| Trends bei Buch-, Zeitungs- und Zeitschriftendesign Dieser Beitrag erschien in Auszügen in der Zeitschrift AGD Quartal Heft 3/2002. AGD Quartal ist die Zeitschrift der Allianz Deutscher Designer. Gemeinsamkeiten von Buch-, Zeitungs- und Zeitschriftendesign |
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Der Umschlag des Buches »Längengrad« vermittelt die Atmosphäre des Historischen, Wissenschaftlichen und Geheimnisvollen. Der großzügige Satzspiegel der Innenseiten vermittelt Wichtigkeit und Exaktheit. Gutes Beispiel für rundum gelungene Abstimmung von Inhalt und Design. |
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»Bastionen des Lichts« gehörte 1997 zu den 50 schönsten Büchern. Stark reduzierte Landkarten zeigen, wo die Leuchttürme stehen. Quadratische Bilder in unterschiedlichen Formaten strahlen Ruhe aus. Die schwarzweiß-Aufnahmen wirken dokumentarisch. |
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Technik der Eleganz gehörte 1999 zu den 50 schönsten Büchern. Die Doppelseite ist typisch für den Kontrast von kleinen Detailaufnahmen in schwarzweiß und großen Farbbildern. Die Typografie ist einfach, klar, übersichtlich. |
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Zeitschriften Betritt man einen Bahnhofskiosk, steht man ratlos vor der Vielfalt an Zeitschriften zu den unterschiedlichsten Themen. Gemeinsamer Trend ist aber auch hier: ausgefeilte Typografie, starke Visualisierung von Themen und verstärkter Einsatz von Infografiken. Infografiken sind im Mix der Informationskanäle relativ jung. In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts hat Otto Neurath systematisch begonnen, Zahlenmaterial bildlich darzustellen. In den achtziger Jahren kam Software für Business-Grafiken auf, die für Präsentationen Zahlenmaterial in grafische Darstellungen wie Torten, Fieberkurven oder Balken umwandelte. Diese gestalterischen Anfangsjahre sind überwunden. Vor allem bei Wirtschaftstiteln spielen professionell gestaltete Infografiken neben Texten und Fotografien eine wichtige Rolle als Informationskanal zum Leser. Natürlich müssen sich viele Zeitschriften allein über das Titelbild am Kiosk verkaufen. Man muß offenbar das Thema der Zeitschrift erkennen können. Überraschende Cover, ungewöhnliche Motive sind eher selten. Eine Frauen-Zeitschrift muß offenbar ein Porträtbild einer Frau haben, Mens Health muß einen Mann mit Waschbrett-Bauch auf dem Cover haben, sonst wird dieser Titel wohl nicht eindeutig erkannt. Ergänzt werden die visuellen Kennzeichen der Zeitschriften-Cover durch eine mehr oder weniger große Anzahl von Überschriften, die meist wirr um das Hauptmotiv herum arrangiert werden. Durch die zunehmende Enge an Kiosken gibt es den Zwang, den linken Teil der Zeitschrift stärker mit Texten zu versehen, um überhaupt Themen des Heftinneren sichtbar machen zu können. Gerade bei Zeitschriften-Covern wäre eine größere visuelle Klarheit, Einfachheit und Konzentration aufs Wesentliche oft besser. Gerade bei Zeitschriften merkt man, dass die Designer von der Redaktion überfahren werden. Da man keine genauen Kenntnisse über das Leserverhalten hat, macht man das, was alle machen und stellt möglichst viele Überschriften auf das Cover. Sicher eine Fehlentwicklung. Durch den Börsen-Boom hat die Wirtschafts-Presse in den letzten Jahren einen rasanten Aufschwung genommen, der im Moment durch die Börsen-Abstürze in einen Abschwung übergeht. Als Innovation sind typografisch geprägte Cover entstanden. Im Innern vieler Wirtschaftstitel findet sich heute vorbildliche Ordnung und Übersichtlichkeit. Ein relativ neuer Trend ist auch, die Zeitschrift in verschiedene Sektionen zu gliedern und jeweils mit einer anderen Farbe zu versehen. Im Heft-Innern findet man Sektionstitel mit kurzen Texten und danach wieder längere Strecken. Durch die Gliederung der Zeitschrift in Sektionen werden vor allem seitenstarke Titel gut gegliedert und für den Leser übersichtlicher. Während bei gleichförmigen Artikellängen ungefähr bei der Heftmitte Ermüdungserscheinungen beim Leser auftreten dürften, erhält er bei Zeitschriften mit Sektionen immer wieder einen Neustart: kurze Elemente werden von langen abgelöst, Langeweile wird vermieden. |
