubrikenkopf markiert wird, sondern auch durch eine Nachricht, die über die volle Breite des Bildschirms geführt wird. Ein gutes Detail ist, dass man die Schriftgröße innerhalb der App selbst einstellen kann. Bei anderen Apps muss man dazu in die Voreinstellungen des Mobilephones gehen.

*) Zur Story der NZZ geht es HIER.

**) Zur Story des Kleinreport HIER.

Start + Story

  1. + Navigation oben: Es gibt oben und unten Navigations-Elemente. Oben links ist unter dem SRF-Logo die Startseite. Daneben sind die Ressorts aufgelistet: Coronavirus, Abstimmungen, Schweiz, International, Wirtschaft, Sport, Kultur, Panorama, Analysen. Das Ressort Schweiz ist nicht in Kantone aufgeteilt. Man bleibt somit inhaltlich bei wichtigen schweizweiten Nachrichten.
  2. + Navigation unten: Der Home-Button führt immer zurück zur Startseite. Daneben gibt es nur noch Lesezeichen, Suchen und Mehr. Unter Mehr kann man das Wetter finden, das TV-Programm und Einstellungen.
  3. +– News-Ticker: In diesem Element scrollen aktuelle Nachrichten automatisch von oben nach unten. Sie sind nach Uhrzeit sortiert. Man signalisiert damit Aktualität, der Nutzer kann aber nicht selbst scrollen.
  4. + Aufmacher: Er ist durch die Größe des Fotos gut gekennzeichnet. Durch die Überschrift und die Textzeilen bekommt man eine gute Information über den Inhalt. Es ist genug Platz vorhanden, um den Inhalt zu benennen.
  5. + Überschriften-Apparat: Der Aufmacher startet ganz oben mit einem Video und Überschrift. Danach folgt Dachzeile, Überschrift, Vorspann, Autorenzeile, Datumsangabe und Text. Es wirkt insgesamt übersichtlich, weil die Schriftgrößen und Farben gut aufeinander abgestimmt sind. Die Überschrift ist zum Beispiel schwarz, die Dachzeile rot, Vorspann und Text dunkelgrau. Eine wirkungsvolle Abstufung.

Story

  1. – Vorspann: Der Vorspann ist nur wenig größer als der Grundtext. Hier wäre eine Hervorhebung in bold sinnvoll.
  2. + Autorenzeilen, Datum: Die Autoren in kleiner Schrift und bold zu stellen, ist eine gute Abwechslung. Datum und Uhrzeit sind auch sichtbar, aber nicht störend untergebracht.
  3. + Grundtext: Die serifenlose Schrift ist gut. Der Zeilenabstand ist gut auf die Schriftgröße abgestimmt, circa eine halbe Leerzeile zwischen Absätzen gliedern Artikel gut.
  4. – Videos im Textfluss: Es sind kleine Videos eingestreut. Darunter stehen Zitate. Es ist keine gute Idee, denn in unserem Beispiel sind sie 21 und 49 Sekunden lang. Man bekommt nur ein winziges Stück authentischer Arbeit im Altenheim zu sehen.
  5. + Zwischenzeile: Gut, dass sie mehrzeilig ist, denn man kann dann genügend Information unterbringen.

Meldungen

Bleibt man auf der Startseite, die unter dem SRF-Logo steht, reihen sich die Meldungen aneinander. Hervorhebungen erfolgen bei neuen Ressort-Starts durch Bilder, die über die volle Breite des Smartphone-Bildschirms gehen.

    1.  Gliederung: Die Seite ist insgesamt hellgrau unterlegt. An den Seiten und zwischen jedem Artikel ist eine hellgraue Fläche sichtbar. die Meldungen selbst stehen auf weißen Flächen. Ergebnis ist eine sehr gute Gliederung der Fläche.
    2. +– Überschriften-Apparat: Dachzeile, Überschrift, drei Zeilen Text nur beim Aufmacher. Die Dachzeilen werden formuliert wie Unterzeilen. Durch das Rot bringen sie etwas Abwechslung auf die Seite.
    3. + Überschriften-Formulierungen: Die Überschriften können zwei- oder dreizeilig sein. Damit ist immer genug Platz vorhanden, um den Inhalt gut transportieren zu können. Man findet auf der SRF-App keine rätselhaften oder inhaltsleeren Überschriften.
    4. – Bilder: Bilder bei normalen Meldungen sind quadratisch und sie stehen rechts. Sie könnten etwas größer sein und dem Fernsehen angemessen querformatig. Mir ist übrigens keine Forschung bekannt, die zeigen würde, ob Bilder links oder rechts besser sind.

Videos – Abstimmungen – Sport

Videos sind in die Startseite eingebettet, sie sind kein eigenes Ressort. Abstimmungen und Sport dagegen sind Ressorts. Wir zeigen hier, wie der Start jeweils aussieht.

  1. + Videos: Sie starten automatisch. Wenn man darauf klickt, kommt man zum Video und der Ton startet. Gut, dass die Laufzeit vorher angegeben wird. Man kann die Videos auch ohne Ton anschauen, weil sie untertitelt sind.
  2. + Abstimmungen: Da die Schweiz eine direkte Demokratie ist, gibt es oft Abstimmungen. Die werden in diesem Ressort vorgestellt.
  3. + Sport: Der Ressortstart mit einem größeren Bild ist gut. In unserem Beispiel kann man sich außerdem noch ein Video anschauen.

Einstellung Schriftgrad

Dass man die Schriftgröße innerhalb der App selbst verändern kann, ist ein guter Service. Der Kölner Stadt-Anzeiger und The Guardian verfügen über eine ähnliche Funktion.

SRF – Corona nach Kantonen

Die App hat auf der Startseite des Corona-Ressorts eine Liste aller Kantone. Hier kann man sich einen Überblick über seine eigene Region verschaffen. Am Start des Ressorts steht ein dreiminütiger Film, der die Situation in einer Schule beleuchtet. Die wichtigsten Informationen zum Virus werden rot unterlegt. Guter Service.

Resümee

Die SRF News App fällt positiv auf, weil die Startseite mit den normalen Meldungen sehr übersichtlich gestaltet ist. Die Überschriften sind gut und verständlich formuliert. Von Clickbaiting ist hier nichts zu bemerken. Die Navigation ist sehr einfach durch Ressortangaben oben auf der Seite gelöst. Dass die Schriftgröße direkt in der App eingestellt werden kann, ist ebenfalls sehr gut.
Nicht überzeugend sind die Dachzeilen, aber natürlich ist die SRF nicht die einzige News-Website mit Dachzeilen. Kleine Filme innerhalb von Artikeln sind auch nicht so zielführend, denn sie sind oft nur 20 bis 60 Sekunden lang. Dann lieber eine vollständige Nachricht verlinken, die z.B. 3 Minuten oder länger ist. Videos sind nur auf der Startseite zu sehen, sie kommen ansonsten in allen Ressorts vor. Sie bilden aber kein eigenes Ressort. Auf einer News-Website eines Redaio- und Fernsehsenders hätte man mehr Bewegtbild erwartet.
Man darf gepannt sein, wie die SRF News-App weiterentwickelt wird. Eine Verdoppelung der Nutzerzahlen müsste mit deutlichen Änderungen einher gehen. Mehr Leben auf der Startseite, schnellerer Wechsel der Nachrichten-Themen pro Tag, eventuell mehr Boulevard-Themen wären zu erwarten.

Dieser Artikel erschien am 5. Februar 2021 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper

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01 2021 Playboy

Männer-Magazine, Teil 1/4: Playboy – Die Legende lebt

Der Playboy ist ein legendäres Magazin. Die erste Ausgabe erschien 1953 in den USA. Im Jahr 1975 hatte die Zeitschrift dort eine Auflage von 5,6 Millionen Exemplaren. Seit den siebziger Jahren erschienen Lizenzausgaben in mehr als 30 Ländern. Im Jahr 2017 erschien die Zeitschrift in den USA zweimonatlich, 2019 vierteljährlich und im Jahr 2020 noch ein Mal. Der Druck wurde eingestellt wegen der Corona-Krise.

Der Playboy erscheint in Deutschland im Verlag Kouneli Media. Das Heft erscheint 12 Mal jährlich. Es ist ein guter Trick, prominente Frauen oder Freundinnen von Prominenten abzulichten. Im Jahr 2020 waren es unter anderem: Die Freundin von Michael Wendler, ein Reality-TV-Star, die Siegerin bei GNTM (Germanys Next Top Model), eine Schauspielerin der Serie GZSZ (Gute Zeiten, schlechte Zeiten), eine Schauspielerin aus einer Krankenhaus-Serie und die Schauspielerin Ina Paule Klink, bekannt aus der Krimi-Serie Wilsberg.

Laut statista.com lag die verkaufte Auflage im 3. Quartal 2020 bei ca. 100.000 Exemplaren.

Gestalterisch ist die Print-Ausgabe eher konservativ. Es wird viel Kursiv eingesetzt und es werden eine ganze Menge Schriften benutzt, um ein lebendiges Layout zu erzielen. Die Zeitschrift ist aber insgesamt nicht überholt, sondern sie wirkt zeitgemäß.

Neben dem Thema Erotik, das auf der Website www.playboy.de eine noch größere Rolle als in Print spielt, gibt es noch Themen wie Reisen, Motor, Kochen, Uhren und natürlich die berühmten Interviews mit Prominenten.

Das Segment der Männer-Zeitschriften ist im Vergleich zu Frauen-Zeitschriften eher klein. Bleibt zu hoffen, dass es den Machern des Playboy gelingt, weiterhin einen gelungen Themenmix in Print und Online zu präsentieren.

Mehr zum Thema:
Nachruf auf Hugh Hefner in der New York Times vom 28. September 2017. Dort wird auch das erste Cover abgebildet. LINK.

Süddeutsche.de berichtet, dass Schauspielerin Claudette Deckert mit Tochter im Playboy posiert. LINK.

Titelseite

Bei Heft 12/2020 gab es zwei unterschiedliche Cover: Links die normale Version, rechts eine mit einem großen Adventskalender. Möglich, dass diese Version edler erscheinen sollte. Das könnte das schwarzweiße Titelmotiv erklären.

  1.  + Logo: Das Logo in der serifenbetonten Schrift erschien erstmals 1953. Allerdings war die Schrift damals condensed und ging nicht über die volle Breite des Covers. Insgesamt eine gute, klare Lösung, die den Playboy von anderen Zeitschriftentiteln klar abhebt.
  2. + Aufmacherbild: Natürlich ist Nacktheit ein starker Blickfang. Allerdings liegt der Playboy am Bahnhofskiosk im Segment der Männerzeitschriften. Die werden eher oben im Regal präsentiert. Man muss das Heft aktiv suchen. Aber auch dabei hilft natürlich ein klarer, einfacher Schriftzug.
  3. + – Aufmacher-Überschrift: Sehr gut ist, dass durch die Position der Überschrift klar wird, dass Bild und Text hier zusammengehören. Es gibt enorm viele Cover, bei denen dieser Zusammenhang nicht klar ist oder wo es zum Coverbild überhaupt keinen passenden Text gibt. Nicht überzeugend ist die Anzahl der Schriften in dieser einen Überschrift. Hier wird nahezu in jeder Zeile eine andere Schrift benutzt: serifenlos normal, serifenlos bold, mit Serifen, kursiv, Versalien gesperrt und nicht gesperrt. Etwas übertrieben.
  4. +– Hierarchie der Themen: Die Hierarchie der Überschriften auf der Seite ist gut. Aber auch hier zu viele Schriften.
  5. + Service: Preis, Ausgaben-Nummer und Barcode werden oft auf der Titelseite verstreut. Hier sind sie gesammelt. Gute Lösung.

Editorial

Irgendwie muss eine Zeitschrift starten. Man soll ja nicht irgendwie ins Heft hineinstolpern. Eine bewährte Methode ist der Ablauf über Editorial und Inhaltsverzeichnis. So arbeitet auch der Playboy.

  1. + Anzeige: Die Schwarzweiß-Anzeige bildet einen guten Blickfang. Die Google-Suche ergibt: Thomas Sabo ist ein Schmuckhändler. Darum ist der Schmuk von David Garrett so gut sichtbar. Allerdings ist der Bart und die Frisur noch besser zu sehen.
  2. + Überschrift: Sehr gut, dass hier das Thema des Editorials genannt wird, denn viele starten einfach ohne Überschrift oder nur mit „Liebe Leserinnen und Leser …“ Damit fängt man ja keine Leser, weil das Interesse nicht geweckt wird.
  3.  – Autorenbild: Im Prinzip natürlich gut, dass man ein Autorenbild hat, aber die Körpersprache mit den verschränkten Armen wurde noch nie empfohlen. Besser: Eine Portraitaufnahme, eventuell mit starkem Bildschnitt.
  4.  – Text: Kursive Schrift eher für Hervorhebungen, nicht für Fließtext. Die Kursive ist nicht gut lesbar. Man sollte auch Absätze machen und die sollte man auch sehen können. Eventuell mit Leerzeile dazwischen. Eher weniger Text im Editorial, lockerer gestalten.
  5. + Unterschrift: Eine persönliche Note kann nicht schaden Die Unterschrift ist gut.
  6. Themenhinweis: Da ist links neben dem Editorial noch eine Lücke. Da setzen wir noch einen tollen Themenhinweis hin. Keine gute Idee, zumal der Bildtext deutlich kleiner ist als der Grundtext. Der Text ist auch noch mittelachsig, somit noch mal schwerer zu lesen. Besser: Bildtext nicht kleiner als Grundtext und linksbündig setzen, damit der Leser den Beginn der nächsten Zeile findet.

Interview

„Ich kaufe den Playboy nur wegen der tollen Interviews“ war eine Standardfloskel weltweit. Die New York Times lobt den Playboy aber tatsächlich wegen der Interviews: „Among the more memorable ones included a 1962 interview with Miles Davis by Alex Haley; one with Vladimir Nabokov in 1964; one with John Lennon and Yoko Ono in 1980, shortly before his death; and a 1976 chat with Jimmy Carter, then a presidential candidate, in which he said “I’ve looked on a lot of women with lust.”
Das hier abgebildete Interview mit Oliver Stone ist gut gestaltet, denn es sind exakt 20 Fragen und jede Frage wird mit einer Zahl im Kreis gestartet. Die Fragen sind bold, damit Fragen und Antworten sich unterscheiden und der Text gegliedert aussieht. Sowohl Fragen als auch Antworten sind angenehm kurz. Keine Endlos-Riemen. Das hochformatige Bild bringt Dynamik auf die Seite.

Männerküche

Die Welt teilt sich in Männer, die Steaks braten und Frauen, die Salat essen. Dem Klischee folgt der Playboy mit dieser Doppelseite, die von einem Steak dominiert wird.

Der Überschriften-Apparat ist etwas wirr: Überschrift in rot und schwarz, Unterzeile in kursiv, durchsetzt mit Worten in Versalien. Interessant ist die prominente Kennzeichnung von Autor und Fotograf in einem schwarzen Block und das stetige Wachstum der Initial-Buchstaben. Das A ist ca. 14 Zeilen hoch. Da weiß man, wo der Textanfang ist.

Männerbar

Es ist logisch, dass nach dem Steak die Bar folgt. Es geht um einen American-Whiskey-Guide. Gelungenes Foto in klassischer Whiskey-Farbe. Bei näherer Betrachtung sieht man, dass jeder Flasche und jedem Glas ein Text zugeordnet ist. Das weist auf eine gute Zusammenarbeit von Fotograf und Layout hin. Bildtexte: Mittelachsige Texte in kleiner Schrift und negativ: Genug ist genug. Wir nähern uns der Grenze zum Unlesbaren.

Dieser Artikel erschien am 18. Januar 2021 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper

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02 2021 How to be a Man

Männer-Magazine, Teil 2/4: Playboy – Sonderausgabe „How to be a Man“

Wie viele andere Zeitschriften macht man auch beim Playboy Sonderausgaben. Dazu gehört „How to be a Man“. Das Heft erscheint einmal jährlich. Die Zeitschrift ist nicht 27,5 sondern 26,5 cm hoch. Statt glänzendem wird mattes Papier benutzt. Beim Layout gibt es auch einige Elemente, die im Hauptblatt nicht vorkommen.

Die Zeitschrift hat vier Ressorts: Können, Machen, Haben und Wissen. Zum Können gehört beispielsweise Wein mit Verstand zu genießen oder tolle Geschichten zu erzählen. Zum Machen: Einfach abnehmen, gute Drinks mixen. Zu Haben: Perfekte Outdoor-Outfits, Männerschuh-Trends und zeitgemäße Uhren. Zum Wissen: Wie man ein Gourmet wird.

„How to be a Man“ schafft es ganz gut, die Welt der Männlichkeit anzudeuten und Lebenshilfe auf verschiedenen Gebieten zu bieten. Dadurch, dass es ein Nischentitel mit wenig Konkurrenz ist, könnte er sich gut verkaufen.

Mehr zum Thema:
Neon kritisiert bereits im Jahr 2018 das Magazin. Unter anderem weil es zu oft um das Thema Uhren geht. LINK.

Süddeutsche.de kritisiert ähnlich wie Neon, aber kürzer. LINK.

Titelseite

Das Heft ist mit 10/2020 gekennzeichnet. Da es lange am Kiosk liegt, werden bereits Hinweise für 2021 gegeben. Der schwarze Hintergrund signalisiert Seriosität und Eleganz. Jürgen Klopp auf dem Cover unsterstreicht diesen Ansatz.

  1.  + Logo: Der Schriftzug „Man“ in der serifenbetonten Schrift passt zum Thema. Versalien wären auch möglich gewesen, da es ja nur drei Buchstaben sind. Den Kopf von Jürgen Klopp davor zu setzen, ist nicht so zielführend, weil man damit ja wesentliche Elemente abdeckt.
  2. +– Coverfoto: Man hat Jürgen Klopp schon in vielen Situationen gesehen. Meist trägt er irgendwelche Sportklamotten. Hier plötzlich im Anzug und mit Fliege. Ein gelungener Coup. Man hätte sein Gesicht noch größer machen können, indem man zum Beispiel die Beine unten bis zum Knie wegnimmt.
  3. – Überschrift: Sie ist dem Coverbild noch zugeordnet, aber der kursive Untertitel weiß auf schwarz ist schlecht lesbar.
  4. + Anreißer unten: „22 Dinge, die ein Mann heute über Wein wissen sollte“ ist gut gestaltet. Listicles sind im Online-Bereich weit verbreitet. Gut, dass sie jetzt mal in einer Zeitschrift verstärkt eingesetzt werden. Sie gliedern nämlich Inhalte sehr gut und helfen beim Verständnis.
  5.  Hinweis auf 2021: Die Kreisform hebt diesen Hinweis ab von den anderen auf der Seite. Wenn das Heft im Oktober in den Handel kommt, wirkt das Heft auch Ende Januar noch nicht überholt. Dass sich 2021 Stil- und spielregeln ändern, ist natürlich eher unwahrscheinlich.

Coverstory

Natürlich ist die Coverstory nicht am Anfang des Heftes, denn man will ja nicht sofort sein Pulver verschießen und die beste Story an den Anfang stellen. Der Start der Coverstory auf Seite 42 ist gut, denn das Heft hat 130 Seiten.

  1. +– Initialbuchstabe: Profis sehen es sofort: Hier wird ein Initialbuchstabe aus einem Kleinbuchstaben erzeugt. Das w ist so breit, dass man es nach links aus der Seite hinausgeschoben hat. Da der Buchstabe so gigantisch ist, hat man zur Vorsicht das erste Wort des Textes mit W gesetzt: „Wahrscheinlich“ lautet es. Der Beginn „ahrscheinlich“ wäre irriteriend gewesen. Diese Vorgehensweise ist auch bei anderen Zeitschriften üblich Man sieht: Der Initialbuchstabe ist ein großes Dekorelement. Er hat eigentlich keine weitere Funktion.
  2. +– Überschriften-Apparat: Überschrift, Autorenzeile, Unterzeile. Der Ablauf ist logisch und auch nicht überladen. Kursiv in der Menge wirkt klassisch, edel und bleibt schlecht lesbar. Namen im Vorspann in Großbuchstaben – nicht zu empfehlen.
  3. – Grundschrift: etwas zu klein. Die Spaltenbreite ist bei dieser Seite gut. Nicht zu schmal, nicht zu breit.
  4. + Aufmacherbild: Jürgen Klopp frontal mit viel Pullover. Ist okay. Das dunkle Blau und der dunkelrote Hintergrund passen sich gut ein ins Seitenlayout.
  5.  Bildtext: Im Gegensatz zum Hauptblatt ist der Bildtext hier linksbündig. Gut. Nicht gut: er ist kursiv, negativ und kleiner als der Grundtext. Außerdem fehlt der Zeilenabstand. Es gibt somit vier Gründe den Text nicht zu lesen. Dann kann man ihn auch weglassen. Richtig wäre: Linksbündig, geradestehende Schrift, Größe wie Grundtext und schwarz auf weiß. Ja, schwarze Schrift auf weißem Grund. Statt des schwarzen Hintergrunds macht man einen weißen. Wahnsinn, was alles möglich wäre.

Coverstory Fortsetzung

Diese Seite startet mit einem Initialbuchstaben, der offenbar zu einer Zwischenzeile gehört. Das Zitat wäre besser mittig im Artikel platziert worden. Der senkrechte Bildblock ist gut, allerdings sollte man jedem Bild einen eigenen Bildtext gönnen. Ein Layoutelement dieser Zeitschrift sind senkrechte pastellfarbige Streifen, wie auf der rechten Seite zu sehen. Sie sind etwas zu verspielt und unnötig.

Ressortstart

Die Zeitschrift hat vier Ressorts: Können, Machen, Haben und Wissen. Gut, dass man im Blatt vier Unterbrecher eingebaut hat, weil sie dem Leser einen Neustart geben und die Aufmerksamkeit neu wecken. Die Schriftwahl entspricht dem Cover. Gut gelöst.

Machen: Entspannt abnehmen

Gewichtsreduktion ist immer ein Thema. Darum kann man hier sicher bei den Lesern punkten. Die Strümpfe mit den Donuts sind etwas übertrieben. Aber die Visualisierung ist nicht völlig falsch denn man hätte ja auch unästhetische übergewichtige Männer abbilden können. Das Türkis der Strümpfe wird in den senkrechten und waagerechten Streifen aufgegriffen. Insgesamt wirkt die Seite gestalterisch etwas überladen. Der Autor beschreibt übrigens die 8/16-Methode und wie er damit innerhalb von zwei Monaten 20 kg Gewicht verloren hat. Das hätte man in der Überschrift oder in der Visualisierung schon sagen und zeigen können. Die Konkurrenz Men‘s Health hätte daraus sicher 20 Seiten mit 1.000 Tipps gemacht. Plus Infografiken und Rat vom Facharzt.

Machen: Die richtigen Worte finden

Der Playboy gehört zu den Zeitschriften, die alternative Storyformen beherrschen. Es ist gut, Themen nicht als Endlostexte ohne Absätze zu veröffentlichen, sondern gut gegliedert zu präsentieren. Das Thema „Wie man erfolgreich kommuniziert“ wird in fünf Punkten dargestellt. Jeder Punkt hat eine eigene Überschrift. Jeder Punkt hat wieder drei Unterpunkte, die wieder eine Überschrift haben. Die Visualiserung ist auch gut, denn am Anfang steht die größte Abbildung und die anderen stehen so, dass sie das Layout auflockern. Einziges Problem: Manche Texte stehen rechtsbündig, manche mittelachsig.

Dieser Artikel erschien am 18. Januar 2021 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper

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03 2021 Men’s Health

Männer-Magazine, Teil 3/4: Men’s Health – Die mit dem Waschbrettbauch-Cover

Men‘s Health hat eine verkaufte Auflage von 95.185 Exemplaren (IVW 3/20). Davon sind 12.610 Exemplare Epaper. Die Pocket-Ausgabe hat eine verkaufte Auflage von 33.602 Exemplaren. Die Abo-Auflage liegt insgesamt bei 22.905 Exemplaren, davon entfallen 5.944 auf die Pocket-Ausgabe. Es gibt auch eine Ausgabe für Frauen: Women‘s Health. Beide Zeitschriften erscheinen 10 Mal jährlich. Anhand der Auflagenzahlen kann man feststellen, dass es sich lohnen würde, mehr Abonnenten zu gewinnen. Die Schwankungen des Einzelverkaufs fallen dann nicht mehr so stark ins Gewicht.

Die Covergestaltung ist immer so, dass im Zentrum ein Mann mit stark ausgeprägter Bauchmuskulatur – Sixpacks – steht. Dadurch wird der Käuferkreis natürlich stark eingeschränkt. Wenn man das Konzept der Cover von Menth‘s Health mal in Frage stellen würde, könnte man die Zielgruppe erweitern. Die Inhalte sind nämlich ganz vernünftig. Es ist ja durchaus möglich, eine Ausgabe mit verschiedenen Covern zu machen und in Testgebieten mal aktiver zu werben und zu testen.

Die Redaktion von Men‘s Health ist darauf getrimmt, immer mit alternativen Storyformen wie zum Beispiel Listicals zu arbeiten. Lange ungegliederte Texte sind bei diesem Magazin undenkbar. Wer also im Bereich Journalismus Anregungen braucht für alternative Storyformen und visual Storytelling, der muss nur mal Men‘s Health durchblättern.

Mehr zum Thema:
Im April 2020 erschien eine Kritik auf faz.net. Im Vorspann heißt es: „Unter der Schreckensherrschaft des Magazins „Men’s Health“ sind Männer viel unzufriedener mit ihrem Körper als in Uganda oder Nicaragua. Das sollte ihnen zu denken geben.“ LINK. Dazu ist anzumerken, dass die Auflage von ca. 100.000 Exemplaren nicht ausreicht, um eine Mehrheit der Männer in Deutschland oder Europa so stark negativ zu beeinflussen.

Im Rahmen einer Bachelorarbeit wurden 2013 linguistische Vergleiche von Frauen- und Männerzeitschriften vorgenommen. Hier gibt es eine Leseprobe: LINK.

Titelseite

Wie schon erwähnt, hat ein Men‘s Health Cover immer ein Model mit einem Waschbrettbauch. Eine durchaus abschreckene Wirkung für Männer, die gerade keinen brauchen oder anstreben. Im Hintergrund ist die Zahl 2021 zu sehen. Die ist in Wirklichkeit in einer silbernen Sonderfarbe gedruckt und etwas heller als auf unserer Abbildung.

  1.  +– Logo: Der Kopf ist rot und die Schrift ist condensed und mit Serifen. Bis auf die Groß- und Kleinschreibung gestalterisch etwas überholt. Oft wird auch etwas auf das Logo gestellt, wie in unserem Beispiel. Reduzierte Lesbarkeit. Bei dem hohen Anteil im Einzelverkauf sollte man das Logo besser sichtbar machen. Also: nichts drauf stellen.
  2. +– Coverfoto: Die Abbildung hebt sich gut vom Untergrund ab. Der Fotografierte blickt nicht in die Kamera, nicht auf den Betrachter sondern in eine imaginäre Ferne. Damit verweist er auf die Überschrift darunter, nämlich auf das Jahr 2021.
  3. + Bild-Text-Kombination: Die Überschrift „Das wird Dein Jahr!“ ist gut zu lesen. Der Zusammenhang zum Coverfoto ist klar erkennbar. Die Unterzeile ist voller guter Vorsätze: „Mehr Muskeln aufbauen, Abwehrkräfte stärken, immer gut schlafen, weniger Fast Food essen.“ Man versucht, potenzielle Leser zum Kauf zu animieren und Abonnenten zu motivieren. Prima.
  4. +– Anrisse: „So nimmst Du jetzt ab“ ist eine klare Ansage. Auch die anderen Anrisse sind gut formuliert. Man kann bei anderen Zeitschriften beobachten, dass Hinweise auf den Innenteil nur Schlagworte sind, die keinen Inhalt haben. Insgesamt wirkt das Cover allerdings ziemlich voll. Die Verwendung von Texten in Großschreibung ist auch nicht zu empfehlen, denn die brauchen 35 Prozent mehr Platz und sind nicht gut lesbar.