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Ungewöhnlicher Bildschnitt wie bei dieser Österreichischen Zeitschrift, wirkt am Kiosk als starker Blickfang. |
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Ungewöhnlicher Schnitt und viele Nuancen in den Farbtönen heben dieses Cover der französischen Zeitschrift Madame Figaro ab von allen anderen. |
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Extreme Vergößerung eines Details schafft ein spannendes Cover für die italienische Zeitschrift Donna. |
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Man kann sich durch konsequent innovative Visualisierung von anderen Zeitschriften abheben, wie dieses Cover von Max zeigt. Sehr gut ist auch die Abstimmung der Farben im Motiv und in der Typografie. |
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Modetitel müssen offenbar ein Porträtbild haben und am Rand möglichst viele Überschriften. Von guter, lesbarer Gestaltung kann keine Rede sein. Sicherlich wird aber Vielfalt signalisiert und damit Kaufentscheidungen beeinflußt. |
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Der Trend zu typografisch geprägten Covern kommt aus der Wirtschafts-presse, weil es oft schwierig ist, abstrakte Themen mit Bildmaterial zu versehen. Die Typografie in Versalien und einem Goldton signalisiert Reichtum, Wohlstand. Das Thema wird beim Manager Magazin sehr gut visualisiert. |
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Nicht nur Wirtschaftstitel haben verstärkt tyografisch geprägte Cover. Auch die Zeitschrift Art setzt auf visuelle Klarheit durch Typografie. |
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Das Wort »Peace« stellt das Green Peace Magazin ins Zentrum seines Covers. Schwerpunkt dieser Ausgabe ist der Besuch von George W. Bush in Deutschland. |
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Die Fotoreportage aus der Zeitschrift Mare wirkt durch die Schwarzweiß-Aufnahmen besonders dokumentarisch. Der Start wird mit einem doppelseitigen Foto gekennzeichnet. Auf den weiteren Seiten wird mit unterschiedlichen Bildgrößen und viel weißer Fläche gearbeitet. |
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Durch Fotos in ungewöhnlicher Perspektive, Detailaufnahmen und eine technisch anmutende Typografie wird bei der Fotoreportage aus der Zeitschrift Motorrad die Zielgruppe sehr gut angesprochen. |
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Zeitungen Generell geht es beim Zeitungsdesign weniger um schnell wechselnde Trends sondern mehr um die Verbesserung der Lesbarkeit und Leserführung innerhalb der Zeitung. Die Titelseite wird dabei als Schaufenster für das ganze Produkt aufgefaßt. Vor allem skandinavische Titel haben genaue Inhaltsverzeichnisse und ein einziges prägnantes Aufmacherbild auf der Titelseite. Neue Ressorts erhalten größere Seitentitel und einige Zeitungen haben auch Farbleitsysteme eingeführt, um den Leser effektiv zu den Themen zu führen, die ihn interessieren. In ganz Europa ist ein Trend zu Farbbildern sichtbar. Man will auch nicht viele Bilder auf einer Seite haben, sondern nur wenige große und gut geschnittene Bilder verwenden. Leserbefragungen und Tests, z. B. mit der Blickaufzeichnungskamera dienen bei Neugestaltungen dazu, die Zeitung auf die Bedürfnisse des Lesers auszurichten. Es hat sich z.B. gezeigt, dass Kästen um einen Artikel nicht zu einer größeren Nutzung durch den Leser führen. Es gibt daher einige Zeitungen, die kastenfrei sind. Tests zeigen auch, dass Leser längere Artikel nicht lesen. Darum gibt es in ganz Europa den Trend zu Themenseiten. Dabei wird ein einziges Thema in verschiedenen Artikeln, Bildern und Infografiken dargestellt. Besonders beeindruckend ist dabei die italienische Zeitung Corriere della Sera. In der Typografie versucht jede Zeitung, ein eigenes unverwechselbares Erscheinungsbild zu erzielen. Es gibt daher im Überschriften-Bereich eine große typografische Vielfalt. Im Trend liegt also nicht eine bestimmte Schrift, sondern möglichst eine individuelle und unverbrauchte Schrift. Bei der Zeitung Sonntag Aktuell aus Stuttgart wird z. B. seit einiger Zeit die Polo als Überschiftentype benutzt. Es ist die einzige Zeitung der Welt, bei der diese Schift benutzt wird. |