Gesundheit

Men‘s Health hat keine Coverstory im klassischen Sinn. Die Zeitschrift ist eine Mischung aus kurzen und langen Strecken. Wobei lange Storys auch stark gegliedert werden. Sehr übersichtlich. Sehr lesefreundlich.

  1. +– Visualisierung: Das Herz wird als Maschine aufgefasst und die Abbildung ist aus lauter Sportgeräten zusammengebaut. Sehr gute Lösung!
  2. + Überschrift: „Das geht ans Herz“ ist doppeldeutig formuliert. Die Unterzeile gibt die Auflösung, denn es gibt 25 Experten-Tipps gegen den ungesunden Lebensstil.
  3. + Überschriften-Apparat: Überschrift, Unterzeile, Autorenzeile. Der Überschriften-Apparat ist straff und die Seite hat genug Weißraum. Dadurch entsteht die nötige Seriosität. Außerdem hebt sich diese Doppelseite gut von den anderen kleinteiligen Seiten ab. Der Leser wird dadurch gestoppt und auf das Thema aufmerksam gemacht.
  4. + Artikel-Start: Gut, dass die Geschichte hier beginnt. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Leser den Artikel auch nutzt. Die zweite Möglichkeit ist, die Doppelseite nur mit Bild und Überschrift zu versehen und die Story auf der folgenden Seite zu beginnen.

Gesundheit Fortsetzung 1

In der linken Spalte wird der erste Experten-Tipp fortgesetzt. Der zweite Tipp ist in A bis E unterteilt und es wird visuell dargestellt, wie die Übung aussieht. Die Tipps 3 bis 7 drehen sich um die Smartwatch. Darum sind die Texte auch um eine solche Uhr herum arrangiert. Komplexes Thema sehr gut bewältigt.

Gesundheit Fortsetzung 2

Im Zentrum der Doppelseite steht Fisch. Damit hat die Seite einen guten visuellen Schwerpunkt. Links sind drei Tipps in drei Fragen gekleidet. Tipp 12 ist wieder als alternative Storyvorm um eine Abbildung arrangiert. Tipp 14 wird unten als Band arrangiert. Bei so einem Layout ist eine sehr enge Abstimmung von Text und Layout-Abteilung erforderlich.

Gesundheit Fortsetzung 3

Die Kombination aus Herz und Meditation in der Abbildung wirkt etwas angestrengt. Bei diesem Expertentipp geht es um eine Atem-Übung, die das Nervensystem beruhigen und den Blutdruck senken soll. Das wird hier nicht ganz überzeugend visualisiert. Expertentipp 20 bis 25 werden wieder unten als Abschluss der Seite präsentiert. Sehr schön: Die Foto-App Lightroom wird empfohlen. Einer der Experten schaut sich darauf Fotos aus seiner College-Zeit an, um sich dazu zu motivieren, nicht an Gewicht zuzulegen.

Langstrecke

Neben den stark gegliederten Storys gibt es auch manchmal eine Langstrecke, die ein Thema in einem abgeschlossenen Text ohne große Unterbrechungen präsentiert. Bei dem Beispiel hier ist die Visualisierung durch Körperteile sehr gut gelungen. Insgesamt hat die Story nur zwei Ergänzungsboxen, ein paar Zwischenzeilen und pro Doppelseite ein mehrzeiliges Zitat, das oben platziert wird. Besser: Die Ergänzungsboxen sollten unten stehen, damit sie den Textverlauf nicht unterbrechen.

Dieser Artikel erschien am 18. Januar 2021 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper

Wenn Sie eine Blattkritik oder ein Inhouse-Seminar brauchen, dann schreiben Sie am besten an:

nkuepper@layouttipp.de

04 2021 Octane

Männer-Magazine, Teil 4/4: Octane – Für Leser mit Benzin im Blut

Octane erscheint sechs Mal jährlich in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Zeitschrift hat eine Auflage von ca. 20.000 Exemplaren. Untertitel: Autoklassiker und Sportwagen. Es geht also eher um teure Fahrzeuge. Den Mediadaten kann man entnehmen, dass 53 Prozent der Leser zwischen 41 und 60 Jahre alt sind. 43 Prozent verfügen über ein Haushaltseinkommen von mehr als 5.000 Euro und 98 Prozent der Leser sind männlich. Die Zeitschrift kommt ursprünglich aus England. Dort hat sie eine Auflage von ca. 35.000 Stück. Laut Wikipedia erscheint Octane noch mit Ausgaben in den Niederlanden, Italien und Schweden.

Titelseite

Der Name Octane ist sehr gut passend zum Inhalt. Der Schriftzug hat ein sehr stimmiges Design. Er erinnert an Kfz-Metall-Embleme aus den sechziger und siebziger Jahren. Das schwarze Cover wirkt besonders edel. Die meisten früheren Cover sind aber farbiger. Auffallend ist, dass der Schriftzug meist auf weißem Grund steht. Dadurch wird ein Konflikt mit unterschiedlich hellen oder farbigen Hintergründen vermieden.

  1. + Logo: Octane ist auch deshalb ein guter Name, weil er international funktioniert. Er signalisiert Geschwindigkeit. Die Leser haben quasi Benzin im Blut. Gut, dass der Schriftzug nicht in einem 3-D-Metallic-Effekt gestaltet wurde.
  2. + Werbehinweis: Das aus der Zeitschrift herausragende Blatt ist durch den Pink-Farbton sehr auffällig. Die Aussage „Mehr Format! Mehr Autos! Mehr Octane“ ist kurz und bündig und damit sehr gut.
  3. +– Coverfoto: Die Abbildung auf dunklem Hintergrund wird mehr und mehr beleuchtet und hebt sich damit erst allmählich vom Untergrund ab. 50 Jahre Citroen SM – Ausgabe 50 von Octane – gut abgepasst. Die Platzierung der Überschrift am Rand ist sehr unauffällig. Der Zusammenhang von Überschrift und Bild erschließt sich erst auf den zweiten Blick.
  4. + Anrisse unten: Es werden drei Namen von berühmten Fahrzeugen groß gesetzt, Erläuterungen stehen als Dachzeile darüber. Besser, weil leserfreundlicher: Die Dachzeilen nach unten stellen, also zu Unterzeilen machen.
  5. + Barcode: Sie werden oft lieblos auf die Titelseite gestellt. Hier ist es anders: Er ist sehr gut unten links platziert und schließt die Anrisse optisch gut ab.

Doppelseite

Es ist der Beginn der Coverstory. Hier wird besonders klassisch vorgegangen, denn die linke Seite ist für das Bild und rechts beginnt der Artikel. Viele Zeitschriften starten die Coverstory mit einem doppelseitigen Bild und einer Überschrift. Der Text beginnt dann auf der folgenden Seite.

  1. + Seitentitel: Die Kennzeichnung „Ausgabe 50“ wird bei allen mehrseitigen Artikeln am Anfang platziert. Hinzu kommt noch ein Hinweis auf das jeweilige Thema. Gute Leserführung.
  2. + Aufmacher-Foto: Die Frontal-Aufnahme von oben zeigt das Fahrzeug völlig sachlich.
  3. + Kleines Foto: Die Aufnahme von oben und das leicht schräg stehende Fahrzeug verleiht der Seite Dynamik. Guter Kontrast der Aufnahme-Positionen und der Bildgrößen.
  4. +– Überschriften-Apparat: Überschrift, Vorspann, Autorenzeile – sehr straffer Überschriften-Apparat, logisch aufgebaut. Rechtsbündiger Text ist nicht gut lesbar, kursive Schriften nur bei einzelnen Worten einsetzen, weil Kursive auch nicht gut lesbar sind. Die Autorenzeilen sind etwas zu klein.
  5. +– Grundtext: Der Initial-Buchstabe ist in der Größe vertretbar. Er hat ja keine Funktion, sondern er ist nur dekorativ. Die Grundschrift könnte etwas größer sein.

Coverstory

Hier sieht man das Cover und die Voverstory komplett. Es ergibt sich eine harmonische Einheit. Die anmutung der Titelseite wird im Innern konsequent fortgesetzt: Ausgabe 50, der schwarze Hintergrund, die Farbe der Typografie.

Reguläre Story 1

Diese Story beginnt nur mit einem doppelseitigen Bild sowie Überschrift und Vorspann. Das Fahrzeug ist sehr gut angeschnitten. Perfekte Doppelseite. Danach folgt eine Seite mit einem Detail: der Kühlerfigur. Dann das Fahrzeug von vorne, dann eine abschließende Doppelseite mit einem kompletten Fahrzeug von der Seite. Die Story lebt insgesamt von dem freigestellten Oldtimer. Sehr gutes Bild-Text-Verhältnis.

Reguläre Story 2

Die beiden Fahrzeuge sind grau und blau. Der Foto-Hintergrund ist sehr gut darauf abgestimmt. Die Detail-Ansichten des Innenraums fügen sich sehr gut ins Gesamtlayout. Bildtexte im Bild: eher vermeiden. Sie können ja unter dem Bild stehen. Mittelachsige und rechtsbündige Bildtexte sind schlecht lesbar. Linksbündig oder Blocksatz sind okay.

Insgesamt

Natürlich hat Octane auch viele Seiten mit kleinen Artikeln und mehr Bildern, aber die hier gezeigen Seiten zeigen die Highlights einer Ausgabe. Der Kleinanzeigenteil ist auch spannend, denn dort kann man Fahrzeuge, die zum Verkauf stehen mit Preisangaben sehen. Sehr guter Lesestoff für Interessierte aus aller Welt. Octane – Ein Nischentitel, den man beachten sollte.

Dieser Artikel erschien am am 1. Februar 2021 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper

Wenn Sie eine Blattkritik oder ein Inhouse-Seminar brauchen, dann schreiben Sie am besten an:

nkuepper@layouttipp.de

07 2020 ADAC Motorwelt

ADAC Motorwelt – Neues Vertriebskonzept – Design-Änderungen

Die IVW weist im vierten Quartal 2019 bei der ADAC Motorwelt eine verkaufte Auflage von 13.557.199 Exemplaren aus. Im ersten Quartel 2020 sind es nur noch 4.540.136 Freistücke, die an 9.502 Auslegestellen in Supermärkten und ADAC Geschäftsstellen bereitgehalten werden. Das ist eine Steigerung der Freistücke um sagenhafte 17.428,13 %. Der neue Vertriebsweg ist komplex:

  1. Daran denken, dass man die ADAC Motorwelt gerne hätte.
  2.  Supermarkt aufsuchen.
  3.  An der Kasse die ADAC Motorwelt sehen.
  4.  Seinen Mitglieds-Ausweis dabei haben.
  5.  Ausweis scannen lassen und Heft kostenlos mitnehmen.

Es gäbe einen einfacheren Weg. Der ADAC hat auf seiner Website das E-Paper und ein großes Archiv der Motorwelt. Der nächste Schritt wäre, dass man die Zeitschrift völlig in die Website integriert und ein Web-Magazin macht. Wenn es im derzeitigen Tempo weiter geht, wird das im Jahr 2025 gemacht.

Aktualisierung: Am 30. April 2021 erschien in der WirtschaftsWoche ein Artikel mit der Überschrift „Zwei Millionen Hefte für die Mülltonne“. Im Text heißt es unter anderem: „Der ADAC bleibt nach Recherchen der WirtschaftsWoche auf der Hälfte der Auflage seines Mitgliedermagazins „ADAC Motorwelt“ sitzen. Nach Angaben mehrerer Insider aus dem Automobil-Club werden von der Gesamtauflage von vier Millionen nur zwei Millionen Hefte von den Mitgliedern abgeholt. Die Magazine liegen in den Supermärkten von Edeka und Netto sowie den ADAC-Geschäftsstellen aus.“ Im obigen Text habe ich ja erläutert, dass der Vertriebsweg komplex ist. Vermutlich zu komplex.

Hintergrund: Die ADAC Motorwelt geriet 2014 in eine schwere Krise. Das Handelsblatt schreibt: „Der Autofahrerclub ADAC hat fast zehn Jahre lang die Ergebnisse seiner Leserwahlen gefälscht. Zwischen 2005 bis 2013 sei die Rangliste des „Lieblingsautos“ der Deutschen zum Teil gravierend manipuliert worden, fanden die Wirtschaftsprüfer von Deloitte heraus, wie der ADAC am Montag mitteilte. So seien die Teilnehmerzahlen geschönt und auch die Reihenfolge der Gewinnermodelle verändert worden.“ Wenn nur wenige Leser an den Leserwahlen teilnehmen, dann haben sie das Heft eventuell ungelesen entsorgt.

Die ADAC Motorwelt wurde in der Zeitschrift MediumMagazin bereits einmal besprochen: Heft 1/2014.

Titelseite

  1. + Kopf: Obwohl der Kopf auf den ersten Blick unauffällig ist, ist er gut lesbar und unverwechselbar. Die verwendete Schrift Milo hat ein paar eigenwillige Elemente, wie z.B. das „W“. Die Milo wird durchgehend bei der Motorwelt eingesetzt, denn es gibt Versionen ohne und mit Serifen. Außerdem gibt es eine serifenbetonte Variante. Alles über die Milo findet man hier.
  2. +– ADAC-Logo: Die Zeitschrift heißt eigentlich ADAC Motorwelt. Durch die Loslösung des ADAC-Logos vom Namen wird der Titel unabhängiger. Nachteil: Der Kopf wird sehr hoch und man bekommt Probleme, vernünftige Bilder für das Cover zu finden.
  3. – Aufmacher: Die Schrift für den Aufmacher ist etwas klein. Außerdem haben Ein-Wort-Überschriften oft nicht viel Inhalt. Es geht um „Das perfekte Aktiv-Wochenende in der Natur“. Das Aufmacher-Bild ist nicht sehr aktiv. Das Thema wird nicht sehr spannend visualisiert.
  4. +– Button: Meist haben neue Zeitschriften einen roten Button „Neu“. Die Motorwelt macht mit dem Button nochmals klar, dass das Heft für Mitglieder kostenfrei ist. Im Supermarkt sind ja Zeitschriften normalerweise nicht kostenlos.
  5. +– Gewinnspiel-Button: Es kann sinnvoll sein, ein Gewinnspiel zu machen, um den Absatz anzukurbeln. Immerhin kann man Preise im Wert von 58.000 Euro gewinnen. Der kleine rote BMW ist auf dem blau-grünen Grund schlecht zu erkennen. Besser: weglassen.
  6. +– Drei Anrisse: Der Blick fällt auf den mittleren Anriss, denn man kann ihn gut lesen. Die beiden anderen stehen weiß auf grünem Grund. Nicht zu empfehlen. Ein-Wort-Überschriften auch hier: Dauerläufer, Im Interview, Neue Mobilität. Man sieht: Diese Überschriften sind nicht sehr aktivierend. Wollen Sie diese Zeitschrift nun lesen? Wollen Sie sie haben? Tja.

Innenseite

  1. + Seitentitel: Mittig steht über jeder Seite das Thema. Sehr dezent und elegant gelöst.
  2. – Überschriften-Apparat: Über diesem Artikel steht nur: Wegweiser. Worum es geht, darf sich der Leser selbst erarbeiten. Glücklicherweise steht im Inhaltsverzeichnis: „14 Experten über ihre Ideen für eine nachhaltige Mobilität“. Dieser Text wäre auch hier als Unterzeile geeignet gewesen.
  3. ++ Text: Der Test wird deutlich größer gesetzt als die Grundschrift. Es ist eine Art Einleitung für den mehrseitigen Artikel. Er hätte ca. acht Zeilen kürzer sein können. Zwei Absätze hätten auch nicht geschadet. Insgesamt trotzdem eine innovative Idee, die man selten sieht. Die Motorwelt könnte mehr gestalterische Experminete wagen und sich dadurch von anderen Zeitschriften stärker abheben.
  4. +– Kachelmuster: Neun der 14 Experten werden im Kachelmuster abgebildet. Alle wurden sehr sorgfältig vor grünem Hintergrund fotografiert. Ich hätte gerne gewusst, wer hier abgebildet wird. Zum Glück erfährt man es auf den folgenden Seiten des Artikels.
  5. + Negativ-Text: Es stehen zwie Texte mit kleinen Zahlen auf den Bildern. Der Hitnergrund wurde noch etwas nachgedunkelt, damit man überhaupt was erkennen kann. Eine bessere Lösung wäre weiße Schrift auf schwarzem Grund. Insgesamt: Man müsste mehr Innovation wagen bei gleichzeitig guter Lesbarkeit.

Inneneseite des Artikels über „Wegweiser“. Das Thema wird nicht in einem langen Artikel abgehandelt sondern in einer alternativen Storyform präsentiert.

Doppelseite vom Heftanfang. In den neunziger Jahren wurden Zeitschriften mit opulenten Doppelseiten gestartet. Der Bildtext steht wie hier auf weißem Grund im Bild. Geo und Focus waren die ersten Zeitschriften mit diesem Stilelement.

Gut aufbereitetes Service-Thema aus dem hinteren Teil der Ausgabe. Aufwändig gestaltete Illustration eines Cockpits.

Dieser Artikel erschien am 5. Oktober 2020 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

06 2020 Berliner Zeitung

Berliner Zeitung: Klarheit durch Symmetrie

Die Berliner Zeitung wurde im Jahr 1945 gegründet. Sie erscheint im Rheinischen Format. Die letzte IVW-Meldung der Berliner Zeitung ist vom 4. Quartal 2019. Die verkaufte Auflage lag bei 83.690 Exemplaren, davon waren 22.162 Exemplare E-Paper. Es gab 53.939 Abonnenten. Das waren 12,23 % weniger als in 4/2018. Der sonstige Verkauf ist mit 22.251 Exemplaren recht hoch. Seit Anfang 2020 wurde die Auflage nicht mehr an die IVW gemeldet. Die Entwicklung dürfte weiterhin negativ sein.

Man hat in den letzten Jahren einen konzeptionellen und inhaltlichen Wandel vollzogen von einer Regionalzeitung zu einer täglich erscheinenden Wochenzeitung. Die Berliner Zeitung  hat nun ein ausgesprochen ruhiges, mittelachsig angelegtes Layout mit klaren Bildgrößen und relativ langen Artikeln. Auch im Lokalteil wird das Layout ohne Kompromisse durchgehalten. Was die Klarheit und Übersichtlichkeit angeht, können sich überregionale Zeitungen und Wochenzeitungen an dieser Zeitung orientieren.

Die zusätzlichen Beispielseiten weiter unten zeigen: Die Zeitung hat einen sehr guten Umgang mit Bildern.

Hintergrund: Unter der Überschrift „Systemsprenger“ schreibt Alexander Osang in Heft 20/2020 des Spiegel unter anderem: An­fang des Som­mers kün­digt Fried­rich mir sei­nen Ur­laub auf der grie­chi­schen In­sel an, wie eine Etap­pe sei­nes Pro­jekts. Eine Dienst­rei­se, auf der er den gan­zen Tag na­ckig her­um­lau­fen kann, weil er kei­ne Nach­barn hat. In der Zeit müss­ten sich die Re­dak­teu­re ent­schei­den, sagt er. Ma­chen sie mit oder nicht? Ihre Haus­auf­ga­be sei: in Skan­dal­ka­te­go­ri­en den­ken. Die Kon­tro­ver­se ver­or­ten. Schwarz–Weiß. Rechts–Links. AfD–PDS. Da­für sein oder da­ge­gen. Lieb­knecht oder Hin­den­burg. Drin oder drau­ßen. Es ist das, was er ge­lernt hat. Sein Kon­zept für Lo­kal­jour­na­lis­mus geht so: Wer ist gut für Ber­lin? Wer ist schlecht für Ber­lin?

»Ich habe jetzt über ein hal­bes Jahr mei­nes Le­bens und viel Geld in­ves­tiert. Lohnt es sich oder nicht?«, sagt Fried­rich.

Wie viel hat er in­ves­tiert?

»Sechs Mil­lio­nen, viel­leicht sie­ben«, sagt Fried­rich. »Das ist auch nicht so wich­tig. Wich­tig ist, ob es zün­det, ob die Le­ser die Her­aus­for­de­rung an­neh­men. Ob wir ih­nen ei­nen Wert bie­ten kön­nen. Wenn gar nichts pas­siert, ma­chen wir eine Rie­sen­fe­te und fa­ckeln das Haus ab.«

Bisher kann man nicht sehen, dass die Redaktion in Skandalkategorien denkt. Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass am Ende eine Riesenfete gemacht wird.

In der Kolumne Layouttipp des MediumMagazins wurde die Berliner Zeitung schon einmal gesprochen. Es war Heft 3/2018. Interessant, wie viel sich inzwischen verändert hat. Link zum Layouttipp 3/2018.

Titelseite vom 3. September 2020

Titelseite

  1. +– Der Zeitungskopf: Er ist in tiefdunklem Blau gedruckt, so dass er am Bildschirm fast schwarz aussieht. Ende der neunziger Jahre wurde der Kopf dem der New York Times angeglichen, weil man eine große überregionale Zeitung sein wollte. Danach ist irgendwann das Wappen von Berlin nach unten gerutscht. Die gebrochene Schrift ist generell dadurch gekennzeichnet, dass ein enges Gesamtbild entsteht. Hier wurden die Buchstaben etwas zu weit auseinander gezogen.
  2. + Fußleiste: Der Abschluss der Seite ist sehr übersichtlich gestaltet. Hier stehen Ansprechpartner mit Telefonnumern, der Verkaufspreis und andere Regularien. Ein QR-Code führt zur Website. Das Wappen ist hier gut platziert – für Nostalgiker, für die Tradition wichtig ist.
  3. + Anrisse oben: Sie sind knapp formuliert und die Bilder sind immer quadratisch. Ressortangabe neben der Seitenzahl. Insgesamt sauber gelöst.
  4. +– Bild-Aufmacher: Die Überschrift „Mühsamer Start“ ist etwas kurz. Erst in der Unterzeile liest man, dass es um Fußball geht.
  5. + Aufmacher: Auch hier liefert die Überschrift nicht das Thema. Es geht um Flüchtlinge in Griechenland. Der Artikel wird durch ein zweispaltiges Zitat gut gegliedert.
  6. – Einspalter: Die seitenhohen Einspalter sind eine Besonderheit dieser Zeitung. Bei anderen Zeitungen sind sie verpönt, weil Artikel dadurch viel länger aussehen als mehrspaltig umbrochene. Man nennt den Umbruch dieser Seite auch 1 – 4 – 1. Diese Methode war schon Ende der siebziger Jahre bei der Berliner Zeitung üblich. Damals allerdings mit mehreren Meldungen links und rechts außen.

Seite Zwei und Drei der Berliner Zeitung.

Doppelseite

  1. + Seitentitel: Der Seitentitel bekommt viel Platz. Da die Ressort-Angaben relativ klein gesetzt sind, entsteht viel Weißraum im Seitenkopf.
  2. + Bildgröße, Bildschnitt: Es gibt viele extrem querformatige Bilder in der Berliner Zeitung, die über die volle Seitenbreite geführt werden. Das wirkt großzügig und schafft ein gutes Text-Bild-Verhältnis. Die Seiten wirken nur selten grau. Der extreme Bildschnitt hilft dabei, Spannung zu erzeugen.
  3. + Kontrastierendes Bild: Unter dem großen Bild steht ein deutlich kleineres. Dadurch entsteht Kontrast. Unter dem Bild ist eine Ergänzung, die gestalterisch aufs Wesentliche reduziert wurde. Die kleinen farbigen Elemente sind Teil des Corporate Design. Sie sind auch auf der Website zu finden.
  4. +– Das Wetter: Es ist vollständig und logisch aufgebaut, denn es zeigt von links nach rechts Berlin und Brandenburg, Deutschland und Europa. Insgesamt etwas klein und man fragt sich, warum es gerade hier steht.
  5. +– Aufmacher-Bild: Es hat im Verhältnis zur Gesamtseite die richtige Größe. Das Format ist etwas unentschieden, weder hoch noch quer. Zum Text hätte man links und rechts ca. 10 mm Weißraum lassen können.
  6. – Aufmacher-Überschrift: Sie wird unter dem Bild mittig platziert. Dadurch ist der Text-Beginn oben links sehr weit entfernt. Regel: Man soll Überschrift und Text nicht voneinander trennen. Es wäre also von Leseablauf und Funktionalität her besser gewesen, die Überschrift über das Bild zu stellen.
  7. + Symmetrie: Beide hier gezeigten Seiten sind völlig mittelachsig – symmetrisch – angelegt. Durch diese Arbeitsweise erzeugt man automatisch ein seriöses Erscheinungsbild. Man sagt auch: Dieses Layout ist narrensicher. Man kann nicht viel falsch machen.

Ressort-Starts mit sehr gut geschnittenen hochformatigen Bildern.

Beginn des Lokalteils mit großer Anzeige. Gut, dass hier nur eine Story platziert wurde. Die Bilder kollidieren zwar mit den Anzeigen, aber es ist insgesamt eine saubere Lösung, die man eher bei Wochenzeitungen sieht. Regionalzeitungen haben meist viele kleine Artikel im Lokalteil.

Weitere Lokalseiten. Es enststeht kein Bruch zu den anderen Ressorts, weil man sich auch im Lokalen auf wenige Themen konzentriert. Das symmetrische Layout mit extrem geschnittenen Bildern wird konsequent eingehalten.

Dieser Artikel erschien am 2. Oktober 2020 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

05 2020 Die Zeit

Die Zeit: Details für Insider

Am Donnerstag, 3. September 2020 erschien die Wochenzeitung Die Zeit in einem überarbeiteten Layout. Die Zeit wird im Nordischen Format produziert und hat eine verkaufte Auflage von 521.927 Exemplaren (IVW 2/2020). Das ist eine Steigerung von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine besonders interessante Zahl: 2/2019 lag die ePaper-Auflage bei 116.830, 2/2020 bei 158.181. Es gibt bei Neuabonnenten offenbar einen deutlichen Trend zum ePaper.

Kress hat am 3. September 2020 über die Überarbeitung berichtet. Haika Hinze, Art-Directorin, sagt dort unter anderem: „Zur Zeit ist es uns besonders wichtig, die unglaublich vielen guten Fotoarbeiten und Illustrationen, die für uns exklusiv produziert werden, noch mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Außerdem setzen wir auf ein klares Layout und auf eine elegante, zentrierte Typografie.“ Neben den mittelachsigen Überschriften sieht man nun auch öfter zentrierte Bilder, die von etwas Weißraum umgeben sind. Dabei ist ein klassischer Fehler zu beobachten, der sich schon vor einiger Zeit eingeschlichen hat: Auch große Bilder werden mitten in den Text gestellt. Man kann sagen: Das sieht gut aus. Wenn man aber auf Lesbarkeit und Funktionalität achtet, würde man sagen: Es ist völllig falsch, weil der Leser dem Textverlauf kaum folgen kann.

In der Zeitung wurden die Veränderungen nicht mitgeteilt, weil sie letztendlich marginal sind. Es gibt allerdings Social-Media-Beiträge der Art-Direction.