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Die Titelseite wird zum Schaufenster der Zeitung. Wesentliche Inhalte werden hier angerissen. Farbleitsysteme leiten den Leser durch die Zeitung. |
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Der Gewinner der amerikanischen Präsidentschaftsfwahl war lange Zeit unklar. Die Fotos der Westdeutschen Zeitung visualisieren die Situation perfekt. |
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Informationsgrafiken stellen Zahlenmaterial visuell dar. Bei diesem Beispiel unterstützt das Foto des deprimierten Managers Ron Sommer den Inhalt der Infografik. Prima Visualisierung. |
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Extreme Bildschnitte lenken den Blick des Lesers, machen neugierig. Bei konsequenter Nutzung geben extreme Bildschnitte der Zeitung einen unverwechselbaren Charakter. |
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Die norwegische Zeitung Sandefjords Blad entspricht dem skandinavischen Ideal. Die Aufschlagseiten der Bücher haben einen größeren Kopf. Ein dezentes Farbleitsystem führt den Leser durch die Zeitung. Ein einziges großes Bild dominiert jede Seite. |
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Bei Sonderseiten, wie dieser Seite aus Norrköpings Tidningar, Schweden, wird mit viel weißer Fläche und unterschiedlichen Bildgrößen gearbeitet. |
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| Zusammenfassung Bei allen drei Mediengattungen befindet sich die Typografie auf hohem Niveau. Eine große Vielfalt von Schriften wird eingesetzt, neue Schriften werden sofort aufgegriffen und erprobt. Die Bedürfnisse der Leser werden berücksichtigt und bestimmen mehr und mehr die gestalterische Richtung von Printprodukten. Es ist kein Trend zu gestalterischem Chaos, besonders unlesbaren typografischen Experimenten oder gestalterischem Laienspiel sichtbar. Insgesamt ist eine gleichmäßige Weiterentwicklung in den letzten Jahren bei allen drei Medien sichtbar. |
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| Buchtipps: Buchdesign: Katalog (jährlich) »Die schönsten deutschen Bücher«, Stiftung Buchkunst, Frankfurt am Main und Leipzig, Homepage: www.stiftung-buchkunst.de Zeitschriftendesign: Magazines Inside & Out, Steven Heller & Teresa Fernandes, Nippon Shuppan Hanbai Deutschland GmbH 1996, ISBN 3-910052-76-2 Magazine Design that Works, Stacey King, Rockport Publishers, Gloucester 2001, ISBN 1-56496-758-1 Zeitungsdesign: Zeitungsdesign 1, Die Ergebnisse des ersten European Newspaper Award, Norbert Küpper, Büro für Zeitungsdesign, Meerbusch 2000, ISBN 3-00-005640-8 Zeitungsdesign 2, Die Ergebnisse des zweiten European Newspaper Award, Norbert Küpper, Büro für Zeitungsdesign, Meerbusch 2001, ISBN 3-00-008517-3 Zeitungsdesign 3, Die Ergebnisse des dritten European Newspaper Award, Norbert Küpper, Büro für Zeitungsdesign, Meerbusch 2002, ISBN 3-00-010152-7 |
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| Über den Autor: Norbert Küpper ist Zeitungsdesigner. Er hat mehr als 50 Zeitungen neugestaltet. Er arbeitet vorwiegend in Deutschland, hat aber auch Titel in Tschechien, der Slowakei, Italien, Österreich, Belgien und den Vereinigten Arabischen Emiraten neugestaltet. 1999 gründete er den European Newspaper Award, einen Europäischen Zeitungsdesign-Wettbewerb. Email: nkuepper@zeitungsdesign.de |
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