Diese Überarbeitung ist sicher sinnvoll, weil man bei der Arbeit mehr und mehr aus der Spur geraten kann. Aufräumen und zurück zur klaren Linie ist das Motto.

Titelseite vom 3. September 2020

Titelseite

  1. +– Der Zeitungskopf: Die monumentalen Versalien und das Wappen von Bremen* sind unverändert geblieben. Bei den Eigenanzeigen links und rechts hätte man die Gelegenheit gehabt, mal hervorragende Anzeigen für diesen Platz zu schaffen. Die Chance wurde vertan. Daher wäre es besser, die Flächen einfach weiß zu lassen, wenn die Anzeigen nicht verkauft sind.
  2. + Das Poster: Die obere Hälfte der Titelseite wird fast ausschließlich dem Aufmacher-Thema gewidmet. Diese Idee hat sich bei anderen Wochenzeitungen und auch bei einigen Tageszeitungen in Deutschland durchgesetzt. Cover und Coverstory sind nicht nur bei Wochenzeitungen im Trend.
  3. – Grundtext, Auflockerungen: Man hat offenbar nichts verändert am Grundtext. Die Schrift könnte etwas größer sein. Bei beiden Artikeln auf der Titelseite ist eine zweizeilige Zwischenzeile enthalten. Immerhin etwas, denn im bundesweiten Trend liegt gerade, Zwischenzeilen und Ergänzungsboxen wegzulassen. Ursache: Vermutlich werden Forschungsergebnisse falsch interpretiert.
  4. – Kleine Anrisse: Die kleinen Anrisse rechts neben dem Coverthema gehen etwas unter. Das Bild bei „Drostens Duo“ zeigt überwiegend einen Arztkittel auf gelbem Grund. Hier wird zu viel Kleinmaterial auf engem Raum untergebracht: Überschrift, Text, Ressortangabe, Seitenzahl. Weniger ist mehr. Dann noch: Warum werden die beiden senkrechten Linien nicht seitenhoch geführt?
  5. + Kolumne: „Prominent ignoriert“ ist der Titel. Es könnte ein Element sein, das viele Leser nutzen, weil es lustig, schräg und weniger offiziell ist als Die Zeit.
  6. – Rechts unten: In dieser kleinen Drecksecke wird alles untergebracht, was man eigentlich nicht auf der Titelseite haben will: Quellenangaben bei Fotos, Anschrift und Telefon des Verlags, Abo-Telefonnummern, Auslandspreise. Die Ausgaben-Nummer mit dem Barcode rettet diese Ecke, aber nur ein wenig. Besser: Aboservice und Auslandspreise stehen lassen, die anderen Angaben ins Impressum stellen.

*Wappen von Bremen: Wikipedia schreibt dazu „So hat die in Hamburg erscheinende Wochenzeitung Die Zeit nach der Gründung der Zeitung das Hamburger Wappen in der Kopfzeile von der Erstausgabe (Febr. 1946) bis zur Ausgabe Nr. 13 (Mai 1946) verwendet. Doch die Freie und Hansestadt Hamburg verweigerte die nachträgliche Genehmigung. Die Zeit wandte sich an Bremens Bürgermeister Wilhelm Kaisen, der die Nutzung des Bremer Wappens am 10. Juni 1946 erlaubte. Die Zeit verwendet den Bremer Schlüssel und die goldene Krone noch heute.“

Doppelseite aus dem Ressort Wissen

Doppelseite

  1. – Seitentitel: Die Ressortangabe „Wissen“ ist gut. Sie könnte sogar im Verhältnis zur Gesamtseite etwas größer sein. Vor einiger Zeit hat man noch Untertitel geschaffen, die auf Unterteilungen innerhalb eines Ressorts hinweisen sollen. Hier wurde von Versalien auf Groß- und Kleinschreibung umgestellt. Die Versalien passten besser zum Seitentitel insgesamt. Überflüssige Veränderung.
  2. – Seitenlayout: Wir haben hier eine falsche Panoramaseite vor uns. Das bedeutet, dass man nicht über den Bund layouten kann. In der Mitte der Seite bleibt immer eine senkrechte weiße Fläche, die nicht bedruckt werden kann. Es wäre trotzdem besser gewesen, die Bilder oben quer über die beiden Seiten zu arrangieren und den Text darunter anzuordnen. Bei dem jetzigen Layout haben wir zwei Hälften vor uns, bei denen zunächst nicht klar ist, dass sie überhaupt zusammen gehören.
  3. – Bildblock: Das Arrangement von Bildern zu einem Block sorgt für Übersichtlichkeit. Allerdings stehen hier die Bilder zu nah beieinander und damit stören sie sich gegenseitig. In der Unterzeile wird erwähnt, dass der Mississippi mit dem Kanu befahren wurde. Dann hätte ich gerne das Kanu mit dem Autor und dem Mississippi zusammen auf einem Bild gesehen.
  4. – Bildtexte: Jedes Bild hat einen eigenen Bildtext. Bildtexte werden nicht gesammelt, wie es hier gemacht wurde, weil der Leser sich mühsam erarbeiten muss, was welches Bild nun zeigt. HIER  gibt es den Artikel online. Da stehen die Bildtexte richtig.
  5. – Text: Im Kontrast zu dem Bildblock links wird ein kleiner Textblock mittig in den Artikel gestellt. Man muss sich als Leser entscheiden: Lese ich das nun oder lasse ich es bleiben. Man sollte die Chance einer größeren Auflockerung nutzen und zum Beispiel die Infografiken zweispaltig in den Textblock einbauen.
  6. – Fakten: Wenn man aufräumen will, nimmt man Fakten, Bilder, Texte und Infografiken und arrangiert sie wie hier abgebildet. Besser wäre es allerdings, die Fakten zum Beispiel zweispaltig in den Artikel zu setzen. Dann wird der nämlich aufgelockert.
  7. – Infografiken: Die drei schwarzen Infografiken sind eher Icons, die wenig Inhalt transportieren: Punkte im Farbton Magenta sollen Städte markieren, die braune Verfärbung des Mississippi soll die Belastung mit Stickstoff zeigen und die gleiche Grafik in Blau soll schiffbare Flusskilometer zeigen. Scheingrafiken, die außerdem viel zu klein sind.

Wenn das Bild in der Mitte des Artikels steht, wird der Leseablauf schwierig. Funktionalität, Lesbarkeit?

Innenseite

    1. +– Überschrift: Der Artikel füllt weniger als eine Seite und hat eine dreizeilige Überschrift. Zweizeilig hätte genügt.
    2. + Weißraum um Bilder: Das habe ich schon mehrmals bei Regionalzeitungen gemacht. Der weiße Raum um Bilder wirkt großzügig.
    3. – Abweichende Spaltenbreite: Das Bild verdrängt die Spalten links und rechts. Wenn man aufräumen will, wird man Ordnung schaffen und vorgegebene Spaltenraster einhalten.
    4. + Fakten: Sie werden übersichtlich mit hervorgehobenen Zahlen präsentiert. Die Anordnung unter dem Bild wirkt sehr aufgeräumt und übersichtlich.
    5. – Leseablauf: Wenn man einzeichnet, wie man lesen müsste, merkt man, dass es schwierig wird, wenn man ein mehrspaltiges großes Bild mitten in den Artikel setzt. Der Leser muss drei Mal über das Bild springen und zwei Mal von ganz unten nach ganz oben lesen. Darum gibt es die Regel: Man darf den Leseablauf nicht unterbrechen.
    6. – Sprung von unten nach oben: Wie kann man den großen Sprung von unten nach oben vermeiden? Das Bild und die Fakten nach oben unter die Überschrift schieben. Der auflockernde Effekt ist genau so groß und man quält die Leser nicht mit Leseabläufen über Bilder.

Dieser Artikel erschien am 4. September 2020 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

04 2020 Handelsblatt

Handelsblatt neu: übersichtlich, ruhig, seriös und edel.

Am Montag, 6. Juli 2020 erschien das Handelsblatt in einem überarbeiteten Layout. Die Zeitung verwendet das halbe Nordische Format und wird geklammert. Sie hat eine verkaufte Auflage von 136.428 Exemplaren. Davon sind 79.380 epaper (IVW 1/2020). Im Vergleich zum Vorjahr ist die Abonnement-Auflage um 2,8 % gesunken.

Beim 19. European Newspaper Award wurde das Handelsblatt mit einem der vier Hauptpreise ausgezeichnet: „European Newspaper of the Year“, Kategorie überregionale Zeitung. Mehr dazu gibt es HIER.

Hier werden ein paar Seiten im alten mit dem neuen Layout verglichen. Man sieht sofort: Das neue Layout ist ruhiger und wirkt noch seriöser. Farbige Überschriften sind entfallen, runde Aussparungen für Zitate und Ergänzugnen ebenfalls. Die doppelseitige Infografik in der Heftmitte ist offenbar abgeschafft worden.

Der Web-Auftritt verwendet andere Schriften als in Print. Ein medienkonvergentes Design mit Typografie, die in Print und Web identisch ist, scheint nicht angestrebt worden zu sein.Vorbilder für medienkonvergente Typografie sind übrigens The Guardian, The New York Times, Helsingin Sanomat und die Süddeutsche Zeitung.

Insgesamt: Für die Leser gibt es keinen Grund zur Aufregung, denn die Unterschiede vorher – nachher sind nicht so gewaltig. Das Blatt wirkt übersichtlich, ruhig, seriös und edel. Das liegt durchaus im Trend.

Das besondere Highlight: Die runden Bilder sind weg. Gratulation! Sie werden derzeit fast überall benutzt. Damit kann man kein unverwechselbares Layout mehr erzeugen.

Titelseite vom 3. Juli im Vergleich zum 6. Juli 2020.

Titelseite

  1. + Der Zeitungskopf ist etwas kleiner und die Standard-Angaben stehen jetzt über dem Kopf. Dadurch wirkt der Abschluss übersichtlicher. Im Vergleich zum alten Layout wirken die Anrisse unter dem Zeitungskopf ruhiger und übersichtlicher. Nicht ganz überzeugend ist die Rückkehr der Dachzeile. Forschung zeigt: Sie wird meist nach der Überschrift gelesen, wenn überhaupt. Ein freigestelltes Bild lockert die Anrisse etwas auf und bildet einen Blickfang. Die senkrechten Linien zwischen den Anrissen sorgen für die klare Zuordnung des Bildes zum Anriss rechts.
  2. + Als innovatives Element ist senkrecht auf der Seite ein Börsenticker platziert, der einen Überblick über die Aktienmärkte gibt. Unten stehen noch drei Gewinner und drei Verlierer. Guter Service für den Leser. Vor allem gibt es der Seite ein unverwechselbares Bild. Die Börsendaten sind deutlich übersichtlicher geworden, wie man im Vergleich zur alten Ausgabe sehen kann.
  3. + Statt fünf Anrissen ohne Überschrift sind es jetzt nur noch drei mit Überschrift. In einer Blickaufzeichnungstudie konnte ich zeigen, dass kleine Textblöcke ohne Überschrift auf der Titelseite nur sehr wenige Leser haben. Andere Testmethoden zeigen das gleiche Ergebnis. Darum haben viele Zeitungen die Verweise auf Innenseiten entfernt oder plakativer gestaltet. Generell gilt: Eine Meldung mit Überschrift hat mehr Leser als eine ohne Überschrift.

Seite 2 – 3 vom 3. Juli im Vergleich zum 6. Juli 2020.

Seite 2 – 3

  1. + Die Startseiten ins Blatt wurden deutlich beruhigt. Statt der plakativen Bilder im früheren Layout gibt es jetzt ein Inhaltsverzeichnis mit mehr Text. Wie bisher werden oben die drei Ressorts genannt. Es wird außerdem je ein Artikel aus jedem Ressort mit Bild und Überschrift angerissen.
  2. + Neu ist „Meistgelesen“ aus dem Digital-Ressort. Man versucht, die Zeitung als Rundum-Angebot mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken und verstärkt darum die Verknüpfung zu den Digital-Themen und zum Newsletter. Die Rubrik rechts außen auf der Seite „Akteur des Tages“ und „Märkte heute“ unterstreichen, dass man mit diesen beiden Seiten einen Überblick über die Themen des Tages geben will.
  3. – Die Firmennamen in der Rubrik „In dieser Ausgabe“ sind extrem klein. Es gibt auch bei Fachtiteln Leserbefragungen, die zeigen, dass ein paar Leser diesen Service tatsächlich nutzen. Darum: Schrift etwas vergrößern.

Ressortstart Finanzen vom 3. Juli im Vergleich zum 6. Juli 2020.

Ressort-Start

  1. +– Der Start des Ressorts „Finanzen“ hat eine größere Schrift für den Seitentitel. Es ist eine sehr schmal laufende serifenlose Schrift, die im starken Kontrast zur breiten und fetten Überschriftentype steht. Der Weißraum im Seitentitel lockert die Seite insgesamt auf. Seitentitel müssten allerdings nicht sehr groß und sehr hoch sein, weil die Leser die Ressortangaben meist nicht lesen. Sie sind eher an den Inhalten auf den Seiten interessiert und orientieren sich an Bildern und Überschriften.
  2. + Die Kombination von Bild und Überschrift ist in diesem Beispiel sehr gut gelungen. Fotografen sehen anhand dieses Beispiels, dass Fotos im Layout große Leerflächen brauchen, damit man Überschriften hineinstellen kann. Die Schrift der Unterzeile ist in diesem Fall zu leicht. Tipp: Bei Unterzeile auf dem Bild fettere Schrift benutzen. Im alten Layout war die Überschriftentype noch schwerer und oft zweifarbig. Vorbei. Die Unterzeilen haben ebenfalls keine Fettungen mehr. Insgesamt: Beruhigende Wirkung.
  3. + Der Initial-Buchstabe ist erhalten geblieben, aber er ist nun deutlich schmaler. Man könnte ihn auch ganz weglassen, weil er nur Dekor ist. Beim nächsten Mal, bitte. Das Interview ist klassisch aufgebaut, wobei die Fragen bold aus einer serifenlosen Schrift sind und die Antworten aus dem Grundtext. Angaben zur Person stehen in einer Schiebespalte und sind grau unterlegt. Man sollte hier noch mal das Trennprogramm ansehen. Es sind zu wenige Trennungen und es gibt Trennungen an den falschen Stellen.
  4. + Das Zitat hat ein großes Anführungszeichen darüber, wie im alten Layout. Der Kreis zur Text-Verdrängung im alten Layout wurde entfernt. Er entsprach vermutlich nicht der neuen Seriosität.

Dieser Artikel erschien am 6. Juli 2020 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

03 2020 Der Neue Tag, Weiden

Kontinuierliche Weiterentwicklung

Der Neue Tag erscheint in Weiden in der Oberpfalz. Er wird im Berliner Format produziert und hat eine verkaufte Auflage von 69.642 Exemplaren (IVW 1/2020). In den letzten 10 Jahren hat die Zeitung pro Jahr ca. 1,9 Prozent der Abo-Auflage verloren. Das ist ein vergleichsweise geringer Wert.

Es gibt verschiedene Lokalausgaben, die auch einen eigenen Zeitungskopf haben, wie z.B. Amberger Zeitung und Sulzbach-Rosenberger Zeitung.

Bei der Titelseite ist auffällig, dass Aufmacherbild und der Aufmachertext aus der Region sind. Überregionale Themen wurden auf die Region heruntergebrochen.

In den letzten Jahrzehnten hat man die Zeitung regelmäßig gestalterisch überarbeitet. Der sehr schwere Zeitungskopf aus einer gebrochenen Schrift wurde vor ca. 15 Jahren durch die klassischen Versalien ersetzt. Ein guter Schritt.

Etwas kritisch sehe ich die derzeit benutzte Überschriftentype, die schmal läuft und zu enge Buchstabenabstände hat. Die Buchstaben stehen im Stau.

Bei der Gesamt-Anmutung ist man keine großen Risiken eingegangen. Das Gesamtbild wirkt gut, der Umgang mit Bildern könnte verbessert werden. Bildgrößen, Bildschnitte: Das könnte alles etwas spannender sein, wie bei den meisten deutschen Regionalzeitungen.

Seit einigen Wochen gibt es ein neues Wochenend-Magazin, bei dem auch längere Texte eingesetzt werden. Mit dem Layout von Doppelseiten tut man sich noch schwer. Darum habe ich mal kurz eine Doppelseite mit dem vorhandenen Material neu layoutet.

Titelseite

  1. ++ Kopf: Der Zeitungskopf in blauen Versalien wirkt nicht sehr eigenwillig, aber er ist zeitlos und strahlt eine gewisse Autorität und Seriosität aus.
  2. + Bild-Aufmacher: Das Thema Rassismus wird nicht mit einem amerikanischen Beispiel visualisiert, es wird vielmehr auf die Region heruntergebrochen. Die Farbe der Textbox wird immer aus dem Foto genommen. In diesem Fall aus dem Ohrring. Eine Idee, die aus dem Zeitschriftenbereich kommt und der Farbwahl ein Konzept hinterlegt.
  3. – Text-Aufmacher: Es ist der wichtigste Artikel, aber er ist nur sehr schwach bebildert. Eine gute Lösung ist der Vorspann im linksbündigen Flattersatz, weil der den Textblock auflockert.
  4. – Bild im Aufmacher: Es ist zu klein und der Bildschnitt ist links und rechts zu eng. Das Fahrzeug erkennt man nicht gut, die Tanksäule auch nicht. Besser wäre eine Infografik, die Fakten zum Thema E-Mobilität enthält. Die könnte auch einspaltig funktionieren, wenn sie nicht zu kleinteilig angelegt wird.
  5. +– Überschriftentype: Sie hat einige unverwechselbare Elemente, die sie wiedererkennbar machen. Die Buchstaben stehen allerdings arg im Stau: Die Buchstaben-Zwischenräume sind zu klein.
  6. – Randspalte: Hier werden klassisch einige Themen des Innenteils angerissen. Die Texte könnten kürzer und plaktativer sein, denn diese Hinweise werden nur wenig gelesen. Gut, dass ein Bild verwendet wird, aber das Format ist sehr ruhig. Alle einspaltigen Bilder dieser Seite sind fast quadratisch. Ein entschiedeneres Hoch- oder Querformat wäre spannender.

Magazin-Titelseite

  1. – Seitentitel: Das Wort Magazin ist etwas zu klein und zu zart im Verhältnis zur Gesamtseite. Der Bildschnitt im Anriss rechts oben ist sehr gut. ein flaches bild strahlt viel mehr Spannung aus als ein quadratisches.
  2. +– Aufmacherbild: Gut, dass es immer ein einziges großes Bild ist. Man sollte jedoch die Anmutung der Coverstory über alle Seiten gleich halten, damit der Leser den Zusammenhang sofort erkennt. In diesem Fall hätte man durch eine andere Bildauswahl einen durchgehenderen Gesamteindruck erzielen können. Beispielsweise alle Bilder farbig oder alle Bilder schwarzweiß.
  3. + Zitat: Das Zitat ist eine sehr gute Auflockerung und ein Leseanreiz für die gesamte Story.
  4. + Verweis auf Innenseiten: Der zurückhaltende Verweis auf den Beginn der Story im Innern ist sehr gut, weil dadurch das Bild noch besser zur Wirkung kommt.

Doppelseite

  1. + Überschrift: Die Überschrift ist groß genug. Sie bildet einen guten Start für den Leser. Ein Wort hervorzuheben ist möglich, da es ja nur einmal pro Woche vorkommen soll. Wenn man diese Besonderheit nämlich zu oft einsetzt, wirkt sie nicht mehr.
  2. – Aufmacherbild: Es wäre ein sehr schönes Hochformat, denn der Hintergrund links und rechts ist nicht sehr spannend. Durch ein steil geschnittenes Hochformat würde die Seite viel mehr Spannung und Modernität bekommen.
  3. +– Zitate: Sie sind eine gute Auflockerung, aber durch die Weißfläche darüber und darunter entsteht ein sehr ruhiger Gesamteindruck. Unspannend.
  4. +– Zwischenzeilen: Gut, dass sie da sind, denn bei der Textlänge kann eine Gliederung nicht schaden. Nicht so gut: Sie sind immer einzeilig und relativ klein. Zweizeilige und etwas größere Zwischenzeilen würden die Seite besser gliedern.
  5. – Seitenlayout: Die Bildverteilung im Dreieck ist zwar richtig, aber die Seite wirkt insgesamt ziemlich voll. Ich habe mal eine rote Linie eingezeichnet. Gerade bei Doppelseiten hat es sich als günstig erwiesen, den Text an einer Achse zu orientieren. Bilder können oben hinausragen. Dadurch kommt dann auch der Weißraum zur Geltung.
  6. +– Ergänzungen: Gut, dass sie da sind, denn hier werden Fakten präsentiert. Sie werden etwas in die Ecke geschoben. Auf der rechten Seite links unten wären die fünf Fragen besser untergebracht, eventuell würde dann ein Bild wegfallen. Außerdem sollte man den Interviewpartner unbedingt abbilden und eventuell ein Zitat unter das Porträtbild stellen.

Rasch neu layoutet

Ich habe diese Doppelseite mal kurz neu gemacht. Dabei habe ich das vorhandene Material benutzt und mir ein Foto der Professorin besorgt. Die waagerechte Achse wirkt gut und das größere Bild bringt nun einen Schwerpunkt auf die Doppelseite. Ein Zitat habe ich oben neben das Bild gesetzt, eines weggelassen. Ich habe nicht den Eindruck, dass hier weniger Text drauf ist als auf der Originalseite. Die Bildtexte habe ich nicht eingebaut, sie sollten aber natürlich nicht fehlen.

Dieser Artikel erschien am 2. Juli 2020 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

02 2020 Der Achte, Wien

„der Achte“ ist erstmals im März 2020 in Wien erschienen. Die Macherinnen wollen eine Zeitung für die Wiener Josefstadt machen – das ist der achte Bezirk. Der Stadtteil hat 25.500 Einwohner. Die Zeitung erscheint vierteljährlich im Berliner Format.

Unter www.derachte.at gibt es auch einen Online-Auftritt. Das Design ist medienkonvergent, denn in Print und Online werden ähnliche Schriften, Farben und Layoutelemente benutzt.

Im Editorial heißt es: „Bleib in der Josefstadt“ ist das Motto unserer neuen Lokalzeitung ‘der Achte‘. Und aktuell ist es auch die Devise, um bald wieder Corona-frei zu sein! … ‘der Achte‘ will die Kulturschaffenden der Josefstadt vor den Vorhang holen und die vielen Initiativen vor Ort sichtbar machen.“ Teile des Textes sind ins Englische übersetzt worden, um das internationale Publikum im Stadtteil ansprechen zu können.

Gestalterisch hat die Zeitung ein hohes Niveau. Es wird Zeitschriftendesign im Zeitungsformat angewandt. Themen werden oft über Doppelseiten umbrochen. Kleine Meldungen stehen links und rechts außen.

Insgesamt: Inhalt und Design harmonieren perfekt.

Titelseite

  1. + Zeitungskopf: Die schmallaufende Schrift wird oben und unten stark angeschnitten. Dadurch entsteht ein unverwechselbares Logo. Die hellgraue Zahl Acht rechts und das vierfarbige Wappen sind eher überflüssig.
  2. + Anrisse oben: Die vier Anrisse haben große Fotos, auf denen jeweils eine Person zu sehen ist. Gut, denn Menschen interessieren sich am meisten für Menschen.
  3. + – Aufmacher: Sehr guter Bildschnitt, sehr gute Anordnung der Schrift auf dem Bild. Nicht ganz überzeugend, dass das größte Bild unter dem Bruch steht. Die obere Hälfte der Seite zeigt aber immerhin die Vielfalt der Themen im Blatt.
  4. – Anrisse unten: Die Überschriften sind sehr kurz und damit inhaltsleer. Gut ist, dass die Seite unten einen ruhigen Abschluss hat.
  5. + Seitenlayout: Darf man einen Zeitungskopf so tief stellen? Aufmacher unter dem Bruch? Die reine Lehre ist es nicht, aber es entsteht ein innovativer, unverwechselbarer Gesamteindruck.
  6. + Grundschrift: Die Titelseite ist sehr plakativ. Es ist so gut wie kein Grundtext drauf. Mit der Grundschrift Arno Pro hat man eine gute Wahl getroffen. Die Schrift wirkt klassisch und ist damit passend für Kultur und sie ist trotzdem auch auf Zeitungspapier sehr gut lesbar.

Innenseite

  1. + Seitentitel: Der Leser sieht zuerst das große Bild, dann die rote Überschrift. Daher ist der Seitentitel unbedeutend. Die 24 Seiten sind in einer logischen Reihenfolge konzipiert. Seitentitel spielen dabei keine hervorragende Rolle. Ein nettes Detail sind die Seitenzahlen, die immer rechts stehen.
  2. + Fotografie: Das Aufmacherbild ist groß genug für die Doppelseite. Sehr guter Blickfang, sehr guter Bildschnitt.
  3. + Überschriften-Apparat: Unter der roten Überschrift folgt ein Vorspann. Der Grundtext beginnt auf der rechten Seite mit einem Initial-Buchstaben. Ein typisches Zeitschriften-Layout im Zeitungsformat.
  4. + Meldungen außen: Ein Klassiker, der bei den meisten Zeitungen weltweit eingesetzt wird: Meldungen stehen links und rechts außen. Das ist nicht sehr innovativ, aber übersichtlich. Die quadratischen Bilder schaffen Weißraum. Auf der linken Seite hätten die Bilder auch links außen stehen können, um Kollisionen mit Bildern im Aufmacher zu vermeiden. Sehr gut sind die Online-Verweise zu Behörden und Anbietern, beispielsweise Blumenläden.
  5. + Spaltenbreite: Dreispaltiger Umbruch im Berliner Format ist nicht typisch für Zeitungen, aber die Spaltenbreite von ca. 80 mm ist bequem zu lesen. Ähnliche Spaltenbreiten findet man bei Zeitschriften oder Büchern. Der Initial-Buchstabe hätte größer sein können, die Zwischenzeilen ebenso.

Dieser Artikel erschien am 2. Juli 2020 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

01 2020: Der Spiegel Online

Aus Spiegel Online wird Der Spiegel

Im Januar 2020 wurde aus Spiegel Online Der Spiegel. Die Website wurde neugestaltet und typografisch dem gedruckten Spiegel angeglichen. Nach außen ist es eine normale Weiterentwicklung, die in regelmäßigen Abständen gemacht wird, um gestalterisch up-to-date zu bleiben. Nach innen war es aber ein starkes Signal: Die Onliner werden anerkannt und unter die Fittiche der Marke Der Spiegel genommen. Ein Zeichen der Gleichstellung von Print und Online.
Die typografische Angleichung an das gedruckte Medium ist keine neue Idee. The Guardian, The New York Times, Süddeutsche Zeitung – all diese Marken haben eine medienkonvergente Typografie. Das bedeutet: Der Leser trifft auf allen Medien-Kanälen auf die gleichen Farben und Schriften. Er fühlt sich dort heimisch. Kritisch ist beim Spiegel die Grundschrift, denn die ist nicht besonders für das Web geeignet. Eine Schrift mit größerer x-Höhe wäre besser gewesen. Die Verwendung einer Schrift mit Serifen ist sehr gut, denn sie signalisiert Seriosität und ist gut lesbar. Fazit: SpOn wird erwachsen.

Startseite

  1. + Kopf: Der Schritt von Spiegel Online zu Der Spiegel ist für die Leser unproblematisch.
    Der neue Schriftzug ist sogar einfacher als in Print. Da ist noch eine schwarze Schattenkante am Kopf. Die Hausfarbe Rot wird wie bisher medienkonvergent benutzt.
  2. – Aufmacher: Eine Eigenart des gedruckten Spiegel wird aufs Web übertragen: Aufmacher haben eine serifenbetonte Überschrift, normale Artikel bekommen auf der Startseite eine serifenlose Schrift. Unlogisch.
  3. + – Grundschrift: Auch die Startseite hat einige Zeilen Grundtext, damit die Redaktion das Thema klar formulieren kann. Die Spiegel Grundschrift wurde ursprünglich nicht für den Bildschirm entworfen. Eine andere Schrift für Print und Online mit größerer x-Höhe wäre besser.
  4. + Meinung kursiv: Es ist sehr gut, Meinung klar von Bericht zu trennen. Der Spiegel kennzeichnet Meinung nun mit kursiven Überschriften. Die runden Fotos der Autoren sind derzeit in allen Medien, wie ein Virus.
  5. + Anzeigenplatz: Rechts unter dem Aufmacher ist Platz für eine Anzeige. In unserem Beispiel ist es eine für eine Lotteriegesellschaft. Die Platzierung ist nicht störend.
  6. + Illustrationen: Feste Rubriken, wie die Lage am Morgen, die Lage am Abend, die neue Bildungsplattform Spiegel Ed werden durch eigens angefertigte Illustrationen gekennzeichnet. Sehr gute Lösung. Würde auch Gerichts-Reportagen gut kennzeichnen.

Innenseite

  1. + Seitentitel: Der Leser sieht oben vor allem einen roter Balken. Die Ressort-Angabe darin ist sehr klein. Das ist richtig, weil die Leser an Inhalten interessiert sind und sofort auf das größte visuelle Element schauen: Das Foto.
  2. + Fotografie: Der Bildschnitt bei Donald Trump ist okay. Auf der Startseite war er mehr aufs Gesicht konzentriert. Natürlich ist die Perspektive von unten kommentierend zu verstehen: Du kleiner Leser triffst auf den Beherrscher der Welt. Das wird aber nicht bewußt wahrgenommen.
  3. – Überschriften-Apparat: Da man zuerst aufs Bild schaut, sollte man es auch nach oben nehmen und die Überschrift darunter stellen. Da die Überschrift alleine manchmal wenig Inhalt bietet, braucht man eine oder mehrere Zeilen als Begleitung. Logisch wäre die Unterzeile, weil das dem normalen Leseverlauf entspricht. Der Spiegel folgt hier aber lieber seiner eigenen Online-Tradition. Nicht funktional.
  4. –– Bildtext: Beim Bildtext kooperiert der Spiegel wohl mit dem Optiker-Verband: „Du kannst die kleinen grauen Buchstaben nicht erkennen. Komm zu uns.“ Funktionaler: normal großer Bildtext in schwarz.
  5. + Typografie: SpOn hatte seit Gründung eine serifenlose Grundschrift. Nun ist es eine mit Serifen. Das wirkt nachrichtlich, seriös, wahr. Der Zeilenabstand ist gut und die Spaltenbreite kann nicht endlos breit gezogen werden. Insgesamt gut lesbar.

Dieser Artikel erschien in Heft 01.2020 des MediumMagazin.

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

04 2019 Fuldaer Zeitung

Kontinuierliche Weiterentwicklung

Die Fuldaer Zeitung wird im Berliner Format produziert und hat eine verkaufte Auflage von 36.592 Exemplaren (IVW 2/2019).

Die Zeitung wurde in den letzten Jahrzehnten immer wieder neugestaltet. Dabei wurde unter anderem der Fraktur-Zeitungskopf entfernt und der Bildanteil im redaktionellen Teil erhöht.

Bei der kürzlich durchgeführen Neugestaltung wurde die Titelseite so überarbeitet, dass immer ein großes Bild das Thema des Tages visualisiert. Es kann ein lokales, regionales oder überregionales Thema sein. Die ersten Innenseiten sind meist monothematisch angelegt, sehr locker layoutet und den wichtigsten Themen des Tages gewidmet. Oft werden Fotos, Infografiken und Faktenboxen kombiniert. Danach folgt die normale Zeitung, die manchmal durch weitere Themenseiten aufgelockert wird.

Die Überschriftentype ist etwas zu schmal und zu leicht, um die regulären Innenseiten wirkungsvoll gliedern zu können. Es entstehen Seiten mit wenigen Kontrasten, die etwas grau wirken.

Titelseite

  1. +–Zeitungskopf: Gut, dass der Kopf nicht mehr in einer gebrochenen Schrift gestaltet ist. Nicht so gut: Er wirkt leer, emotionslos und verwechselbar.
  2. + Anrisse oben: Es werden zwei Anrisse platziert. Die haben die richtige Größe, um wahrgenommen zu werden. Die Visualisierung des Themas“ fehlende Lehrkräfte“ mit einem Stück Kreide ist nicht so gelungen.
  3. + Aufmacher: Die Nahaufnahme des Fleischstücks ist sehr gut mit der Überschrift „Soll Fleisch teurer werden?“ kombiniert. Die Ortsangabe Berlin beim Vorspann unten wirkt überflüssig.
  4. – Meldungsleiste: Es werden vier Meldungen und die Frage des Tages platziert. Die Überschriften sind zweizeilig und manchmal sinnleer: zum Beispiel „Leidenschaft, Musik und Familie“. Besser: Statt Überschrift und sechs Zeilen Text nur fünf- bis sechszeilige Anrisse in Größe des Vorspanns. Erleichtert das Formulieren.
  5. + Kommentar: Gut, dass bereits auf der Titelseite ein eigenes Meinungselement steht. Es ist erfrischend kurz und bündig. Nicht so gut, dass die Kennzeichnung durch einen Rubrikenkopf fehlt.
  6. – Aus der Region: Unten links ist ein Fremdkörper. Es ist der Platz für eine Anzeige. Der redaktionelle Platzhalter mit einem regionalen Anriss passt nicht ins Gesamt-Layout.

Innenseite

  1. + Seitentitel: Bei der Fuldaer Zeitung steht das Thema des Artikels oft im Seitentitel. Das ist eine saubere Lösung. Der Leser wird den Seitentitel allerdings nur dann ansehen, wenn er aus Bild und Überschrift noch nicht das Thema der Seite erkennen konnte.
  2. + Überschriften-Apparat: Der Ablauf Überschrift – Unterzeile ist sehr funktional. Auf den regulären Innenseiten hat man den Eindruck, dass die Überschriftentype zu schmal und zu leicht ist. Der Vorspann ist ebenfalls sehr leicht. Dadurch fehlt dem Artikel ein Element der Auflockerung.
  3. + Aufmacherbild: Ein sehr gut geschnittenes Hochformat. Es fehlt allerdings der Bildtext.
  4. + Unterschiedliche Spaltenbreiten: Der Aufmacher ist links eingezogen, unten sind sieben Spalten. Die Variation der Spaltenbreiten wirkt auflockernd.
  5. + Grundschrift: Die Grundschrift ist groß genug. Der Zeilenabstand könnte größer sein.
  6. – Gliederung im Text: Bei diesem Beispiel hätte ein Zitat in der Mitte des Dreispalters sehr auflockernd gewirkt.
  7. + Ergänzungen: Unter dem Artikel steht eine Ergänzungsbox und zwei Infografiken. Diese Präsentation der Fakten ist ein guter Service für die Leser.
  8. + Sieben Fragen: Die Redaktion hat durch sieben Fragen und Antworten das Thema für die Leser erschlossen. Man erfährt in dieser Zeitung mehr zum Thema als in anderen Medien. Sehr gut: Die Antworten sind unterschiedlich lang. Es entsteht ein aufgelockertes Layout.

Dieser Artikel erschien in Heft 4.2019 des MediumMagazin.

Norbert Küpper

Aktualisierung

Im Dezember 2019 erhielt die Fuldaer Zeitung beim 21. European Newspaper Award eine Judges‘ Special Recognition. Hier sind einige Beispiele aus dem Jahrbuch und die Jury-Begründung.

Jury-Statement
Innovation ist das Stichwort der Fuldaer Zeitung. Man will die gedruckte Zeitung stärken und setzt auf eine starke visuelle Präsentation der Inhalte. Die guten journalistischen Themen sollen nicht nur gut geschrieben sondern auch adäquat visuell präsentiert werden.
Jeden Tag wird ein einziges Aufmacherthema gewählt und auf der Titelseite durch ein dominierendes Foto gezeigt. Auf den folgenden Seiten wird dieses Thema des Tages in einer Kombination aus Texten, Fotos und Infografiken präsentiert. Es kann ein lokales, regionales oder überregionales Thema sein.
Die Fuldaer Zeitung weicht damit konsequent vom Aufbau vergleichbarer Zeitungen ab und schafft eine für Regionalzeitungen ungewöhnliche Magazin-Atmosphäre. Zweifellos ein Vorbild für Zeitungen in Europa.

Thema Arktis-Expedition
Die Expedition des Forschungsschiffs Polarstern wird zur Coverstory gemacht. Titel- und Innenseite sind bildbetont. Auf der Innenseite wird der Artikel auf das seitenfüllende Foto gelegt.

Fisch auf den Tisch
Mit diesem Wortspiel beginnt die Zeitung die Coverstory zum Thema Fisch. Die Innenseite hat in der Mitte eine Tabelle mit den beliebtesten Speisefischen.

Wespenplage abgesagt
Die Themenseite wird eingeleitet durch eine große Abbildung einer Wespe. Sehr übersichtlich: Erläuterungen werden rund um das Foto platziert. Am Fuß der Seite werden fünf Fakten über Wespen genannt: Nester, Allergie, Trauben, Hornissen und Behandlung sind die Stichworte.

Die Rückkehr des Bibers
Ein schwimmender Biber bildet den Startpunkt auf der Seite. Rechts ist eine filigrane Infografik, die die 26 Biberreviere an der Fulda zeigen.

Mangelware Bademeister
Die ganze Seite ist mit einem Unterwasserfoto aus einem Schwimmbad unterlegt. Oben sieht man die Beine von Besuchern im Wasser baumeln. Gute Visualisierung und liebevolle Aufbereitung des Themas.

Dieser Artikel erschien in Heft 4/2019 des MediumMagazin. Ergänzung am 2. Juli 2020 auf www.editorial-design.com

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

03 2018 Berliner Zeitung

Berliner Zeitung: Blattkritik erschienen in Heft 3/2018 MediumMagazin

Die Berliner Zeitung erscheint im Rheinischen Format und hat eine verkaufte Auflage von 92.263 Exemplaren. Die Zeitung erschien Anfang April erstmals inhaltlich und gestalterisch überarbeitet.
Es wird mehr Weißraum eingesetzt, die Grundschrift wurde vergrößert. Die Zeitung wird besser lesbar. Gleichzeitig werden öfter Überschiften in Artikel hineingesetzt, so dass man den Beginn nicht so gut findet. Manche Überschriften sind außerdem so kurz, dass sie keinen Inhalt mehr haben. Da sollte man rasch zu bekannten journalistischen Regeln zurückkehren: Eine Überschrift sollte einen Inhalt haben.
Die Samstags-Ausgabe wurde erweitert. Es gibt mehr lange Lesegeschichten. Insgesamt konzentriert sich die Zeitung noch mehr auf Berlin und auf mehr Service für die Leser vor Ort.
Insgesamt: Die Tageszeitung wird mehr und mehr zur täglichen Wochenzeitung. Das ist konsequent, denn das Tagesgeschehen findet man Online.

Titelseite vom 14. April 2018

Titelseite

  1. + Kopf: Der Zeitungskopf selbst ist seit Ende der neunziger Jahre unverändert. Er strahlt Tradition aus. Über dem Kopf ist nur ein Anriss. Den hätte man auch weglassen können. Der Hinweis „Am Wochenende“ signalisiert, dass ein Unterschied zur normalen Tageszeitung gemacht wird.
  2. – Wetter: Die Wetter-Piktogramme sind extrem klein. Sieht nach einem Kompromiss aus: Redaktion will Wetterhinweis, Gestalter machen ihn ultraklein. Beste Lösung: Weglassen.
  3. + Bild-Aufmacher: Die plakative Gestaltung ist im Prinzip richtig. Die Überschrift bei diesem Artikel ist etwas kurz. Sie hätte mehrzeilig sein können. Motto: Mehr Inhalt wagen!
  4. – Anrisse: Rechts wird auf drei Sektionen hingewiesen: Magazin, Sport und Berlin. Das ist so kleinteilig, dass man es wohl kaum lesen wird. Auf der Titelseite über dem Bruch sollte man doch eher plakativ arbeiten. Die Idee, eine Anzeige dort zu platzieren, ist nicht so gut, weil man Inhalt und Gestaltung nicht beeinflussen kann.
  5. – Text-Aufmacher: „Trumps Welt“ ist als Überschrift zu kurz. Warum soll man das jetzt lesen? Das kleine Foto unten ist völlig nichtssagend. Ein gravierendes Problem ist, dass man die Überschrift weit weg vom Textanfang positioniert hat.
  6. – Auflockerung: Eine Auflockerung, beispielsweise durch ein Zitat in der Mitte des zweispaltigen Textblocks, hätte nicht geschadet.
  7. + Anzeige unten: Die flache Anzeige über die volle Breite der Seite ist ein guter Abschluss unten. Sie stört das Seitenlayout nicht.

Seite 19 der Berliner Zeitung vom 14. April 2018.

Innenseite

  1. – Seitentitel: Der Seitentitel hat die gleiche Höhe wie der Zeitungskopf auf der Titelseite. Hier ist nun einiges zu viel an Weißraum.
  2. – Anrisse: Es ist fraglich, ob Anrisse am Beginn eines neuen Buches funktionieren. Die Leser blättern ja normalerweise die Zeitung durch. Also werden ihnen die interessanten Stories im Innern schon auffallen. Darum: Diese Anrisse eher weglassen.
  3. – Überschrift: Die Formulierung „Aloha in Mitte“ ist zwar kurz, aber sie macht neugierig. Die Überschrift wirkt dort etwas eingeklemmt. Mehr Weißraum wäre gut gewesen.
  4. + Visualisierung: „Aufgetischt“ ist der Name der neuen Rubrik. Es werden Restaurants vorgestellt. Die Visualisierung mit dem halbierten Topf ist sehr passend und ein guter Blickfang.
  5. + Auflockerung: Autorenbild und Name der Rubrik sind eine gute Auflockerung.
  6. +– Service-Element: Am Ende des Artikels ist eine Landkarte, die zeigt, wo das Restaurant in Berlin ist. Eine bessere Abtrennung vom Artikel, z.B. durch einen Rubrikenkopf, wäre sinnvoll gewesen. Landkarte von ganz Berlin: Es dürfte die kleinste Landkarte Berlins sein, die jemals publiziert wurde. Gratulation!
  7. – Unterzeile: Die Überschrift steht links oben, die Unterzeile rechts unten. Konsequent, aber nicht funktional. Diese Info wird eher nach Ende der Lektüre gelesen.

Dieser Artikel erschien erstmals in Heft 3/2018 des mediummagazin.

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

03 2016 Frankfurter Allgemeine Woche

Frankfurter Allgemeine Woche – Von 2016 bis 2020

Die FAZ hat im April 2016 eine Wochenzeitung gestartet, die „Frankfurter Allgemeine Woche“. Der Presseinformation kann man entnehmen, dass die „Woche“ vor allem für Leser entwickelt wurde, die nicht jeden Tag Zeit haben, die Zeitung zu lesen.

Die Artikel sind eine bis maximal vier Seiten lang. Die Zeitschrift ist etwas kleiner als DIN A 4 und hat 66 Seiten. Durch das dünne Papier wirkt das Heft sehr dünn. Man scheint sich gestalterisch eher am „Economist“ zu orientieren, der eine ähnliche Haptik aufweist. Bisher erfolgt die Visualisierung der Coverstory durch eine Illustration.

Insgesamt ein recht dünnes Produkt, das inhaltliche Qualität liefert, aber gestalterisch etwas unterentwickelt wirkt.

Nachtrag: Mitte 2020 wurde das Produkt eingestellt. Es wurde hier bereits 2016 ziemlich schlecht bewertet. Zitat: „Man wird viel Geduld brauchen, um diese Zeitschrift zum Erfolg zu führen.“ Vier Jahre für dieses Projekt zeigen, dass man viel Geduld hatte.

Titelseite

  1. – Kopf: Das Logo der FAZ aus der gebrochenen Schrift steht über den fünf Großbuchstaben „WOCHE“. Da passt nichts zusammen. Die Illustration läuft immer unter dem Schriftzug lang und macht ihn teilweise schlecht lesbar. Besser: Kopf auf eine weiße Fläche stellen. Dann ist er immer gut lesbar.
  2. + Titelthema und Überschrift: Abbildung und Überschrift sind gut aufeinander abgestimmt: Flagge Europas, Engländer zerschlägt einen der Sterne mit einem Hammer, dadurch bekommt der Hintergrund Risse. Überschrift „Zerbricht Europa?“. Passt alles gut zusammen.
  3. – Lesbarkeit: Die kleineren Überschriften rechts sind durch die schmallaufenden Großbuchstaben sehr schlecht lesbar. Die Dachzeilen sind etwas zu klein und noch schlechter lesbar. Besser: Groß- und Kleinschreibung benutzen.
  4. – Roter Button: Bei einer neuen Zeitschrift steht immer ein roter Button mit dem Wort „Neu“. Die FAZ folgt ebenfalls dieser Idee. Die Unterzeile im Button „Kompakt & fundiert“ könnte als Motto unter dem Zeitungskopf stehen. Wer soll diesen ca. 10 Punkt großen Hinweis am Kiosk sehen?
  5. – Deal or no Deal?: 3,50 Euro soll man für ein Exemplar bezahlen. 66 Seiten plus Umschlag. Neue Zeitschriften treten am Kiosk wesentlich üppiger an. Sie haben viel mehr Seiten, dickeres Papier und sind optisch viel aufwändiger gestaltet. Man wird viel Geduld brauchen, um diese Zeitschrift zum Erfolg zu führen.

Innenseite

  1. – Coverstory: Auf Seite 18 und 19 wird die Coverstory präsentiert. Auch hier wird eine Illustration zur Visualisierung gewählt. Die Größe der Abbildung, der zweispaltige Umbruch: Insgesamt sehr unspannend. Im Inhaltsverzeichnis steht an diesem und zwei anderen Artikeln ein rotes Fraktur-F. Ein Nachdruck aus der Print-Ausgabe? FAZ-Exklusiv? Es wird nirgends erklärt.
  2. – Überschrift und Leseablauf: Es wäre ja einfach, die Überschrift links über zwei Spalten zu führen. Macht man aber nicht. Sie ist einspaltig und nach rechts gerückt. Dadurch braucht man links oben einen Initialbuchstaben, um klar zu machen, dass da der Artikel beginnt. Der Initialbuchstabe ist sehr klein. Er hätte ja so groß sein können wie die Überschrift.
  3. – Grundschrift: Die Grundschrift ist etwas zu klein. Die Spaltenbreite von 82 mm ist nicht schlecht, weil man Text in dieser Breite besser lesen kann als in schmaleren Spalten.
  4. – Papier: Das Papier ist sehr dünn und glänzend. Derzeit nimmt man eher mattes Naturpapier. Zeitschriften wirken dadurch teurer, edler und nicht wie Wegwerfprodukte. Das dünne Papier führt dazu, dass die Seiten durchscheinend sind, was die Lesbarkeit noch mehr reduziert.
  5. + Weißraum: Es gibt genug Weißraum am Papierrand und unter der Überschrift. Durch Weißraum wirkt ein Produkt edler. Gehen Sie durch einen modernen Supermarkt, werden sie viele Breite Gänge entdecken. Das Einkauf macht mehr Spaß. Er wird zum Erlebnis. Die Supermärkte haben verstanden.

Dieser Artikel erschien in Heft 3.2016 des MediumMagazin.

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

01 2014 ADAC Motorwelt

ADAC Motorwelt – Layouttipp, erschienen in Heft 1/2014 im MediumMagazin

Die „ADAC Motorwelt“ hat eine gigantische Auflage: 13.880.917 Exemplare (IVW 4/13). Alle sind abonniert und gehen an die Mitglieder. Es gibt keinen Einzelverkauf am Kiosk. Es ist immer fraglich, ob Mitglieder-Magazine überhaupt konsumiert werden oder ungelesen in den Altpapier-Container wandern. Die geringe Beteiligung an dem Autopreis „Gelber Engel“ deutet darauf hin, dass nur wenige Mitglieder das Heft auch wirklich lesen. Da liegt es nahe, eine leserfreundliche Neugestaltung zu machen, die einen Schwerpunkt auf Nutzwert und kleine Informationseinheiten legt. Genau das wurde mit der vorliegenden Überarbeitung gemacht. Natürlich ist es ein Zufall, dass die erste neue Ausgabe mitten in eine Krise des ADAC fällt, weil so eine Neugestaltung einige Vorbereitungszeit braucht.

Titelseite

  1. + Schriftzug: Der Name Motorwelt wird auf weißen Grund gestellt. Dadurch wird garantiert, dass er immer gut lesbar bleibt. Es gibt tausende von Zeitschriften, bei denen der Schriftzug teilweise unsichtbar wird, weil das Bild im Hintergrund helle und dunkle Partien aufweist. Die ADAC Motorwelt hat jetzt eine sehr einfache und gute Lösung. Vorbildlich.
  2. – ADAC: Die Zeitschrift heißt ADAC Motorwelt und das Logo wird davor gebaut. Der Name ADAC wird verschwindend klein. Keine gute Lösung.
  3. + Aufmacher: Es ist eine gute Idee, das Cover so gelb wie die Farbe des ADAC zu machen und das Logo darin fast verschwinden zu lassen. „Die Krise als Chance“ dreht das ema in eine postive Richtung.
  4. + Kleiner Freisteller: Als Kontrast zu der großen gelben Fläche rollt unten links ein „Gelber Engel“, ein Pannenhelfer-Fahrzeug, in die Seite. Das ist es, was die meisten Mitglieder wollen: Pannenhilfe im Notfall. Insgesamt ist diese Titelseite eine gute Lösung.
  5. + Aufkleber: Manche Zeitschriften werden in durchsichtigen Kunststoff-Folien geliefert. Bei 13.880.917 Stück ein Kostenfaktor und eine ziemliche Umweltverschmutzung. Der Adress-Aufkleber wird darum direkt auf die Titelseite geklebt. Man kann ihn problemlos abziehen. Es bleibt allerdings ein Klebstoffrest auf dem Cover sichtbar.
  6. – Barcode: Die Platzierung ist nicht schlecht. Aber der Barcode stört nach wie vor. Einige wenige Zeitschriften – Der Spiegel beispielsweise – stellen ihn in den Kopfbereich. Merkwürdigerweise wird er dort nahezu unsichtbar. Es gibt außerdem noch schmalere Barcodes.

Innenseite

  1. – Doppelseite: Die Doppelseite liegt im Ressort Auto & Innovation. Es gibt noch die Ressorts Sicher & Mobil, Reise & Freizeit und Mein Club. Die Ressorts beginnen mit kleinteiligen Startseiten. Diese Aufteilung ist bereits seit den neunziger Jahren im Gebrauch und eigentlich überholt. Man arbeitet bei Zeitschriften eher mit doppelseitigen großen Stories als Unterteilung.
  2. – Farbleitsystem: Es wird ein Farbleitsystem eingesetzt, das aus den Farben Rot, Blau, Grün und Gelb besteht. Die hier gezeigte Doppelseite liegt im roten Ressort. Initial-Buchstaben, Zwischenzeilen usw. werden je nach Ressort anders eingefärbt. Problem: Die Leser können sich die Farben und Ressorts nicht merken. Daher ist ein Farbleitsystem sinnlos.
  3. – Fotografien: Beim Aufmacher werden drei Fotos gezeigt. Es sind nur zwei Bildtexte da. Der unter dem unteren Bild lautet: „Außen hui, innen pfui. Zu viele Tasten in einem zerklüfteten Armaturenbrett.“ Es wird sehr klein abgebildet und es liegt in der Heftmitte, wo es zerteilt wird. Da ist nicht viel zu erkennen.
  4. – Grundschrift: Der Zeilenabstand ist gut, aber die Grundschrift ist sehr sehr klein. Man darf gespannt sein, ob hier nachgebessert werden muss. Das würde immerhin beweisen, dass die Zeitschrift gelesen wird!
  5. + Kleinteilige Elemente: Fast jede Seite hat in der Mitte eine schmale Spalte für kleinteilige Elemente, wie Zahlen, Infografi ken und kleine Erläuterungen. Nach zwei bis drei Ausgaben finden die meisten Redaktionen diese Elemente ziemlich anstrengend und es werden immer weniger Auflockerungen eingesetzt. Schaun mer mal!

Dieser Artikel erschien am in Heft 1/2014 des MediumMagazin.

Norbert Küpper
nkuepper@layouttipp.de

Über den Autor

Über Norbert Küpper
1984 gründete er das Büro für Zeitungsdesign. Er hat mehr als 180 Zeitungen neugestaltet. Er arbeitet überwiegend im deutschen Sprachraum, hat aber auch Titel in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Polen, Tschechien, der Slowakei und Italien neugestaltet.

Von 1981 bis 2007 hatte er einen Lehrauftrag für Zeitungsdesign an der Fachhochschule Düsseldorf.

Zu Vorträgen und Seminaren war er an verschiedenen Hochschulen als Gastredner eingeladen, unter anderem:
– Fontys School of Journalism, Tilburg, Niederlande;
– Zürcher Hochschule der Künste ZHdK/Cast, Studiengang Audiovisuelle Medien (2019, 2020);
– Hochschule Augsburg, Fachbereich Design (2019).

1998 gründete er den European Newspaper Award. Er wird seit dem auch von ihm veranstaltet. Er findet im Jahr 2020 zum 22. Mal statt. Website www.newspaperaward.org

2003 gründete er den European Newspaper Congress. Die Veranstaltung fand in den ersten vier Jahren im Krönungssaal des Aachener Rathauses statt. Seitdem findet der Congress im Rathaus der Stadt Wien statt. Am 19. European Newspaper Congress 2018 nahmen mehr als 500 Journalisten und Verlagsmanager aus 33 Ländern teil. Im Jahr 2019 wurde der Congress umbenannt in European Publishing Congress. Er wird vom Verlag Oberauer, Salzburg, in Kooperation mit Norbert Küpper veranstaltet.

Neben seiner Tätigkeit als Zeitungsdesigner erforscht er das Leserverhalten mit einer Blickaufzeichnungs-Kamera. Aktuelle Ergebnisse sind in dem Buch Zeitungsdesign und Leseforschung dokumentiert. In dem Buch werden sechs Neugestaltungen von Küpper vorgestellt: VDI nachrichten, Stuttgarter Nachrichten, GrenzEcho (Eupen, Belgien) Mindener Tageblatt, Wirtschaftszeitungen (Österreich) und die Fachzeitung Produktion. Die Grundlage des Buches bildet ein Überblick über aktuelle Blickaufzeichnungs-Projekte. Das Buch ist in jeder Buchhandlung erhältlich. Bestellung im Bookstore der Website: HIER.

Das Buch wurde auch in englischer Sprache veröffentlicht: Newspaper Design and Reading Research.

Im Jahr 2014 war er Sprecher beim 36. internationalen Congress der SND – Society for Newsdesign – in Frankfurt am Main. Sein Thema: „Europes Creative Diversity in Print and Online“.

Im Juni 2020 war er Sprecher bei der Preisverleihung von Danske Medier in Kopenhagen. Sein Thema: „Trends im Zeitungsdesign in Europa“.